Mist, schon wieder ein Meisterwerk – Lost Channels

2009 scheint ein gutes Jahr, zumindest was Plattenveröffentlichungen betrifft. Dies lässt sich an der enormen Anzahl an Lobeshymnen dingfest machen, die wir in unserem kleinen, feinen Blog bereits verfassen durften. Das Schreiben positiver Rezensionen ist herausfordernder als das Verfassen von Verrissen. Es gibt viele Möglichkeiten jemanden ans Bein zu pinkeln, aber nur wenige Facetten der Anerkennung, die nicht verkitscht, übersüß oder anbiedernd wirken. Auch heute gilt es wieder die Kurve zu kratzen und ein aufrichtiges Wort des Dankes für ein außergewöhnliches Werk hervorzusprudeln.

Die Great Lake Swimmers sind eine kanadische Band, die sich in den letzten Jahren mit bedächtigem, zärtlich ruhigem, melancholischem Folk-Pop hervorgetan hat. Mastermind Tony Dekker produziert ungemein unspektakuläres, eindringliches Songwriting von intensiver, kontemplativer Dichte. Bereits das selbstbetitelte Debüt aus dem Jahre 2003 begeisterte mit Songs wie Moving Pictures Silent Films. Seitdem konnte die Band mit jedem weiteren Album eine Weiterentwicklung erzielen. Bodies And Minds (2005) beinhaltete das feine Various Stages, Ongiara (2007) sah I Became Awake. Dieser Tage nun erscheint die neue Scheibe Lost Channels und – soviel sei verraten – übertrifft alle Erwartungen.

Great Lake Swimmers (Foto von Ilia Horsburgh)

Great Lake Swimmers (Foto von Ilia Horsburgh)

Lost Channels wird von magischen Momenten durchwebt. Doch wie kommen selbige zu Stande und wer vermag sie fühlen? Das große Kino der Sentimentalität erfordert Sitzfleisch, weil es nicht unterhält, vielmehr ein ernsthaftes Abtauchen in die Untiefen der eigenen Sehnsüchte erlaubt. Die Ernsthaftigkeit des Zaubers verlangt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Hörers. Hier verliert Songwriting den verquollenen Wimpernschlag der belanglosen Darbietung sämtlichen Gefühlskuddelmuddels und fokussiert sich auf aufrichtiges Erzählen. Die Seriosität des Vortrags mag verschrecken und Genre-Fetischisten in die Arme schräg schillernder Gruppierungen wie den Fleet Foxes treiben oder in den überkanditelt-kindlichen Vortrag einer Joanna Newsom zwingen. Irrwege!

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Durch den Morast an fantastischen Liedern zu waten, die mit nobel zurückhaltenden Tentakeln zupacken, ist ein Weg in die Fänge der Verzückung. Bereits der Opener Palmistry schippert tonangebend in schönste Traurigkeit, ehe Everything Is Moving So Fast in ein Kaleidoskop an Abgründigkeit schlittert. Erdig und fußwippend, im Stile von Creedence Clearwater Revival wabbert Pulling On A Line daher, ehe die sakrale Erhabenheit von Concrete Heart durchsticht. She Comes To Me In Dreams wiederum schlendert dynamisch durchs Mark, ehe das dudelige The Chorus In The Underground klassische Folk-Traditionen hochleben lässt. Die Hymne Still atmet famose Lyrics, wenn Dekker mit „I’m still searching for whispers inbetween yells“ die Mentalität der Band, welche inmitten allen irdischen Trubels leise Töne spuckt, definiert. New Light und River’s Edge unterstreichen den Eindruck eines Albums ohne Füllmateria, bevor sich Unison Falling Into Harmony als perfektes Liebeslied erweist. Zurück bleibt die Aura eines weisen, reifen, allgemein gültigen Werks.

Die Great Lake Swimmers haben uns bereits jetzt das Folk-Album des Jahres beschert, vermutlich sogar DAS Album der puren Verträumung schlechthin. Ein zeitloser Klassiker modernen Folks – vergleichbar mit der dichten Atmosphäre von The Trinity Session der Band Cowboy Junkies. Unbedingte, ohne Wenn und Aber ausgesprochene Empfehlung.

Links:

Offizielle Webseite

MySpace-Seite mit Hörproben

Beurteilung von Lost Channels durch Laien

Verlinkung zu kostenlosen Downloads

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Mist, schon wieder ein Meisterwerk – Lost Channels

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