Troubadour der zarten Abschiede – Jarle Skavhellen

Dass ich einem Singer-Songwriter vom ersten veröffentlichten Track bis hin zum EP-Debüt bereits drei Posts spendiere, kommt auch nicht alle Tage vor. Nun also ist es so weit, das erste Album des Norwegers Jarle Skavhellen ist erschienen. Und es hätte wirklich mit dem Teufel zugehen müssen, wenn The Ghost In Your Smile meine Erwartungen enttäuscht hätte. Tut es natürlich nicht! Vielmehr verfestigt die Platte das Bild eines poetischen Singer-Songwriters, dessen bittere Süße und melancholischen Lebensfreude in folkig-kargen und dennoch melodischen Balladen ebenso zum Vorschein kommt wie in schunkeligen Americana-Klängen. Skavhellen präsentiert sich als lebenserfahrener Außenseiter, der dem Glück manch schöne Stunde abtrotzt, der sogar scheiternden Beziehungen noch einen Moment voller Zärtlichkeit abringt. Vermutlich liegt es am Hobo-Flair des Albums, dass selbst Abschiede in kitschfreie Romantik getaucht sind. Skavhellen gibt den Troubadour reinsten Herzens, der an Einsamkeit nicht zerbricht und Enttäuschungen nicht zum Weltschmerz ausarten lässt. Eine unstete Beständigkeit durchzieht das Werk, eine Besonnenheit, die jede Art von Emotion zu schätzen weiß. Das ist durchaus besonders und vor allem aber besonders schön!


Schauen wir uns die Lieder doch kurz näher an. Der Titeltrack The Ghost In Your Smile hat mich Anfang letzten Jahres auf die Fährte des Norwegers gebracht. Intime Passagen werden von hier von akustischer Gitarre und verhalltem Gesang getragen, dazwischen sattelt der Rhythmus mehrfach auf, entwickelt Bandcharakter. Erregung flirrt durch den Song, gleich dutzenden Nachtfaltern, die sich zu vorgerückter Stunde im Bauch treffen. Man gewinnt den Eindruck, dass hier das Kennenlernen und die Leidenschaft eines ungleichen Paars thematisiert wird. Kurzum, Glasauge trifft auf Hollywood-Lächeln. Ähnlich ist der vom Banjo begleitete Song Seventeen gestrickt. Auch den Zeilen „Tho‘ we jumble our words I think we’re/ On the same page from time to time/ And tho‘ this whole situation ist fucked/ There’s no way I’m ever giving you up“ ist der Reiz der Verschiedenheit zu entnehmen. Matylda wiederum gibt sich im wahrsten Sinne des Wortes dem Rausch einer perfekten Nacht hin. Es erzählt vom Lustwandeln an den Ufern eines Flusses, berichtet davon, wie aus einer wunderbaren Stunde eine bleibende Erinnerung wird. Bei so viel Müßiggang schunkelt das Herz freudig mit. Zu den bereits bekannten Tracks zählt auch Pilots, das vom Ende einer Freundschaft handelt. Wie es so oft der Fall ist, geht mit dem Ende einer Freundschaft aus Jugendtagen auch ein Stück Jugend unwiederbringlich verloren. „We were the rebels on our street/ Thumbing our noses at society“ wird zunächst in Erinnerungen geschwelgt, ehe „There’s nothing left for us to talk about/ But we sure won’t forget all the good times“ so klar wie versöhnlich ein Kapitel des Lebens abschließt. Doch auch jene Lieder, die auf dem Album erstmalig zu hören sind, stehen den vorigen Veröffentlichungen um nichts nach. Final Days zeigt eine neue Facette Skavhellens auf, entwickelt sich vom Americana fort. So folkig die Strophen noch tönen, so poppig und hymnisch gerät der Refrain. Dieser tolle Abgesang auf eine turbulente Beziehung hält neben Zärtlichkeiten in Form von „I miss those soft lingering touches of yours running up and down my spine“ auch Bedauern bereit. Der Norweger ist ein Meister bittersüßer Momente, wenn er Zeilen wie „The left side of the bed is vacant/ Her imprint on the sheets have gone away“ aus dem Ärmel schüttelt. Bei Now That I Know kitzelt quasi noch der Duft der Liebsten die Nase, während die Augen dem Verlust hinterher schauen. Nicht minder bemerkenswert fällt der klassische gehaltene Honky-Tonk-Track Part of the Scenery aus. Skavhellen, das belegt das Album mehrfach eindrucksvoll, vermag traditionelles Americana authentisch darzubieten. Zum Abschluss dieses Debüts hat sich der Folkbarde mit der weichen wie kauzigen Stimme mit A Life That’s Gone nochmals selbst übertroffen. In dem Ringen um einen angemessenen Abschied vom Leben liegt unheimlich viel Erhabenheit. Dieses Lied ist neben Final Days ohne Zweifel der stärkste neue Song.

The Ghost In Your Smile ist eines jener Erstlingswerke, das durch Reife und einen bereits stark ausgeprägten ureigenen Stil besticht. All die Songs, die Jarle Skavhellen bereits vorab veröffentlicht hat, waren kein Strohfeuer. Dieser Singer-Songwriter aus Norwegen hat ganz viel von zarten Banden und sachten Abschieden zu berichten. Er tut dies herrlich unprätentiös und voll poetischem Geschick. Ich gehe jede Wette ein, dass man von dem jungen Mann noch weitere große Dinge hören wird. Bis dahin läuft die Platte bei mir in Dauerschleife!

The Ghost In Your Smile ist am 11.05.2018 auf Nettwerk erschienen.

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