Musikalisches Tohuwabohu (VII): Line & Circle, Tarantina, The Thing With Five Eyes, Feu! Chatterton

Unser alljährliches Weihnachtsspecial führt auch immer dazu, dass sämtliche unweihnachtlichen Tracks und Alben auf der Strecke bleiben. Daher wird es heute und morgen gleich zwei Ausgaben des musikalischen Tohuwabohus geben. Aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds der letzten 2 Monate habe ich mir einige Perlen herausgesucht. Mögen Sie auf gespitzte Ohren stoßen!

Line & Circle

Photo Credit: Courtney Halverson

Man stelle sich einen Springsteen oder die tollen R.E.M. in feinstem College-Rock-Sound vor. Wem solche Klänge behagen, dem sei das 2015 erschienen Album Split Figure der Band Line & Circle wärmstens empfohlen. Roman Ruins etwa wirkt so, als hätten es R.E.M. mal erdacht und nur vergessen zu Papier zu bringen. Und Tunnel Joy macht kein Hehl daraus, dass hier Springsteens Tougher Than The Rest Pate stand. Selbst der Songtitel spielt auf das Album Tunnel Of Love an. Ein wirklich gelungenes Debüt der in Los Angeles ansässigen Formation! Diesem folgt nun endlich die neue EP Vicious Folly, die abermals schmissig-melodischen Rock mit dem verträumten Gesang des Frontmanns Bryan J. Cohen paart. Das Resultat kann sich hören lassen, speziell der tolle Track Man Uncouth läuft bei mir in Dauerschleife. Bleibt zu hoffen, dass diese EP ein weiterer Mosaikstein auf dem steinigen Weg zu einer größeren Hörerschar darstellt. Line & Circle hätten es sich verdient!

Vicious Folly erscheint am 01.12.2017 auf Grand Gallop Music.

 

Tarantina

Über das Multitalent Tarantina hatte ich bereits 2015 mehrfach geschrieben, seitdem aus mir unerfindlichen Gründen nicht mehr. Der neue Track Fables ist daher ein willkommener Anlass, auf die Künstlerin erneut hinzuweisen. Bei Fables geistert eine intensive Stimme, die in der Nachfolge von Soul-Pop-Königinnen wie Shirley Bassey oder Amy Winehouse steht, durch eine atmosphärisch dunkle, dramatisch aufgeladene Trip-Hop-Szenerie. Eine feine Nummer, der hoffentlich bald die angekündigte EP Teething folgen wird. Denn wenn man Tarantina etwas vorwerfen möchte, dann den Umstand, dass ihr Output zu überschaubar ist. Also ab ins Studio und her mit einem Debüt in Albumlänge!

Die Single Fables ist am 01.11.2017 auf Quite Crafty erschienen.

 

The Thing With Five Eyes

Jason Kohnen hat als Mastermind von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und später The Mount Fuji Doomjazz Corporation in fast zwanzig Jahren wirklich mysteriöse Klänge ersonnen. Wie man sich die vorstellen kann? Ganz viel archaische Legenden, eine Prise Lovecraftscher Horror, jede Menge exotische Sinnlichkeit gehen mit jazzig-loungigen Klängen und Ambient sowie Doom einher. Seit ein paar Jahren schon tüftelt Kohnen an The Thing With Five Eyes, das in puncto Atmosphäre an die zu den Akten gelegten Projekte anknüpft. Verlockung und Abgrund dominieren auch das nun endlich erscheinende Debüt, dessen Titel Noirabesque den Sound perfekt in einem Wort zusammenfasst. Der stimmungsvolle erste Vorgeschmack Salem unterstreicht die orientalische Note des Werks. Solch (Schauer-)Märchen wie aus 1001 Nacht sind feinstes Kino für den Kopf!

Noirabesque erscheint am 01.01.2018 auf Svart Lava.

 

Feu! Chatterton

Die französische Formation Feu! Chatterton zählt zu den spannenden Vertretern der neuen Garde junger französischer Rockbands. Ob Radio Elvis, Baden Baden oder eben Feu! Chatterton, alle haben einen ganz eigenen Stil, alle singen sie in ihrer Muttersprache, alle sind sie famos! Der chansonesque, poetische Rock hat bereits das Debüt Ici le Jour (a tout enseveli) ausgezeichnet, nun schicken sich die Pariser an, diesem eine neue Platte folgen zu lassen. Und die verspricht abermals sehr, sehr spannend auszufallen. Ein erster Vorgeschmack namens Souvenir belegt, dass die Band die große Tradition des Chanson mit dem Erbe des jüngst verstorbenen Johnny Hallyday vereint. Souvenir liefert zudem einmal mehr triftige Gründe, weshalb man seiner Muttersprache treu bleiben sollte und nicht der globalen Aufmerksamkeit willen englische Texte verfassen sollte. Die französische Sprachmelodie ist schlicht ein Genuss, ein melancholischer Hauch liegt über dem fragilen wie emotionalen Gesang von Arthur Teboul. Völlig anders präsentiert sich der zweite Vorbote L’ivresse, das Anleihen am französischen Rap nimmt. Ein die Neugier anstachelnder Ausblick auf das neue, noch namenlose Album, um dessen Bandbreite einem nicht bange sein muss. Feu! Chatterton, das steht längst fest, sollte man 2018 unbedingt im Auge behalten!

SomeVapourTrails

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