Überirdisches im Wohnzimmer

Zugegeben – ich bin heute in einer seltsamen Stimmung. Der Versuch, mich mit dem extensiven Hören von Röyksopps Junior zu retten, verfrachtete mich kurzzeitig in eine etwas alberne Stimmung. Am Ende half aber nur mal wieder Mazzy Star. Irgendwie ist es schwer zu widerstehen mindestens einmal in der Woche einen Beitrag über die von mir so geliebte Dream Pop Band zu schreiben.

Zum Glück ist mir jedoch gestern ein besonderes Juwel in die Hände gefallen aus dem Eternal Heaven meiner Lieblingsbands. Anna Lynne Williams – Sängerin von Trespassers William ist im Moment sehr umtriebig. Neben ihrem Soloprojekt Lotte Kestner zaubert sie immer neue Kollaborationen hervor.

Besonders ist All The Dark You Need There – von überirdischer Schönheit das Lied, ganz im Kontrast zum sehr weltlichen Wohnzimmer, in dem diese Aufnahmen stattfanden.

Lotte Kestner and Joe Fraley – All The Dark You Need There

Links:

www.myspace.com/annalynnew (Lotte Kestner)
www.myspace.com/klum (Joe Fraley)

Sophisticated Stinkefinger

Amanda Palmer (Dresden Dolls) ist derzeit nicht – drücken wir es mal vorsichtig aus – sooo zufrieden mit ihrem Label Roadrunner Records. Fühlt sich und ihr jüngst erschienenes Soloalbum Who Killed Amanda Palmer extremst deplaziert im Label-Roster, ihre Nachbarn  Slipknot und Nickelback gefallen ihr wohl genauso wenig wie mir und auch sonst scheint da einiges im Argen zu liegen.

Herrlich ironisch, hebt sie nun den Mittelfinger gen Roadrunner Records und lieferte auf einem Konzert in Fort Lauderdale eine Parodie auf den Song  Moon River – den Palmer kurzerhand in Please Drop Me umtaufte. Aber seht und hört selbst:

Amanda Palmer – „Please Drop Me“

DifferentStars

Wollt Ihr das totale Filesharing? (Teil 2)

Was bereits im ersten Teil meiner Ausführungen angeklungen ist, will ich heute weiter auffächern. Diesmal soll der Augenmerk auf zwei Gesichtspunkten liegen: Ich gehe der Frage nach, ob Filesharer die besseren Menschen sind. Und en passant werde ich nochmals den Gedanken eines früheren Eintrags, der ein paar Worte über die gesellschaftliche Sehnsucht nach Kunst beinhaltet, wiederholen. Eigentlich scheint es bedauerlich, dass man Grundlagen vernunftbetonten Denkens als Erkenntnisse verkaufen muss, aber angesichts des Zuspruchs, den Hetzblogs gegen das Copyright – ich denke da an 11k2 – erfahren, führt kein Weg daran vorbei.

Geistiges Eigentum wurde in den letzten 10 Jahren zu einem absoluten Unwort. Dabei verbirgt sich dahinter lediglich die Einstellung, dass ein Einfall und dessen Umsetzung – sei es nun in wissenschaftlichem Bereich mittels Patenten oder im künstlerischen Bereich mit dem Copyright – nicht einfach so nachgemacht beziehungsweise kopiert werden soll. Im Deppenjargon: Man hat eine Idee, setzt diese um und dann soll man durch die Finger schauen? Dies hört sich ungerecht an – und das ist es auch. So wie der Bäcker vom Backen der Brötchen, der Börsianer vom Hasadieren mit Aktien und der Verkäufer vom Verkauf lebt, so soll der kreative Kopf vom Ausleben seiner kreativen Ader und der Forscher von seiner analytischen Neugier leben. Kreativität und Neugier waren immer schon Antrieb für die menschliche Fortentwicklung. Natürlich stehen den eigenen finanziellen Interessen die Interessen der Gesellschaft entgegen. So stellt sich unter ethischen Gesichtspunkten die Frage, ob wissenschaftliche Erkenntnisse, welche einen überlebenswichtigen Nutzen für die Menschheit haben, tatsächlich geistiges Eigentum einer Person oder Firma sein sollen. Aber wenden wir das Augenmerk auf den künstlerischen Bereich.

Das Interesse an Kunst – entweder in Form der Produktion oder aber des Konsums – ist der menschlichen Natur immanent. Ob der Konsum nun Zweck der Erbauung, Unterhaltung oder Sinnfindung geschieht, spielt für die Wichtigkeit eine untergeordnete Rolle. Wir alle benötigen die Kunst als Teil unseres Alltags. Die demokratischen Verhältnisse unserer Zeit erlauben dem Künstler – zumindest theoretisch – eine Unabhängigkeit gegenüber etwaigen Mäzenen oder staatlichen Geldern und somit auch eine breit dimensionierte Freiheit. Wir alle sind Förderer, in dem wir Bücher, Bilder, Musik kaufen oder die Eintrittskarte für ein Konzert, eine Theateraufführung, eine Lesung, eine Ausstellung oder einen Kinobesuch lösen. Die Vielfalt unser aller Geschmäcker erlaubt eine breite Palette an Kunstformen. Und aus der Verantwortung die konsumierte Kunst zu unterstützen, kann sich niemand stehlen.

Filesharer schreien gebetsmühlenartig die ewig gleichen Argumente – allein dadurch werden sie nicht stimmiger. Nur weil das digitale Zeitalter die Möglichkeit der uneingeschränkten Kopie erlaubt, bedeutet dies nicht, dass dadurch die gesetzliche und moralische Verantwortung zur Entgeltleistung erlischt. Ein Lied wird komponiert, in einem Studio mit Musikern eingespielt, von Tontechnikern bearbeitet – das alles soll keinen Wert darstellen, sobald die MP3 mal erstellt ist? Warum? Mit welchem Recht kassieren filesharende Menschen eigentlich allmonatlich ein Gehalt für ihre Arbeit, wenn sie Künstlern den Anspruch auf Entlohnung absprechen? Argument wie „Künstler sind doch alle reich“ zählen nicht, denn die Firmengründer von Aldi sind dies auch und wir bezahlen die Waren trotzdem an der Kasse. Adjektive wie „überteuert“ lasse  ich nicht gelten, denn der Markt bestimmt den Preis. Und nur weil ein gewisser Prozentsatz potentieller Käufer das Produkt stiehlt, besteht kein Grund den Preis zu senken. Vielmehr sollten die Diebe zur Kasse gebeten werden. Viele Copyright-Gegner bieten als Kompromiss die Kulturflatrate an, jammern jedoch bereits jetzt über Institutionen wie die GEMA. Eine Pauschalabgabe soll Verteilungsgerechtigkeit bringen. Und dies noch ohne betriebsblinden Moloch wie es die GEMA eben ist? Würde dann nicht erst recht der Löwenanteil in die Taschen der riesigen Plattenfirmen fließen, die für jedermann ein rotes Tuch sind? Filesharer haben eine recht simple Sicht der Dinge. Sie wollen alles konsumieren und wenig bis gar nichts dafür zahlen. Dies funktioniert aber nur im unreglementierten, virtuellen Internet – und darum werden die kapitalistischen Regeln, nach denen sich die Gesellschaft eben richtet, nun mit Kratzen und Beißen aus den Angeln gehoben. Dabei wird aber nicht etwa eine schönere Welt herbeigesehnt, vielmehr dem „Geiz ist geil“ nachgeeifert. Filesharer sind – natürlich sehr pauschaliert formuliert – Diebe mit Robin-Hood-Komplex. Und verdienen schon fast wieder Mitleid.

SomeVapourTrails

Kleine Ergänzung von DifferentStars:
Pro-Filesharer drohen dann auch gerne mal mit Mord – der „liebe“ 11k2  freut sich über soviel Cowboy Verhalten – ist aber alles nur Spass und der Amok-Lauf von Winnenden war gestern. Die Verrohung im Internet sowieso an nichts schuld:

eu-nein-zu-copyrightverlangerung-auf-95-jahre-c2ab-11k2_1238683949145

Dieser Kommentar findet sich (leider) hier.