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Neuer Sound, alte Liebe – Yppah

Joe Corrales Jr. werkelt seit 10 Jahren unter dem Namen Yppah, hat in der Vergangenheit bereits drei wunderbare Platten veröffentlicht, die jeden Fan von Electronica entzücken müssen. You Are Beautiful At All Times von 2006 war ein Gedicht, mein persönlicher Favorit ist das träumerische Longtime. Danach folgte mit They Know What Ghost Know (2009), bei dem es mir die fröhlich-lärmige Kirmesverklärung A Parking Lot Carnival ganz besonders angetan hat. 2012 kam Eighty One, das in Zusammenarbeit mit Anomie Belle entstand und mit Three Portraits einen der tollsten Songs des Jahres hervorbrachte. Ich möchte mich an dieser Stelle als uneingeschränkter Fan Yppahs zu erkennen geben. Und auch das soeben erschienene Werk Tiny Pause zementiert diesen Status ein bisschen mehr. Obwohl es nicht Herrn Corrales‘ beste Scheibe ist.

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Photo Credit: Damian Apunte

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Frohes Neues Jahr!

Happy New Year!

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Wir wünschen allen unseren Lesern und Leserinnen ein wunderschönes Neues Jahr. Mögen all eure Wünsche und Träume 2015 wahr werden. Um euch den Jahreswechsel ein klein wenig zu versüßen, haben wir für euch ein kleines musikalisches Feuerwerk gezündet.

Falls ihr es noch nicht gesehen habt, hier geht’s zu den schönsten Songs über und für Silvester.

 

Yppah – Playing With Fireworks

Link: yppahmusic.com

 

Animal Collective – Fireworks

Link: animalcollective.org

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Lauschrausch LII: Yppah

Wer – so wie meine Wenigkeit – auf in Traumhaftigkeit schwelgende Electronica abonniert ist, möchte den US-Amerikanier Yppah nicht missen. Anlässlich der letzten Platte Eighty One attestierte ich dem hinter Yppah steckenden Herrn Joe Corrales Jr. die virtuose Fähigkeit, Budenzauberszenerien zu entwerfen. Wird man dann eins mit seinem Werk, „winden sich Schauer kindlichster Erregung durch die Glieder, gerät man zum glückseligsten Teil des Spektakels.“ Was auf Eighty One gemünzt war, lässt sich generell über sein freudvoll-magische Œuvre sagen. Musik und Fröhlichkeit sind bei Yppah eine verschworene Einheit. Ein Titel seiner 2009 erschienen Platte They Know What Ghost Know hieß damals A Parking Lot Carnival – und auf gewisse Weise darf man sein gesamtes Schaffen unter diesem Motto verstanden wissen. Dieser Tage nun hat der Klangschmied völlig unvermutet einen neuen Track namens Bushmills vorgestellt. Ich werte selbigen als Vorboten eines hoffentlich baldigen neuen Albums. Und freue mich. Weil der Budenzauber auch bei Bushmills in jeder Sekunde blinkt und funkelt. Welch Lauschrausch!

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50 Albumschmankerln 2012

Hier nun also der zweite Teil unserer Jahresbestenliste. 40 Alben und 10 EP haben wir als Empfehlungen ausgewählt. Wie schon für unsere 75 Lieblingstracks 2012 gilt auch in diesem Fall, dass diese Liste von Auslassungen lebt. Natürlich wären Get Well Soon oder auch Leonard Cohen heiße Anwärter auf einen Platz in dieser Aufzählung, wenn wir denn jenen Alben heuer mit der gebührenden Ausführlichkeit gelauscht hätten. Doch wenn uns der wöchentliche Veröffentlichungszirkus etwas anderes weismachen möchte, gute Alben werden nicht schnell ranzig. Können auch erst mit ein paar Jahren Verzögerung gefestschmaust werden. Ob ein Musikjahr also beweihräuchert werden darf, das entscheidet sich oft erst lange nach dessen Verstreichen. Das, was uns jedoch bereits jetzt nachdrücklich in Herz und Hirn haften geblieben ist, haben wir folglich hier zusammengetragen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Durchstöbern!

Alben

Born To Die_ Lana Del Rey - CMS Source1. Lana Del ReyBorn To Die

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Unsere 75 Lieblingstracks 2012

Hier ist sie also nun, die Jahresbestenliste unser Lieblingssongs. Eine Momentaufnahme, zugegeben. Wenn wir am Ende des Jahres die persönlichen Favoriten Revue passieren lassen, dann stellen wir oft ganz verdutzt fest, welch zweifelslos prima Musik uns in jedem Jahr wieder durch die Lappen gegangen ist. Doch das Jahr hat eben nur 365 Tage, selbst wenn man jeden zweiten Tag ein neues Album für sich entdeckt, hat man gerade einmal 180 Alben gelauscht. Das ist nichts im Vergleich zur Fülle an Neuerscheinungen. Dazu kommen noch einzelne Tracks, die sich der geschäftige Blogger tagtäglich so anhört. Das ergibt in der Summe mindestens 3000 neue Tracks pro Jahr, gar nicht die gefühlten Millionen Tracks mitgerechnet, welchen man mit leidendem Augenaufschlag begegnet, die man bereits nach wenigen Sekunden auf Nimmerwiederhören verabschiedet. Von daher ist eine jede Bestenliste eines Blogs nur ein klitzekleiner Ausschnitt einer Gesamtwirklichkeit. Zugleich ist solch eine Zusammenstellung auch programmatisch zu verstehen, sie stellt den eigenen Geschmack zur Schau, grenzt sich ab. Wir machen nicht den Diener vor einer cleveren PR-Kampagne von Frank Ocean, finden Tame Impala schauerlich. Diese Liste will weder hip noch obskur und auch in keinster Weise vollständig sein. Sie soll unsere von Herzen kommenden Empfehlungen dieses Jahres nochmals unterstreichen. Mehr nicht.

Songliste2012

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Budenzauberszenerie – Yppah

Wenn sich die Augen vor Staunen weiten, hat der Budenzauber seine Wirkung nicht verfehlt. Dann winden sich Schauer kindlichster Erregung durch die Glieder, gerät man zum glückseligsten Teil des Spektakels. In solchen Fällen ist der Moment ganz und gar präsent, die Vernunft macht sich vom Acker. Weil es eben kein Verstehen braucht, die Wahrnehmung nicht besserwissern darf, keine abgefeimte Ratio der Magie den Dolchstoß verpasst. Das sind keine Augenblicke, welche man sich mir nichts, dir nichts herbeifummeln kann. Sie geschehen unvermittelt. Was Joe Corrales Jr. unter seinem Künstlernamen Yppah so veranstaltet, gerät zu einem überwältigendem Gemenge funkelnder Ideen, die des Hörers Ohren nur so schlackern lassen.

Bereits seit seinem Debüt You Are Beautiful at All Times darf man Yppah getrost in einem Atemzug mit Lichtgestalten vom Schlage eines Moby, DJ Shadow oder Bonobo nennen. Und spätestens mit seinem jüngsten Werk Eighty One hat er für sich das Tüpfelchen auf dem i gefunden, sodass etwaige Vergleiche mit den Größten der Zunft in gleichberechtigter Ehrfurcht erfolgen müssen. Yppahs Sound ist von originärer Dynamik, prall-fröhlicher Verspieltheit und mystischem Zauber getragen, er fügt Puzzleteilchen mit einer Selbstverständlichkeit zusammen, dass das daraus entstehende Bild ihn – und nur ihn – zeigt. Natürlich könnte man einen Track wie R. Mullen auch im Mobyschen Repertoire verorten oder D. Song den allerfeinsten Trip-Hop-Formationen andichten, aber die Vielseitigkeit des Albums ist nie der Nachahmung geschuldet. Übersprudelnde, immer neue Kniffe ersinnende Kreativität führt zu diesem unberechenbaren, sich in die Gehörgänge träufelnden Spuk. Wie Yppah Shoegaze mit Electronica verknetet, aufgekratzte Hip-Hop-Beats der sirenesken Qualität von Anomie Belle entgegenstellt, dies ist zu gut, um nur sehr gut zu sein! Dass Herr Corrales Jr. Anomie Belle für diese Platte gewinnen konnte, erweist sich als der eigentliche Glücksgriff, welcher ein großes Werk mit noch mehr Glitter überflittert.

Wenn gegen Ende des Albums Golden Braid durch die Boxen wummert, beginnt eine faszinierende Viertelstunde, quasi ein musikalischer Triumphzug, in dem sich Yppah zum Meister krönt. Was hier seinen Lauf nimmt, zählt zu den lebendigsten Minuten, die 2012 zu bieten vermag. Three Portraits erwächst nicht zuletzt dank Anomie Belle zu einem puren Quell der Freude, der das Herz in rhythmischer Glückseligkeit Purzelbäume schlagen lässt. Ganz großes Kino, ohne 3-D, ohne Schnickschnack, voll erhebender Begeisterung. Some Have Said gibt sich wieder puristischer, umrankt von einem scheppernden Beat. Es ist ein nüchtern gefertigtes Ende einer gänzlich traumhaften Platte, ein Übergang zurück in die Realität. Bereits vor dem furiosen Finale geizt das Werk nicht mit Gänsehautmomenten, etwa durch das Anomie Belle auf den Leib geschneiderte Film Burn oder dank bereits erwähntem R. Mullen. Letzterer Track schwelgt im Sampling, ehe er zu einem gellenden Gitarren-Stück mutiert. Wo das koboldige Blue Schwinn eine luftige Traumtänzelei über das wolkenlose Firmament nachstellt, man die Haut kitzelnden Sonnenstahlen geradezu verspürt, wuchtet und türmt sich Happy to See You in selig-ritueller, post-rockiger Feierlichkeit zum Ausbund an Lebensfreude auf. Nicht zuvergessen wäre freilich auch das abermals von Anomie Belle getragene Soon Enough, welches Versatzstücke des New Weird America nicht verleugnen kann. Der Titel ist kein Meisterwerk, vielmehr ein weiterer Beweis der ungehemmten Experimentierfreude, mit der uns Yppah zu beglücken versteht.

Was soll ich zum Ausklang meiner Lobrede noch ansprechen? Ich kann doch eigentlich nur nochmals das Staunen unterstreichen, das mit Eighty One einhergeht. Das Album ist ein kunstvoll gestaltetes Feuerwerk, eine unvergessliche Budenzauberszenerie voller Glücksgefühle. Yppah hat sich selbst und viele Kapazunder übertroffen, ein in überirdische Schönheit transzendierendes Werk kreiert. Eine ähnlich eindrucksvolle Platte wird man so schnell nicht finden dürfen.

Eighty One ist am 05.04.2012 auf Ninja Tune erschienen.

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Release Gestöber 19 (Jennie Abrahamson, Yppah, Golau Glau, The Magnetic Fields)

Ein bisschen fühlen wir uns ja gleich Partnervermittlern, die aus dem Fundus an Beziehungswilligen den Interessenten exakt jene vorschlagen, die wir persönlich knorke finden. Und so wie wir weder Busenwundern noch Machos frönen, so geraten auch unsere musikalischen Empfehlungen speziell, hoffentlich jedoch frei von übertriebenen Fetischen. Vielleicht erzeugt der eine oder andere Tipp einmal mehr ein Leuchten in den Augen des Lesers. Dann hätten wir unsere kupplerische Mission bravourös erfüllt.

Jennie Abrahamson

Schweden darf sich vieler Singer-Songwriter rühmen. Jennie Abrahamson mag noch nicht zur vordersten Garde gehören, tätsächlich fehlt ihrem Liedermacherhandwerk oft der zündende Funke, eine Emotionen bindende Melodie mit ausgeprägter Halbwertszeit. Dabei liefert Abrahamson lebendigere Popsongs ab als viele ihr Landsfrauen, doch oft ist diese Quirligkeit mit allzu angestrengtem Bemühen und unsäglichen Marotten verbrämt. Diesen Kritikpunkten zum Trotz komme ich am Album The Sound of Your Beating Heart nicht vorbei. Weil eine Ballade wie Running ausgiebig zwischen enervierenden Höhen und ausgetüfteltem Arrangement pendelt, Hard To Come By im Refrain als robuster Ohrwurm funktioniert, A Better allerlei No-Gos und Versatzstücke zu einem schönen Midtempo-Stück bastelt. Prinzipiell nämlich sollte sie ihr Keyboard dringend entsorgen. She Don’t Lie klingt so abgedroschen, dass es selbst in den Achtzigern als hoffnunglos altmodisch angesehen worden wäre. Darum fällt mein Resümee auch zwiespältig aus. Denn entweder trifft Jennie Abrahamson ins Schwarze oder ihre Versuche verfehlen meilenweit das Ziel. Das macht das neue Werk zu einer zwischen Ärgernis und Beifallsbekundung schwankenden Platte. (Den Track Hard To Come By gibt es hier als kostenlosen Download.)

The Sound of Your Beating Heart ist am 27.01.2012 auf How Sweet the Sound erschienen.

Yppah

Kommen wir nun zu einem Anfang April anstehenden Album. Electronica vom Feinsten bescherte uns Yppah bereits mit dem Vorgängerwerk They Know What Ghost Know. Man tut gut daran, Yppah nur mit den besten Genre-Zampanos in einem Atemzug zu nennen, Bonobo beispielsweise. Der neuen Platte Eighty One begegne ich mit hohen Erwartungen, auch weil der Track D. Song (feat. Anomie Belle) einen munter forschen Beat mit abgründigem, nicht einfach nur ätherisch süßem Gesang mengt. Eighty One erscheint am 02.04.2012 auf Rough Trade. D. Song gibt es hier als kostenlosen Download.

Golau Glau

Mehrfach hat sich dieser Blog dem Schaffen des Musikerkollektivs Golau Glau gewidmet. Die anonym werkende Formation gibt ihren Tracks stets ein Unterfutter, gräbt tief in Mythen, forciert Konzepte. Die soeben veröffentlichte, kostenlose EP Revenant Branch beschäftigt sich anlässlich des National Libraries Day 2012 mit den Geistern toter Bibliotheken, die mit der Mahnung, nicht weitere Büchereien zu schließen, aus dem Grab steigen. Und natürlich wurden diese elektronischen Klangfragmente in bereits zugesperrten englischen Bibliotheken aufgenommen. Als Resultat schält sich ein gespenstischer, von verstörender Atmosphäre geprägter Abgesang heraus. Die EP sei speziell fortgeschrittenen Genre-Liebhabern empfohlen.

The Magnetic Fields

In weniger als vier Wochen erscheint hierzulande mit Love at the Bottom of the Sea das neue Werk von The Magnetic Fields. Mastermind und Exzentriker Stephin Merritt hatte bereits 2010 mit der Scheibe Realism an die Magie seiner in den Neunzigern erschaffenen Werke anknüpfen können. The Magnetic Fields stehen für ironiebegabten Pop, der oft aus Understatement seine Würze bezieht, die zuhauf vorhandenen Spleens nicht mit Pomp zelebriert. Im Grunde beschert uns Merritt einen Anti-Pop, welcher die Charakteristika eines Genres völlig negiert, Gefühle nie für bare Münze nimmt, oft bricht oder mit einem Beigeschmack versieht. Das Video zu dem Songs Andrew in Drag bestätigt diese Einschätzung einmal mehr.

Love at the Bottom of the Sea erscheint am 05.03.2012 auf Domino Records.

 

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Musikalischer Quartalsbericht 2009 (II)

Nun sind also April, Mai und Juni ins Land gegangen und unter das zweite Quartal des Jahres 2009 darf ein dicker Schlussstrich gezogen werden. Was bleibt sind eine erkleckliche Anzahl an denkwürdigen Liedern und Alben. Ich glaube vermelden zu dürfen, dass viele kleine und große Meisterwerke in diesem Frühling erblüht sind. Werfen wir einen kurzen Blick zurück und schnuppern noch mal ausgiebig an den prächtigsten Blüten.

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Die Eels vermochten mit Hombre Lobo ein einzigartiges Album zu erschaffen, dessen Intensität und Virtuosität alles in den Schatten stellte. Diese Scheibe wird noch die Hirne nachdenklicher Menschen beackern, wenn all die Kritikerlieblinge wie St. VincentActor ist eine unsägliche, pseudo-experimentelle Zumutung – längst schon mit der wohlverdienten Vergessenheit geschlagen sind. Die seichten Befunde der Kritikerzunft zu Hombre Lobo waren schlichtweg ärgerlich – oder im Falle Pitchforks einfach lächerlich. Eine weitere chronisch unterschätzte Truppe lieferte mit Journal For Plague Lovers eine rundum gelungene Sensation ab. Die Manic Street Preachers haben Substanz – ein Fremdwort heutzutage. Während man in dem Falle durchaus von einer Rückbesinnung auf alte Stärken sprechen konnte, brachen Placebo mit alten Gewohnheiten und zu neuen Ufern auf. Battle For The Sun wird wohl nicht zum besten Album der Band gewählt werden, eine Bereicherung freilich stellt es jedoch zweifelsohne dar. Und wenn wir gerade über Acts von der Insel schwärmen, sei auch nochmals Kingdom Of Rust der Doves positiv hervorgehoben und auf Kasabian nicht vergessen.

Auch Singer-Songwriter setzten gewichtige Akzente. John Vanderslice verstaute auf Romanian Names die phänomenale Ballade Too Much Time. Brett Dennens endlich auch in Deutschland erschienenes Hope For The Hopeless schenkte Hörvergnügen ohne Ende, dagegen wirkt ein Conor Oberst ganz schön alt. Der Schotte Paolo Nutini beschenkte uns mit Sunny Side Up – ein durch und durch kurzweiliges, unterhaltsames Album. Unverzeihlich freilich wäre es, in diesem Zusammenhang die Great Lake Swimmers und ihr absolut geniales Lost Channels unter den Tisch fallen zu lassen.

Aus deutschen Gefilden vermag ich in den letzten Monaten nicht allzu viele Lichtblicke zu zählen. Cargo City empfahl sich mit on.off.on.off. als Versprechen für die Zukunft. Highlight freilich blieb Lars Rudolphs Projekt Mariahilff, dass in jeglicher Hinsicht – vor allem aber textlich – zum Besten zählt, was seit langer Zeit in Deutschland verbrochen wurde.

Kommen wir nun zu den Kleinoden, deren verkaufte Exemplare sich wohl in überschaubaren Größenordnungen bewegen. Die Flare Acoustic Arts League offerierte mit Cut hochgradig intelligentes, oft augenzwinkerndes, aber immer unterhaltsames Songwriting. Viarosa rockten derart famos auf Send For The Sea, dass man sich nur wundern kann, warum sie die Nick-Cave-Fetischisten nicht mit offenen Armen empfingen. Yppah enttäuschte mich ebenfalls nicht und konnte mit dem Electronica-Album They Know What Ghost Know einen wahren Volltreffer landen. Stell dir vor, da geigt einer auf – und fast niemand merkt dies. Trespassers William beackterten auch 2009 das Metier Shoegaze und veröffentlichten The Natural Order Of Things – eine nette Scheibe, die nicht ganz das Niveau früherer Werke hält, aber dennoch sehr hörenswert ist.

Zu guter Letzt sei nochmals an The Alexandria Quartet erinnert, deren Debüt wir auf diesem Blog viel Tribut gezollt haben. Vermutlich schon bald dürfen wir uns dafür auf die eigenen Schultern klopfen und mit Selbstlob überschütten. Keine Frage, diese Norweger werden eine Karriere aufs Parkett legen – die Musik ist so toll, da steppt jedweder Elch dazu.

Verweilen wir einen Moment bei den weniger perfekten Fabrikaten aus den weltweiten Plattenschmieden. Grizzly Bear und die CD Veckatimest sind nettes Mittelmaß und werden völlig ohne triftigen Grund über den Klee gelobt. Gediegene Langeweile ist meines Erachtens noch nicht zur Kunstform erhoben. Green Day und der Rebellions-Rock mögen simple Parolen für die schweißgetränkte Meute in ausverkauften Stadien auf Lager haben, musikalische Relevanz darf sich davon nicht ableiten lassen. Ärgsten Feinden sollte man die Schenkung des Album von La Roux erwägen – und weil diesen Gedanken bereits viele Menschen hatten, erklären sich auch die vorzeigbaren Verkaufszahlen.

Doch schwelgen wir lieber in schönen Erinnerungen. Die unzähligen Duftmarken hinterließen einen bleibenden Flair in unserem CD-Regal. Hoffentlich tat die eine oder andere Scheibe dies auch in den Sammlungen unserer geneigten Leser.

SomeVapourTrails

Die stinkreiche Phantasie im Kopf

Meine kommenden Tage werden hörreich verlaufen. Vom überbordenden CD-Regal belauern mich bereits die durchdringenden Augen zahlreicher unerlauschter,  der Veröffentlichung harrender CDs und morsen flehentliche Drohungen gen Schreibtisch. Ungehört schlabbern sie vor sich hin, wollen als Schatz gehoben und in den Schrein meiner Ohren gestellt werden. Unter den derzeit zahlreich grassierenden Juwelen fröstelt ein Steinchen besonders perlmuttern, weckt ungeheure Vorfreude in mir.

Hinter dem Projektnamen Yppah verbirgt sich Herz und Hirn von Joe Corrales Junior. Seit seinem Debüt You Are Beautiful At All Times im Jahre 2006 ist er von allem, was da kreucht und fleucht, eines der hervorstechendsten  Electronica-Genies. Mit spielerischer Lässigkeit vermochte er an den melodischen Downbeat eines Kieran Hebden (Four Tet) anzuknüpfen und schien auch den ebenfalls beim Kult-Label Ninja Tunes ansässigen Blockhead nicht eben zu verachten. Yppah kredenzte einen feucht gewordenen Traum verschwobener Melodien, die vor Einprägsamkeit strotzten. Nun erscheint dieser Tage das Nachfolgewerk They Know What Ghost Know.

TheyKnowWhatGhostKnow

Das neue Album erfüllt Erwartungshaltungen souverän. Mit stinkreicher Phantasie im Kopf wandelt Herr Corrales gen High Noon und verteilt unter so gut wie allen Electronica-Platzhirschen Abwrackprämiengutscheine. Yppah zaubert eine stimmige Mixtur wohlgeformtester Beats aufs Parkett und fächert die CD nebst Geniestreichen wie Animal Magic (Bonobo) ein. Bereits der flirrende Opener Son Saves The Rest zelebriert eine harmonische, gitarrenlastige Kakophonie, rubbelt die Ganglien des Hörers in eine traumweltliche Abgekehrtheit, ehe die erste Single-Auskoppelung Gumball Machine Weekend verklärte Stimmschnipsel in einen erquickenden Nerz edelster Drums kleidet. Man darf bereits getrost mit weißen Fähnchen fuchteln, die Platte siegt, zäumt jedweden Hörer in ein unendliches Gatter reinsten Wohlbefindens. Playing With Fireworks nippelt elegisch-zirpend an einem Firmament entspannter Verzückungen ab. Darauf folgt ein mit Flöten verhängter Zauber namens Shutter Speed, fördert fiepsig vibrierende Synthie-Klänge zutage.  The Moon Scene träufelt Western-Flair in ein verhalltes Bombast-Universum, während They Know What Ghost Know spukige Nuancen einer enigmatischen Tour de Force spuckt. Längst schon fehlen mir die Adjektiva, um einen Meilenstein des Elektronika-Genres auch nur ansatzweise mit Worten zu schmücken. Bei City Glow marschieren Beats auf, wandeln schnurgerade in eine schnörkelig verprämte Kinder-Disco-Verzückung. Daran knüpft Sun Flower Sun Kissed an, flockt in eine Schweißtreibung aus. The Tingling wiederholt das Rezept entrückter Melodien mit hackenden Beats und verscratchtem Sound. Längst hilft keine Dada-Sprache als Schilderungsmittel weiter und dies, obwohl nun der Höhepunkt der CD erklommen wird. Bobbie Joe Wilson schimpft sich die Mitstampf-Symphonie gewaltigster Dimension, hämmert sich in jede noch so vermaledeite Ganglie für immer und ewig und noch länger ein. Das ist das gottgebene Wunder der Electronica, das ist Musik, wie ich sie den Rest meines Lebens als Adrenalin-Push erfahren will. A Parking Lot Carnival betritt den Rund des rezensionsschwangeren Zimmers – welch Zauber suggeriert der Titel, hält das Versprechen, entwirft eine flauschige Melodie, die jeweden Mozart zum Pennäler verkommen lässt. Machen wir uns nichts vor. Gute Musik gibt es zuhauf, hier aber sprechen wir von Yppah, einem Wunderkind. Southern Sky Tells wuchtet noch ein letztes Mal die virtuose Begabung des Herrn Corrales in die Boxen, trommelt den Sieg der Ekstase ein.

Yppah

So also sieht der Magier hinter They Know What Ghost Know aus. So schaut ein Mann aus, der sämliche musikalische Harry Potter dieser Erde zu untalentierten Lausbuben degradiert. Die Phantasien dieses Mannes gehören zum Besten, was Musik jemals leisten vermag. Und ignorante Mitbloggerinnen, welche dies nicht kapieren, müssen solang gekitzelt werden, bis sie geständig kapitulieren.

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