Schlaglicht 87: Scenic Route to Alaska

Was wurde eigentlich aus Brian Molkos jüngerem Bruder, nachdem er vor Jahren irgendwo in der nordamerikanischen Prärie ausgesetzt wurde? Er wuchs unter dem Namen Trevor Mann auf, hat sich letztlich auch der Musik verschrieben und ist Sänger des Trios Scenic Route to Alaska. Die Band aus dem kanadischen Edmonton hat vor wenigen Wochen mit Tough Luck ein gelungenes Album voll hemdsärmeligem Indie-Rock in bester Siebziger-Manier veröffentlicht. Das kanadische Magazin Exclaim! trifft mit seiner Einschätzung „catchy riffs cascade across its runtime without relent, erupting out of rustic pop-stompers and rock sing-alongs with equal aplomb“ den Nagel auf den Kopf. Tough Luck tönt ungemein eingängig und mitreißend, klingt oft eher nach einem gut abgehangenem Stück Musikgeschichte als nach einer nostalgischer Hommage. Die zehn Tracks sind wie aus einem Guss, textlich geht es vielfach um das unstete Leben auf Tour. Die Zeilen „Starting to pass me by/ Early mornings, sleepless nights and red-eye flights/ Only thing changing, where I sleep at night/ Starting to pass me by/ And all the lonely hearts/ Gather ‚round and start joining hands/ The cards get dealt out and I’m all in/ Is this how it is?“ fangen das Dasein on the road hervorragend ein. Besagte Lyrics sind dem Opener How It Feels entnommen, in knapp vier Minuten verdichtet sich der gesamte Charme des Album. Manns charismatischer Gesang ist dem Southern Rock verbunden, auch ein wenig Glam-Rock-Flair schimmert durch, dazu gesellen sich schmissige Riffs. Der robuste, kernige Sound der Strophen geht in einem melodisch-schwelgerischen Refrain auf, den Mann mit viel Schmelz darreicht. Was am Opener imponiert, gilt natürlich auch für die nachfolgenden Tracks. Ghost Of Love etwa ist ein weiteres Highlight, bei dem es fast unmöglich fällt, nicht aus vollster Kehle mitzuträllern. Solch rustikalen Hymnen entkommt man nicht! Auch das getragenere Lonely Nights und das herb-rockige Slow Down gehören zu den besonderen Momenten des Werks. Spätestens bei We Don’t Let It ist man aber endgültig versucht, das Album als Best-of einer bereits einige Jahre auf dem Buckel zählenden Bandkarriere zu werten. We Don’t Let It entpuppt sich als Song für die ganz große Bühne, bei dem die Zuhörer vor lauter Schunkeln und geschwenkten Smartphones in Verzückung vergehen. Angesichts solcher Tracks verwundert es einigermaßen, dass Scenic Route to Alaska nicht schon längst die Charts stürmen.

Was Trevor Mann (Gitarre, Gesang), Murray Wood (Bass) und Shea Connor (Drums) da auf Platte zaubern, ist ein von fröhlichen Rhythmen und herzhafter Darbietung beseelter Rock. Die Band selbst beschreibt ihre Klänge als Prairie-Indie. Diese Genrekreation wird dem Wesen von Tough Luck auf wunderbare Weise gerecht. Scenic Route to Alaska gelingt eine unverwüstliche Platte, die sich nicht abnützt und auch nach Dutzenden Hördurchläufen frisch und mitreißend klingt. Ob die Band live noch das eine oder andere i-Tüpfelchen draufsetzen kann, wird man im Mai in Erfahrung bringen können, wenn das Trio durch Deutschland und die Schweiz tourt!

Tough Luck ist 09.03.2018 via Revolver Distribution Services / Rough Trade Distribution erschienen.

Konzerttermine:

12.05.2018 Mainz – Schon Schön
13.05.2018 Haldern – Haldern Pop Bar
16.05.2018 Berlin – Musik & Frieden
17.05.2018 Hamburg – Freundlich+Kompetent
18.05.2018 Köln – Blue Shell
22.05.2018 Hannover – Cafe Glocksee
25.05.2018 Stuttgart – Keller Klub
27.05.2018 Aarau – Tuchlaube

Links:

Offizielle Webseite

Scenic Route to Alaska auf Facebook

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SomeVapourTrails

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