Americana aus Bella Italia – Violetta Zironi

Erst unlängst habe ich ein Interview mit einem Musikmanager gelesen, der ziemlich selbstbewusst davon gesprochen hat, wie er Bands formt, den künstlerischen Pfad von Musikern zumindest absteckt. Nun würde ich mich nicht zu denen zählen, die anderen ein maßgeschneidertes Image verpassen könnten. Doch eine Sängerin, die voll lieblichem Schmelz dargebotenen Folk-Pop mit der Grandezza des Great American Songbook verbindet, die vielleicht noch dazu eine Retro-Elfe im Stile Lana Del Reys verkörpert, solch eine Singer-Songwriterin wäre durchaus eine Fantasie, der ich große Erfolgschancen einräumen würde. Dieser Tage jedoch durfte ich entdecken, dass dieses musikalisch feine Wesen bereits existiert. Und in der Realität noch viel interessanter ist, als ich dies hätte ertüfteln können. Violetta Zironi zeichnet neben den beschriebenen Qualitäten noch das Kuriosum ihrer Herkunft aus. Sie stammt aus Bella Italia. Den Liedern der soeben veröffentlichten EP Half Moon Lane ist dies jedoch keineswegs anzumerken. Der sachte bis pfiffige Americana-Stil der EP wirkt ungekünstelt, weiß mit seiner gehaltvollen Art voll und ganz zu überzeugen.

Photo Credit: Puria Safary

Zironi, da gibt es wohl keine zwei Meinungen, besitzt eine tolle Stimme. Besonders beeindruckend ist der Umstand, dass sie nicht erst die Oktaven rauf und runter springen muss, um dies unter Beweis zu stellen. Dem Gesang wohnt eine charaktervolle Schönheit, eine elegante Jugendlichkeit inne. Solch Timbre hat man – oder auch nicht. Bei Zironi klingt alles leicht, von einem eigenen Zauber beseelt. Und weil dem Vortrag auch noch ein vielfältiges, angenehm unaufgeregtes Songwriting zur Seite gestellt wird, fällt Half Moon Lane so gelungen aus. Der fast beiläufige, dabei beschwingte Folk-Pop von Toast etwa hat einen Charme, von dessen Leichtigkeit sich auch Acts wie Lily & Madeleine oder First Aid Kit etwas abgucken könnten. Die sich nur auf eine Akustik-Gitarre stützende Ballade Half Moon Lane ist puristischer Folk, dem beim Schwelgen in Erinnerungen die Anmut nicht abhandenkommt. Im Kontrast dazu folgt mit Song With Felix eine Nummer, dessen melodramatischen Anflüge ihre Inspiration aus der Blütezeit amerikanischer Standards bezieht. Oft wagt man sich derart weit in die Zeit zurück, wenn man auf Easy Listening schielt, doch als solchen würde ich den Track nicht abtun. Das Highlight des Albums ist freilich unbestritten Muddy Fields, dessen dunkler, westernhafter Americana-Flair sofort ins Ohr sticht. Bei diesem Lied stimmt schlicht alles, speziell die Instrumentierung ins bis ins Detail gelungen. Violetta Zironis Vortrag kann sich bei diesem Lied mit wirklich allen Verfechterinnen des Alternative Country messen. Beinahe ebenso gut tönt Don’t Make Me A Fool mit seiner bestrickenden, fast schunkelnden Melodie. Die makellose Eleganz des Gesangs veranlasst mich zu einem Vergleich mit Lana Del Rey. Würde selbige einen auf Dolly Parton oder Tammy Wynette machen wollen, könnte das durchaus ähnlich – und kaum besser – ausfallen.

Ob Musikmanager nicht viel öfter ein Fluch als ein Segen sind, stelle ich mal in den Raum. Violetta Zironi freilich hat in dieser Hinsicht bereits schon Erfahrungen gemacht. 2013 belegte sie bei der italienischen Ausgabe von The X Factor den dritten Platz und erhielt danach einen Plattenvertrag, der sie zu harmlosem Italo-Pop verdonnerte. Vergleicht man die belanglosen Singles aus dieser Zeit mit der Debüt-EP Half Moon Lane, erkennt man schnell, wozu Zironi wirklich berufen ist. Diese EP ist somit ein Befreiungsschlag, der einen vergangenen Irrtum auf fabelhafte Art und Weise korrigiert. Aber vielleicht sage ich das auch nur, weil ich, wäre ich Musikmanager, Violetta Zironi von Anfang an dazu animiert hätte, ihr Potential auszuleben. Dass Half Moon Lane erst der Anfang ist und sie ihre Musik in die USA führen wird, steht außer Frage. Ich halte ganz fest die Daumen!

Half Moon Lane ist am 23.02.2018 auf Pon’t Danic Music erschienen.

Konzerttermine: (mit Mick Flannery)

12.05.2018 Berlin – Frannz Club
13.05.2018 Hamburg – Prinzenbar
14.05.2018 Köln – Blue Shell
15.05.2018 Mainz – Schon Schön

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SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Americana aus Bella Italia – Violetta Zironi

  1. Also mit einer Lana-Referenz stößt man bei mir natürlich immer auf offene Ohren. 🙂 Violette gefällt mir auch sehr gut, ein prima Tipp!

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