Schatzkästchen 23: Wray – I Am A Loner

Ich bin ja noch mit der Ästhetik und der Weltanschaulichkeit der Bond-Filmen sozialisiert worden. Gut und Böse konnte man damals noch leicht unterscheiden. Mister Bond musste zwar mitunter auch wenig zimperlich sein, aber trotzdem hatte man das gute Gefühl, dass Geheimdienste ausschließlich Superschurken im Visier hatten. Auch das Frauenbild der Bond-Streifen wirkt heutzutage angestaubt. Frauen schmelzen beim Anblick eines machohaften Charismatikers, wie es Connery fraglos war, nicht länger dahin. Im 21. Jahrhundert muss ein Bond-Girl doch auch schon gestandene Astrophysikerin sein. Lediglich an den weiblichen Reizen mit all ihren Rundungen hat sich wohl nichts geändert. Wobei ich in Sachen Bond nicht mehr auf dem neuesten Stand bin, denn Daniel Craig sehe ich eigentlich als große Fehlbesetzung an. Doch ich schweife ab. Ich will eigentlich auf die Ästhetik der Bond-Streifen hinaus. Die von Maurice Binder aufregend gestalteten Vorspanne mit ihren atemberaubenden Titelsongs sind ein Teil der Film- und natürlich auch Musikgeschichte. Ein gutes Titellied musste stets episch, mysteriös und durchaus sinnlich tönnen. Fast alle dieser Kriterien finde ich auch auf dem Track I Am A Loner wieder.  Weiterlesen

Schatzkästchen 22: Paul van Eersel – Du temps

Folk Afro-Belge hat sich der in Paris ansässige Musiker Paul van Eersel auf seine Fahne geschrieben. Und warum zum Teufel soll die koloniale Vergangenheit Europas, die bei genauerer Betrachtung bis heute politische und gesellschaftliche Auswirkungen zeitigt, mit denen Unterdrückte wie Kolonialmächte bis heute zu kämpfen haben, warum also soll sich dies nicht auch in der Musik widerspiegeln? Weshalb soll jene Aufarbeitung immer von afrikanischen Musikern, die Tradition mit westlichen Einflüssen verbinden, geleistet werden? Im Falle von van Eersel läuft die Chose einmal andersrum. Du temps gefällt als bezaubernde kleine Folk-Nummer mit afrikanischem Flair. Zusammen mit der Sängerin Stella Zekri gelingt van Eersel ein Kleinod, dem jeder Ethno-Kitsch fremd ist. Du temps ist wahrlich nicht politisch zu verstehen, außer in der Hinsicht, dass es auch einem europäischen Musiker gut zu Gesicht steht, dann und wann nach Afrika zu schielen. Fast bedauere ich nun, das Thema Kolonialismus aufs Tapet gebracht zu haben.  Weiterlesen