Unsere 30 Lieblingsalben 2017

Ich muss diese Liste meiner Lieblingsalben mit ein paar Geständnissen einleiten. Da wäre zunächst einmal mehr der Umstand, dass die werte Co-Bloggerin auf die Erstellung fast keinerlei Einfluss hatte, weil sie sich längst kaum mehr Alben in ihrer Gesamtheit anhört. Auch mir fehlt immer mehr die Zeit, Platte um Platte die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Das hat viel mit geänderten Prioritäten zu tun. Ein wenig bin ich freilich ebenfalls Opfer unserer digitalen Zeit, die uns mit Botschaften und Reizen bombardiert. Es geschieht immer wieder, dass ich mir ein Album zum Anhören auserwähle, nur um spätestens nach dem dritten Track abgelenkt zu werden und längst nicht mehr hinzuhören, während die Musik weiter munter vor sich hin spielt. Hier eine WhatsApp-Nachricht, da eine E-Mail oder ein Anruf, dort ein Tweet oder ein Status-Update auf Facebook. Das Album konkurriert zunehmend mit dem Umstand, dass man sich Musik nicht einfach so eine Stunde lang widmen kann – oder will. Was selbst Musikfetischisten plagt, führt bei Durchschnittskonsumenten dazu, dass man Alben nicht mehr die Aufmerksamkeit schenkt, die man noch vor 20 Jahren übrig hatte. Das Album wird nicht aussterben, es wird sich aber vermutlich einem Wandel unterziehen. So könnte es etwa immer mehr zur App mutieren, die neben Musik auch visuelle Inhalte bietet. Das Album als Rundum-sorglos-Paket, das alle Sinne zugleich beschäftigt, würde mich, wäre ich denn Musiker, durchaus reizen. Ein weiterer Ausweg aus der Plattenmisere ist zweifellos die EP, die ob der Kürze größere Chancen hat, in ihrer Gesamtheit Würdigung zu erfahren. Zumindest mir geht es so, dass ich 2017 viele tolle EPs entdeckt habe. Die Zukunft musikalischen Schaffens könnte also durchaus darin bestehen, mit gewisser Regelmäßigkeit EPs zu veröffentlichen. Das wäre aus Künstlersicht sinnvoller, als alle drei Jahre ein Album zu veröffentlichen und in der Zwischenzeit relativ unsichtbar zu sein. Doch genug der Überlegungen. Es wird Zeit für die Liste der 30 Lieblingsalben!

1. Lana Del Rey – Lust For Life

Noch im Jahre 2047 wird man genüsslich im smarten Heim sitzen und die Urenkel Siris oder Alexas bitten, die Erinnerungen an schöne Zeiten mit diesen Klängen zu untermalen. Und wenn man dann in Gedanken schwelgt, dabei eine Epoche hochleben lässt, die längst vergangen scheint, wird man sich vielleicht daran erinnern, dass man dieses Gefühl doch bereits beim Erscheinen des Albums hatte.“ (Review) VÖ: 21.07.2017 (Vertigo Berlin)

2. UNKLE – The Road: Part 1

Einen Geniestreich wiederholt man nicht so leicht. Nichts anderes nämlich war Psyence Fiction, das James Lavelle und DJ Shadow einst als UNKLE ersonnen hatten. 19 Jahre ist das mittlerweile her, man mag es kaum glauben. […] Lavelles UNKLE ist nach mehrjähriger Veröffentlichungspause endlich zurück – und die Zeit längst reif für einen neuen Geniestreich!“ (Preview) VÖ: 18.08.2017 (Songs For The Def)

3. Principe Valiente – Oceans

Melodischer Indie-Rock gepaart mit New-Wave-Charakter und Shoegaze-Herrlichkeit, was in dieser Kurzbeschreibung nach einem Album klingt, dass man besser gleich als gestern auf den Plattenteller legen möchte, ist tatsächlich sogar viel überwältigender, als man sich dies je auszumalen wagt. Oceans zählt für mich bereits jetzt zu den drei besten Alben des Jahres 2017. Sogar wenn morgen alle musikalischen Heiligen vom Himmel herabsteigen und sogleich ins Aufnahmestudio eilen würden, das famose Oceans könnte schwerlich zu toppen sein.“ (Review) VÖ: 12.05.2017 (afmusic)

4. Matias Aguayo & The Desdemonas – Sofarnopolist

Matias Aguayo & The Desdemonas haben ein Underground-Grusel-Varieté voll Achtziger-Synthie-Charme in Szene gesetzt, ein famoses Stück Musik erschaffen. […] Fin de Siècle hält in eine Post-Punk-Szenerie Einzug, märchenhafte Fantasie ins Zwielicht des Untergrunds. Matias Aguayo erinnert mitunter an einen verwirrten Peter Pan, der somnambul durch surreale Gefilde geistert. Die Chose gerät zum Abenteuer und Mysterium, zu bedrohlichem Sinneskitzel und Rausch.“ (Review) VÖ: 13.10.2017 (Crammed Discs)

5. Is This Really Me – The Iron Door

Die zärtliche Versonnenheit des Gesangs, die geschmeidigen Harmonien, die mit der einen oder anderen Überraschung punktende Instrumentierung, all das macht The Iron Door zu einem wirklich besonderen Album. Was auch immer Is This Really Me geritten hat, der Band ist jedenfalls eine wunderbare Zeitreise in die ausklingenden Sechziger gelungen. In eine Zeit also, deren Wünsche und Sehnsüchte an Aktualität nichts eingebüßt haben. Und womöglich ist die Hinwendung zu den Hippies die Form reaktionären Denkens, die es heute wirklich bräuchte.“ (Review) VÖ: 08.09.2017 (Ice Will Melt Records)

6. Cigarettes After Sex – Cigarettes After Sex

Cigarettes After Sex – der perfekte Bandname für eine female-fronted Post-Punk-Band. Und doch ist alles ganz anders! Der Sound der 2008 im texanischen El Paso gegründeten Band entpuppt sich als vielfältiger Dream-Pop, dessen unüberhörbare Einflüsse einem beinahe den Atem rauben. Vieles an Cigarettes After Sex ist erstaunlich. Da wäre speziell die Stimme des Masterminds Greg Gonzalez, die in der Musikpresse unisono als androgyn beschrieben wird.“ (Preview) VÖ: 09.06.2017 (Partisan Records)

7. Basement Revolver – Agatha

Agatha mag zwar lediglich vier Lieder stark sein, aber zusammen mit dem letztjährigen Debüt haben sich Basement Revolver längst als Newcomer etabliert, die dem Genre so viel zu geben haben. Auch wenn man die Gegenwart nicht mit den Neunzigern vergleichen kann, so scheint es mir keinesfalls unwahrscheinlich, dass man in zwanzig Jahren mit der ähnlichen Ehrfurcht über Basement Revolver spricht, die man heute Veteranen wie Slowdive entgegenbringt.“ (Review) VÖ: 21.07.2017 (fear of missing out records)

8. Blaue Blume – Sobs

Pop mit ganz viel Seele und voll poetischem Empfinden, musikalisch zwischen elektronischem Synthie-Pop und gitarrenhaftem Indie-Pop wunderbar austariert, derart famos präsentiert sich Sobs. Den Dänen gelingt die Blaupause für empfindsamen Pop mit starkem künstlerischen Ausdruck.“ (Review) VÖ: 17.11.2017 (hfn music)

9. Vlimmer – IIIIIIII​/​IIIIIIIII

Dunklen Underground-Wave und kantigen Dream-Pop, kalte Beats, Sub-Bass und skelettartige Arrangements, all das verspricht Vlimmer für diese beiden Minialben. Und dieses Versprechen löst dieses atmosphärisch dichte und mit großer Liebe zum Experiment aufgenommene Werk auch ein. Und die Bandbreite reicht dabei vom zeitlupenhaften Körperkonstante bis hin zu Schwerelosigkeit, das den Moment eines Autounfalls zu einer magischen Pop-Oper ausgestaltet. Das ist so spannend wie faszinierend. Wer DIY-Wave nicht völlig gleichgültig gegenübersteht, wird an Vlimmer sehr viel Freude haben.“ (Review) VÖ: 01.12.2017 (Blackjack Illuminist Records)

10. Postcards – Here Before

Aus welchem pittoresken US-College-Städtchen ist im Twee und Dream-Pop angesiedelte Musik der Band Postcards ausgebüxt? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich das Quartett im Mittleren Westen oder irgendwo in New England lokalisieren. Weit gefehlt! Sehr weit. Die Postcards kommen aus dem Libanon. Genauer gesagt aus Beirut, einer der spannendsten Metropolen des Nahen Ostens. Songwriting und Vortrag lassen das jedoch in keinster Weise erkennen. Vielleicht unterschätze ich ja, wie sehr die Generation der Millennials – nicht zuletzt durch das Aufwachsen mit dem Internet – bereits jedwede bemühte Nachahmung abgelegt hat. Musikalische Genres haben längst schon nationale Grenzen, Kulturräume oder Stereotype wie den Begriff der westlichen Welt überwunden, sprießen überall.“ (Review) VÖ: 21.04.2017 (T3 Records)

11. Ane Brun – Leave Me Breathless

Leave Me Breathless merkt man an, dass es als Homerecording-Geschichte voller Herz begann und irgendwann ins Studio geschafft hat. Manche Stück der Platte sind auf die schiere Ausdruckskraft des Vortrags reduziert, andere Songs wieder in der von der Ausnahmekönnerin gewohnten Manier famos arrangiert und instrumentiert. Ane Brun kommt mit der Platte dem nahe, was eines der großen Ziele des Songwritings überhaupt ist. Die eigene Gefühlen und Erfahrungen Musik werden zu lassen, das eigene Erleben derart künstlerisch zu verbrämen, auf dass es bei den Hörern ebenfalls Empfindungen freisetzt. Brun bedient sich fremder Geschichten, um eigene Sentimente wiederzugeben. Und im Idealfall gehen diese den Hörern unter die Haut, entfachen Gemütsregungen und Erinnerungen.“ (Review) VÖ: 06.10.2017 (Ballon Ranger Recordings)

12. Tinariwen – Elwan

Die Bürde der eigenen Geschichte mag den bitteren Grundton der Platte erklären. Elwan verzweifelt jedoch nicht an der Welt. Tinariwen mögen mit gegenwärtigen Verhältnissen hadern, doch haben all die Widrigkeiten die Band erst zu glaubhaften Verfechtern von Freiheit und kultureller Identität gemacht. Einem inneren moralischen Kompass folgend beschreitet die Formation unerschüttert weiter den eingeschlagenen Weg der Besinnung auf die eigenen Herkunft. Vom Sound her verlässt sich die Platte einmal mehr auf famose Percussion, kräftige Gitarren und eindringlichen Gesang. Manche der Stücke halten inne, geraten zur Meditation oder sachten Klage. Andere wiederum sind widerständlerisch wie eh und je, pulsieren geradezu.“ (Review) VÖ: 10.02.2017 (Wedge/[PIAS])

13. Wanda – Niente

Das Erfolgsrezept der ersten beiden Platten war so einfach wie simpel. Dem Motto „Verschwende deine Jugend“ folgender Rock gepaart mit sehr schlawinerhaftem Austropop, dazu noch das Augenzwinkern als Verbeugung vor dem Zeitgeist und moribunder Wiener Schmäh als Herkunftsgütesiegel. Diese Masche trug Amore und Bussi, doch gab es vermutlich nicht wenige Zeitgenossen, die vom dritten Album irgendeine Art von Transformation erwartet haben. Wohin also würde Wandas Reise gehen? Niente gibt nun die Antwort. Man düst wieder gen Italien!“ (Review) VÖ: 06.10.2017 (Vertigo Berlin)

14. The Magnetic Fields – 50 Song Memoir

Mastermind Stephin Merritt wühlt hier in seinen Erinnerungen, lässt die ersten 50 Jahre seines Lebens Revue passieren. Die Idee zu diesem Vorhaben kam vom Boss seines Plattenlabels Nonesuch Records, entwickelte sich aber keineswegs aus einer Bierlaune heraus. 1999 bedeuteten die aus 3 CDs bestehenden 69 Love Songs ja Merritts Durchbruch. Seit damals ist Merritt ein Darling der Musikkritik und mehr noch eine Ikone der großstädtisch-liberalen Musikfans. Es war also durchaus nicht bloß künstlerische Bewunderung, die Robert Hurwitz von Nonesuch zu jener Anregung trieb. Ein Opus magnum vom Schlage der 69 Love Songs können nicht viele Songwriter stemmen, für Merritt dagegen scheint der Umfang eines Box-Sets geradezu prädestiniert, wie auch 50 Song Memoir einmal mehr belegt.“ (Review) VÖ: 10.03.2017 (Nonesuch)

15. Orchestra Baobab – Tribute to Ndiouga Dieng

Es mag nicht ausgeschlossen sein, dass dieses Album das letzte mit dem Stamm der Formation ist. Ein Sidibe ist immerhin schon ein rüstiger Mittsiebziger. Doch so sehr man sich weitere Alben mit den bekannten Protagonisten wünscht, so sehr darf man zugleich davon ausgehen, dass dieser unverwechselbare Sound auch von jüngeren Generation fortgesetzt wird. Das Orchestra Baobab steht für ein Stück unverbrüchlicher senegalesische Identität. Es hat sich in letzter Konsequenz von Tiefschlägen und Zeitenwenden nicht unterkriegen lassen. Nicht anderes ist dem gesamten Land zu wünschen!“ (Review) VÖ: 31.03.2017 (World Circuit)

16. Lotte Kestner – Off White

Man kann mir viel erzählen, einen Bären jedoch lasse ich mir nicht aufbinden, nämlich dass in den vergangenen 20 Jahren ein besserer Dream-Pop als jener von Trespassers William gemacht wurde. Immer wieder weise ich gern darauf hin, dass es die Magie dieser Klänge war, die diesen Blog zum Leben erweckt hat. Leider gibt es die Band schon lange nicht mehr, aber was die Sängerin Anna-Lynne Williams seitdem unter dem Künstlernamen Lotte Kestner fabriziert, kann sich mehr als nur hören lassen!“ (Preview) VÖ: 01.09.2017 (Saint Marie Records)

17. Sofia Talvik – When Winter Comes – A Christmas Album

Alle Jahre wieder! Die schwedische Singer-Songwriterin Sofia Talvik hat es sich als Tradition auferlegt, jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein selbstverfasstes Weihnachtslied zu veröffentlichen und via Bandcamp zu verschenken. In mehr als 10 Jahren sind ganz wunderbare Lieder entstanden, die es sich längst verdient haben, auf einem Weihnachtsalbum zusammengeführt zu werden. Dieses Jahr ist es nun so weit. Frau Talvik hat alle Stücke neu aufgenommen und daraus When Winter Comes – A Christmas Album gemacht!“ (Review) VÖ: 24.11.2017 (Makaki Music)

18. Mammút – Kinder Versions

Mammút stammen aus Island und haben mit Katrína Mogensen eine herrlich charismatische Stimme aufzubieten! Und selbstverständlich besitzt auch Mammút jene gewisse Verschrobenheit des Songwritings, die längst schon Markenzeichen isländischer Klänge geworden ist. Beste Voraussetzungen somit zu den herausragenden Vertretern der Generation nach Björk und Sigur Rós zu werden. Doch haben gerade diese beiden Acts unser Bild von Island nachhaltige geprägt. Jeder Gesang, der nur entfernt dem einer exaltierten Elfe gleicht, wird natürlich sogleich mit Björk assoziiert. […] Mammút wird man eher gerecht, wenn man sich weniger auf das Idiom als vielmehr auf die Musik fokussiert. Dann wiederum findet man schnell raus, dass die Band stark dem female-fronted Alternative der Neunziger in all seinen Ausprägungen verbunden ist.“ (Review) VÖ: 14.07.2017 (Bella Union)

19. Yasmine Hamdan – Al Jamilat

Yasmine Hamdan verkörpert eine moderne, mit westlichen Einflüssen völlig im Einklang befindliche arabische Musik. Ihr Album Al Jamilat überzeugt durch ein kosmopolitisches Selbstverständnis, das rund um den Globus reist, um schließlich im heimatlichen Beirut Wurzeln zu schlagen. Es mag bedauerlich bis vorurteilsbeladen anmuten, dass man dies im Jahre 2017 überhaupt noch als Errungenschaft formulieren muss. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass derzeit allerorts kulturelle Barrieren eher hochgezogen denn abgebaut werden. Hamdan erweist deshalb sich als hoch veranlagte Brückenbauerin, die schnöden Ethno-Pop zur Kunst erhebt und Menschen aus verschiedensten Lebenswirklichkeiten anspricht.“ (Review) VÖ: 17.03.2017 (Crammed Discs)

20. Fir Cone Children – No Gravity Girls

Das bereits dritte Album No Gravity Girls begleitet wie schon die Vorgängerplatten das Heranwachsen der eigenen Töchter – und zwar mit Klängen abseits aller Biederkeit. Das noisige Geschrammel dieses Bubblegum-Pop-Pop besitzt noch immer anarchische Qualität. Wo Kinderlieder zu oft beruhigend oder belehrend sind, auf gewisse Weise dem quirligen Wesen des Kindes entgegenwirken, ist bei Fir Cone Children Übermut und Chaos angesagt. Vor allem aber versinkt diese Musik völlig im Augenblick, sie präsentiert sich als Anhäufung von Stimmungen. Und steht mit diesem punktuellen Ansatz im Widerspruch zur linearen Welt der Erwachsenen, die zur Gegenwart immer gleich Vergangenheit und Zukunft mitdenkt.“ (Review) VÖ: 30.06.2017 (Blackjack Illuminist Records)

21. Tricky – ununiform

Adrian Thaws, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Tricky, wird auch mit seinem neuen Album ununiform keinesfalls enttäuschen. Als Musiker mit eigenem Label, dazu von etwaigem Streben nach Erfolg geheilt, muss er niemandem mehr etwas beweisen, keine Rechenschaft ablegen. Sein Beitrag zur Musikgeschichte ist unbestritten, was immer er jetzt noch fabriziert, kann als Zugabe angesehen werden. Aus dieser Gewissheit heraus läuft Tricky in den letzten Jahren zur Höchstform auf. Und noch ist kein Ende in Sicht!“ (Preview) VÖ: 22.09.2017 (False Idols)

22. Jef Maarawi – Comfort Food

Wer Bonnie ‚Prince‘ Billy, Elliott Smith und Father John Misty zu seinen Vorbildern zählt, sich jedoch auch von der brasilianischen Kultur beinflusst fühlt, hat sofort meine Aufmerksamkeit. Denn solch Namedropping lässt eigentlich nur Spielraum für Schlimmes oder aber absolute Großartigkeit. Dem in Athen beheimateten Singer-Songwriter Jef Maarawi ist ohne Wenn und Aber ein verdammt gutes Album gelungen.“ (Preview) VÖ: 11.12.2017 (Inner Ear)

23. Jupiter & Okwess – Kin Sonic

Es ist niemals zu spät, sich vor einem breiten Publikum musikalisch zu entfalten. Jupiter & Okwess gelingt mit Kin Sonic ein Schablonen über den Haufen werfendes Album, dessen inhaltliche Tiefe sich europäischen Ohren nur im Ansatz zu erschließen vermag. Dennoch sollte man nicht den Fehler begehen, das Album nur auf seine kunterbunten Rhythmen zu reduzieren. So heiter und ungestüm diese sich auch zu gefallen wissen. Bokondji erweist sich als toller Brückenbauer zwischen afrikanischer Identität und europäischer Rezeption, aufgrund seiner musikalischen Frische darüber hinaus als Mittler zwischen Generationen. Wer solch Kunststück in seinen Fünfzigern schafft, hat im Leben vieles richtig gemacht!“ (Review) VÖ: 07.07.2017 (Glitterbeat Records)

24. Kevin Morby – City Music

Man tut Kevin Morby vielleicht gar keinen Gefallen, wenn man ihn mit einem Bob Dylan vergleicht. So sehr Morbys Songwriting und erst recht sein gesanglicher Vortrag förmlich danach schreien. Schlicht weil der Eindruck der Epigonenhaftigkeit oftmals einen schalen Beigeschmack hinterlässt. Aber Morby hat sich diesen Vergleich selbst mehr als verdient, vereint er doch all das auf sich, was speziell den jungen Dylan ausgezeichnet hat. Eine prägnante Beobachtungsgabe, eine facettenreiche Zärtlichkeit, lässige Selbstsicherheit und nicht zuletzt eine gewisse Portion Zorn über gesellschaftliche Zustände. Über solch Talente verfügt man – oder auch nicht. Man wacht jedenfalls nicht eines schönen Morgens auf und entdeckt den inneren Dylan in sich.“ (Review) VÖ: 16.06.2017 (Dead Oceans)

25. VedeTT – Losing All

Wave-Pop mit larmoyant-melancholischer Grundstimmung, das bietet VedeTT aus Frankreich. Florent Vincelot (aka Nerlov) hat mit Losing All kurz vor Weihnachten eine tolle EP veröffentlicht, bei der es sehr schade wäre, würde sie deshalb untergehen, weil man im Dezember eigentlich stets zu sehr in die Rückschau vertieft ist.“ (Review) VÖ: 08.12.2017 (Echo Orange)

26. Hope – Hope

Die Berliner Band Hope beschreibt beim gleichnamigen Debüt die rohe, entfesselte Dynamik einer Beziehung jenseits billiger Romantik oder aufgehübschter Erotik. Solch Traute zu existentieller Düsternis muss man erst mal haben, aber wäre der Mut wenig wert, wenn nicht auch die Umsetzung ganz stark ausfallen würde.“ (Review) VÖ: 20.10.2017 (Haldern Pop Recordings)

27. Son Volt – Notes of Blue

Es ist das ewige McCartney-Lennon-Dilemma! Wenn eine aus mehreren Masterminds bestehende Band ein nicht gerade amikales Ende findet, stellt sich für Fans unwillkürlich die Frage der Loyalität. Wessen Werdegang möchte man auch weiterhin enthusiastisch begleiten? Im Falle von Uncle Tupelo hat sich die Mehrheit für Jeff Tweedy und seine daran anknüpfenden Band Wilco entschieden. Auch wenn ich die Einschätzung der Co-Bloggerin nicht teile, die Wilco als Hipsterscheiße abtut, so erstaunt es mich dennoch, dass ein Jay Farrar nach dem Ende von Uncle Tupelo weitaus weniger Anklang gefunden hat. Seit über 20 Jahren nimmt er mit Son Volt absolut hervorragende Alben auf, denen jedoch die Anerkennung verwehrt bleibt.“ (Preview) VÖ: 17.02.2017 (Thirty Tigers)

28. The Burning Hell – Revival Beach

Es gibt Bands, die ich über all die Jahre nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen habe, obwohl ich dabei stets das Gefühl gehabt hatte, durch diesen Mangel an Aufmerksamkeit etwas zu versäumen. Dazu gehören fraglos The Burning Hell, die ich auf die Schnelle als kanadische Version von The Mountain Goats – noch so eine Formation, der ich lang schon zu wenig Aufmerksamkeit angedeihen lasse – bezeichnen würde. Das neue Album Revival Beach jedenfalls hat mein Aufmerksamkeitsdefizit beseitigt, mich nun endgültig zum Fan von The Burning Hell gemacht.“ (Preview) VÖ: 29.09.2017 (BB*Island)

29. Treptow – Besser selbst als gar nicht


Deutschsprachige Musik habe ich 2017 meines Wissens fast völlig ausgeblendet. Allerdings nicht aus einer bewussten Verweigerungshaltung heraus, die Neugier war halt relativ überschaubar. Eine der Bands, die sich eine Erwähnung jedoch längst verdient haben, ist Treptow. Treptow zeigen sich als Großstadtpoeten, bei denen es nicht erst Einhörner oder Feuerwerke regnen muss, um Glück zu erkennen und zu finden. Deutsche Liedtexte ohne platte Pseudo-Einsichten sind selten, Treptows subtiler Charme, der das kleine Glück zelebriert, tanzt angenehm aus der Reihe.“ (Preview) VÖ: 15.09.2017

30. When Nalda Became Punk – Those Words Broke Our Hearts

Those Words Broke Our Hearts könnte kaum unwiderstehlicher tönen. Die Melodien verfangen sofort. Das kleine, feine Album vereint lebensfrohe Klängen und textliche Substanz, ohne dass der unangestrengte, erfrischende Gesamteindruck dabei flöten geht. When Nalda Became Punk mögen keine Band für Charts und die große Bühne sein, sie verkörpern dafür zu 100 Prozent das, was man an Indie-Pop nie und nimmer missen möchte. Die Herzenswärme dieser Musik scheint wie für den Frühlingsanfang gemacht. Mit dieser Platte im Kopfhörer gerät die Welt leichter, wirken Farben gleich ein bisschen bunter, scheint jeder Anfang schon ein wenig gemacht!“ (Review) VÖ: 10.03.2017 (Shelflife Records/Discos de Kirlian)

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Unsere 30 Lieblingsalben 2017

  1. Bei der Albumliste sind mir doch einige Sachen mehr durchgerutscht als bei den Songs, wie ich sehe. Dass Ihr auch EPs auflistet, finde ich gut, sollte ich vielleicht auch mal machen.

    Interessant fand ich auch Deine Ausführungen zum Musikkonsum und Albumformat als solchem – ich kann es bei mir auch feststellen, dass ich immer seltener Musik wirklich konzentriert höre und ich da wegen diverser Gründe (v.a. Arbeit = > Zeitknappheit) anders als früher schnell die Aufmerksamkeit verliere, wenn ich ein ganzes Album höre(n soll). (Ausnahme ist bei mir Lana, deren Musik ich mir meistens ungestört zu Gemüte führe.) Das musikalische Überangebot und die permanente Verfügbarkeit von Mio. von Songs erschwert es zudem für jede Band, bis zu mir durchzudringen. Ich weiß aber nicht, ob sich das noch mal zurückdrehen lässt… (Außer vielleicht ich würde zu Vinyl wechseln und Musik nur noch so konsumieren, worauf ich aber echt keine Lust habe. 🙂

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