Schlaglicht 51: Programm

Bereits letztes Jahr habe ich auf die Formation Programm hingewiesen, die EP Like The Sun mit Lob überschüttet. Nun möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf das letzte Woche erschienene Debüt A Torrid Marriage of Logic and Emotion hinzuweisen. Der Titel mag sperrig anmuten, die Musik jedoch ist edel, wie der Song Jukai belegt. Wenn man sich das Lied wieder und wieder anhört, wird man nämlich von der ästhetischen Kraft der Nummer völlig überwältigt. Es ähnelt einem großen Gemälde von enormer meditativer Qualität, in dessen Farben, Stimmungen und Details einzutauchen lohnt. Jukai ist von Minimalismus geprägt, ein nervös-repetitives Piano bildet das Fundament des Songs, darauf gestülpt wirkt ein fast steriler Drone-Charakter. Auch flirrende Synthies dürfen nicht fehlen. Die oberste Schicht schließlich bildet ein verwaschener und zugleich in höchsten Sphären schwebender Gesang. Leichte Schwere, melodische Melancholie und eine gewisse dunkle Helle durchziehen das Stück, das sich stets seine geheimnisvolle Aura bewahrt. All die Widersprüche klären sich ein Stück weit auf, wenn man man erfährt, dass der Song seinen Namen von einem Waldgebiet um den japanischen Vulkans Fuji geliehen hat. Der Kuroi Jukai, auch bekannt als Aokigahara, zieht nämlich Lebensmüde an wie Licht die Motten. Schon allein dieser Track unterstreicht, dass die Band aus Toronto in den letzten zwölf Monaten nochmals einen Entwicklungssprung gemacht hat. Sämtliche Talente, die sich auf der EP bereits mehr als nur angedeutet haben, treten nun offen zu Tage. Neben diesem grandiosen Track bietet der Plattenerstling übrigens auch ein Wiederhören mit den zwei stärksten Titeln der EP, Like The Sun und Zerozerozero. Letzteres Stück habe ich voriges Jahr derart beschrieben: „Knister-Drums, Piano und eine metzgernde Gitarre untermalen den kontemplativen bis bedrückenden Vortrag Jacob Somas, ehe nach und nach alles auf Synthie-Wogen gen Unendlichkeit schwebt.“  Weiterlesen