Die Crux minderwertiger Geschenke

Können auch schlechte Songs prima Gratis-Downloads abgeben? Frei nach dem Motto „Ist mies. Also verschenken wir es!„? Seit selbst der apathischste Luftikus im Business erkannt hat, dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten – sprich: das Interesse der Fans aufstacheln -, kommt kaum ein Musiker ohne Giveaway auskommt. Auch dieser kleine, feine Blog macht oft auf kostenlose Downloads aufmerksam und versucht die belanglosen von den netten Präsenten zu trennen.

Prinzipiell ist das Dilemma der Musikbranche nachvollziehbar. Scheint es doch nachliegend mit guten Tracks das wenige Geld zu scheffeln, das Fans zu bezahlen bereit sind. Unter dem Aspekt wird man doch nicht die Perlen kostenlos vor die Säue werfen, vielmehr eine Resteverwertung praktizieren. Anders ausgedrückt: Was verschenkt sich leichter, ein nagelneuer Ferrari oder ein ausrangierter Opel? Der audiophile Fetischist darf also bei kostenlosen Downloads nicht mit Highlights rechnen, eher mit Füllmaterial, welches keiner gewinnbringenden Bestimmung zugeführt werden vermag.

Herr Manson ist zurück. Naja...

Herr Manson ist zurück. Naja...

Doch ich will nicht bei blanker Theorie verweilen, mit Beispielen diesen Verdacht untermauern. Jüngstes Exempel ist der seit gestern auf der offiziellen Webseite Marily Mansons frei erhältliche Track We’re From America. Dieser Vorgeschmack auf das im Mai Album The High End Of Low schmeckt schal. Die provokante Ikone einstiger Tage hat ihren Zenit längst überschritten, dennoch darf man ein wenig mehr erwarten als ein hysterisch-monoton gejodeltes We’re From America. Hier bestätigt sich die Füllmaterialthese eindeutig. Dass manch Band auch Telefonbucheinträge rückwärts singen könnte und man trotzdem beim Lauschen mit Gänsehaut bestückt wird, ist wohl evident. Bekannte Ausnahmekünstler wie Placebo bestätigen sind sich nicht zu schade aus dem Vollen zu schöpfen. Selbige bieten das Lied Battle For The Sun von der im Juni erscheinenden Platte gleichen Namens gratis an. Und dieser Song ist von der Beschaffenheit eine Hütte zum Schunkeln zu bringen.

Bands und Musiker, die nicht in der obersten kommerziellen Liga agieren, sind hochklassigen Geschenken generell aufgeschlossener – oder schlichtweg verzweifelter. Hier wird mit kleinen Aufmerksamkeiten um sich geworfen und schnuckeliges Zeugs mit dem Füllhorn unter die Menschheit gebracht. So erfreuten uns The Horrors vor zwei Wochen mit Sea Within A Sea, die belgischen Edelbarden Novastar, deren neuem Album wir demnächst Anerkennung zollen werden, mit dem exklusiven Track Waiting So Long oder auch die Great Lake Swimmers mit dem genialen Everything Is Moving So Fast. Die Gewinnung potentieller Käufer könnte durchaus gelungen sein.

Natürlich sind solch Darreichungen Teil des Marketings und zur Kundenbindung bestens geeignet. Nur selten mag es auch Respekt vor der mitunter gähnend leeren Brieftasche derjenigen verqueren Zeitgenossen sein, die dem Filesharing-Wahn noch nicht gänzlich anheim gefallen sind. Aber wenn schon Geschenke, dann sollte es doch kein Müll sein. Ideenarme Remixe toller Lieder sind so 2004. Free Downloads – sofern man bei der Investion einer Mail-Adresse von free sprechen darf – machen nur Sinn, wenn sie einen Wert repräsentieren. Ein gutes Stück Musik zum Beispiel. Schrott verschenken ist uncool. So uncool wie Marilyn Manson anno 2009.

SomeVapourTrails

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