Schlaglicht 88: Basement Revolver

Traurigkeit kann ein Segen sein. Zumindest wenn sie in musikalischer Form verabreicht wird. Während einen ein trauriges Buch mit Stille und manch dröhnenden Gedanken allein lässt, erfüllen traurige Klänge einen Raum mit Leben. Im Idealfall spendet Musik Trost, speziell in jenen Momenten, in denen man eigentlich untröstlich ist. Diese Erkenntnis ist alles andere als neu, aber der Track Baby führt sie mir einmal mehr vor Augen. Zwei EPs hat die kanadische Formation Basement Revolver in den letzten zwei Jahren veröffentlicht, beide habe ich über den grünen Klee gelobt. Diesen Sommer nun steht endlich ein Debütalbum namens Heavy Eyes an. Einen besseren Titel hätte die Band rund um die auch für Songwriting zuständige Sängerin Chrisy Hurn kaum wählen können. Denn der Indie-Rock-Shoegaze der Band kommt immer mit einem Seufzer oder einem wunden Herz daher, doch liegt in vielem Kummer auch ein Funken Hoffnung, zumindest aber der Wille, die Widrigkeiten zu meistern. Und an denen mangelt es nicht. Allein die gescheiterte Beziehung zu einem gewissen Johnny war der Band nach der selbstbetitelten Debüt-EP von 2016 dann auf der EP Agatha mit Johnny Pt. 2 einen Nachschlag wert. Wo im ersten Teil noch Verzweiflung über Johnnys Untreue vorherrschte, der Refrain „Please just stay away from Johnny, cause i love him, understand. I don’t need your presence sitting on my chest, above my hands. It’s a really bad time right now.“ die Nebenbuhlerin zur Räson rief, war bei Johnny Pt. 2 der ärgste Schock schon überwunden, Lyrics wie „You say you still love me, but you can’t do this anymore. My door will always be, always be open to you.“ strahlten sogar Versöhnlichkeit aus. Gesanglich hat mich speziell letzterer Track an die junge Dolores O’Riordan erinnert. Liebesleid derart kraftvoll und bittersüß darzubieten, das ist wirklich famos. Doch selbst wenn wir die Johnny-Saga mal außen vorlassen, hat Hurn bereits einige tolle Songs fabriziert. Tree Trunks oder Words etwa haben es verdientermaßen auf das anstehende Debüt geschafft. Doch bietet Heavy Eyes weitaus mehr als nur einen Querschnitt bisheriger Veröffentlichungen. Der eingangs erwähnte neue Song Baby skizziert eine wunderbare Verwirrung der Gefühle. Obwohl eigentlich alles im Leben gut zu laufen scheint und Zufriedenheit angebracht wäre, dominiert stattdessen unerklärliche Niedergeschlagenheit. Die Zeilen „Baby I’m so sorry, I’m trying my best to figure this out, I swear that I’m so happy, this crying won’t fix what’s already broken and dead, just give me some time.“ vermitteln einen Weltschmerz, den man nicht so leicht abzuschütteln vermag. Doch Traurigkeit schreit früher oder später nach Erlösung – und diese findet sich im shoegazigen Gitarrensound der Band. Wer 2018 ein wenig Trost braucht, wird ihn bei diesem Album finden!

Heavy Eyes Cover

Heavy Eyes erscheint am 24.08.2018 auf Sonic Unyon/Fear of Missing Out.

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