Liebe ist kein lästig Ding – Gregor McEwan

Aalglatt geschniegelter Bubis mit ihren schmeichelnden Stimmen überdrüssig? Zugleich von Songs angetan, die von Selbstfindung und Liebe erzählen? Dann kann das Album der Stunde eigentlich nur From A To Beginning des in Berlin ansässigen Singer-Songwriters Gregor McEwan sein. McEwan vermag treuzherzig und dankbar aus der Wäsche zu gucken, so wie es jemand tut, der sein Glück nicht völlig fassen kann. Der werte Mann schaut auch gern versonnen in die Gegend, wenn er von der Stärke singt, sich Unzulänglichkeiten einzugestehen oder sich nach Verirrungen wieder aufzurappeln.  Ein positives, nie oberflächliches Lebensgefühl und ein zärtlicher, dankbarer Blick auf die Liebe durchzieht das Album. Schmusebardiges in der Tradition von James Blunt oder James Morrison trifft auf eine erdige, kräftige Songwriter-Seele mit einem Herz für perfekte Harmonien. From A To Beginning verschönert und bereichert den Moment, bietet stets genügend Pfiff und Rumms auf, um über jeden Verdacht erhaben zu sein. Schauen wir uns das Album doch kurz ein bisschen genauer an.

Gleich zu Beginn kommt McEwan mit dem Kracher << Rewind, Retrack, Rename, Restore um die Ecke. „Goodbye loneliness, hey there togetherness/ I’ve got tons to catch up on/ Farewell unhappiness, wait for you, easiness/ Could you please come along?“ gibt Einblicke in ein fragiles Beziehungsglück, bei dem trotz Vorsätzen und Versprechungen noch längst nicht alles in Butter ist. Auch darum singt sich McEwan bei den beschwörerischen Zeilen „So take me as I am/ I take you as you are“ die Kehle aus dem Hals. Der speziell im Refrain kernige, rockige Sound verfehlt seine Wirkung nicht. Das americanahafte The Wrinkle In Time besticht mit entspannter Lebensweisheit. Die Erkenntnis „What is not supposed to happen, happens anyway/ And I suppose/ That’s just the way life goes/ As long as there’s tomorrow, there’ll be a better day/ Good and bad will come/ And surely all at once“ würde durch ihre Unerschütterlichkeit jedes gehobene Poesiealbum bereichern. You And I wiederum motzt folkigen Pop-Rock mit ein wenig Disco-Feeling auf. Langweilig, das verdeutlicht bereits der Auftakt der Platte, geht es bei From A To Beginning nie zu. Alderaan etwa bedient sich zackigen Neunziger-Indie-Rocks und macht dabei keine schlechte Figur. Green Mile entpuppt sich angenehm optimistische Ballade, die fingerdick Inbrunst aufträgt, im Gesang rauchig bis kratzig erschallt und spätestens mit der einstimmenden Mundharmonika abermals eine Affinität zu amerikanischem Singer-Songwriter-Folk erkennen lässt. Mein liebster Track der Platte ist freilich On Her Radar. Das Lied fängt all das ein, was ich bereits anfangs hervorgehoben habe.  Die Worte „She’s a saint and I’m a sinner/ She’s so sweet and I am bitter/ She’s an expert, I’m just a beginner/ She’s an artist, I’m just a singer/ But I am on her radar/ And I wanna stay there“ reiben sich tatsächlich ungläubig vor Glück die Augen. Ohne viel Gedöns, überwiegend auf eine akustische Klampfe setzend kommt eine zurückhaltende Gitarrenballade heraus. Diese wird selbst jene Menschen erfreuen, denen Gitarrenballaden eigentlich schon längst zum Hals raushängen! Anywhere, Anytime, Anything dagegen leidet wie ein geprügelter Hund, versteht sich als opulentes Verliererstück. Alles wollte man für die Liebste tun, kein Weg schien zu weit, kein Aufwand zu groß. Doch der Seufzer „But I got lost“ lässt am Drama keinen Zweifel. Man möchte Gregor McEwan angesichts seines Leidens in den Arm nehmen und ganz feste drücken. Dass quasi ein ganzes Orchester zum instrumentalen Abgesang zusammenkommt, allerlei Bläser und Streicher und natürlich auch ein Piano das Scheitern beklagen, verleiht dem Track Feierlichkeit. Auch Home verzehrt sich vor Sehnsucht, dieses Mal ist der Weg jedoch klar vorgegeben. Es führt schließlich nur ein Weg heimwärts! Gitarrenlastige, nachdenkliche Momente treffen auf eine stimmig instrumentierte Bandbesetzung mit ordentlich Dynamik. Wieder sorgt der werte Herr dafür, dass Sehnsucht nie in Rührseligkeit abgleitet. Auch zum Ende hin hat McEwan noch Pfeile im Köcher, beispielsweise die Pianoballade 19.07.13, die im Verlauf den Himmel voller Geigen hängt. Dieses schüchterne, mit ein wenig Selbstironie behaftete Stück ist eine Liebeserklärung, bei der man ahnt, das Kunst und Wirklichkeit ganz dicht beieinander liegen. Und wenn zum Abschluss des Albums dann der Titeltrack From A To Beginning ertönt, zückt man endgültig das Feuerzeug und schunkelt in einem imaginären Lichtermeer vor sich hin. Kann man Musik ein größeres Kompliment machen, als von einer Woge der Seligkeit erfasst zu werden? Wohl kaum.

From A To Beginning traut sich etwas. Nämlich intensiv vorgetragenen, melodisch eingängigen Singer-Songwriter-Sound, der Liebe bei aller Gefahr des Scheiterns und der Verletzung als große Erfüllung schildert. Liebe wird hier nie als Galgen skizziert, an dem man früher oder später baumelt. Und das Herz nicht als lästiges Ding, dessen Umtriebe nicht zu begreifen sind. Gregor McEwan glückt eine Romantik, die ohne Verklärungen auskommt und trotzdem überwiegend von Hoffnung getragen ist. Das gefundene Selbst in diesen Liedern mutiert nie zum Superhelden, bewahrt sich eine spröde Bescheidenheit. Das ist fraglos ehrenwert – und auf alle Fälle hörenswert!

From A To Beginning erscheint am 12.01.2018 auf Stargazer Records/Midsummer Records.

 

Konzerttermine:

19.01.2018 Köln – Die Wohngemeinschaft
20.01.2018 Bochum – Die Trompete
21.01.2018 Münster – Pension Schmidt
23.01.2018 Mainz – Schon Schön
24.01.2018 Stuttgart – Café Galao
25.01.2018 Fürth – Kofferfabrik
26.01.2018 Neunkirchen – Stummsche Reithalle
27.01.2018 Darmstadt – Kulturwerk Griesheim
07.02.2018 Kassel – Kulturhaus Dock 4
08.02.2018 Celle – MS Loretta
09.02.2018 Kiel – Prinz Willy
10.02.2018 Norderstedt – Music Star
11.02.2018 Hannover – Kulturzentrum Faust
14.02.2018 Suhl – Kulturbaustelle
16.02.2018 Frankfurt – Lotte Lindenberg
17.02.2018 Moers – Bollwerk 107
28.02.2018 München – Volkstheater
02.03.2018 Klagenfurt (AT) – Raj
12.03.2018 Pforzheim – Horch!
13.03.2018 Winterthur (CH) – HörBar
15.03.2018 Dortmund – subrosa
16.03.2018 Aachen – Raststätte
17.03.2018 Paderborn – Deelenhaus

Links:

Offizielle Webseite

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Gregor McEwan auf Instagram

SomeVapourTrails

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