Motto des Tages (IV): Seun Kuti & Egypt 80 – Black Times (feat. Carlos Santana)

Are you ready to rise to be free?“ lautet eine Zeile des Songs Black Times. Und da Seun Kuti längst in die großen Fußstapfen seines 1997 verstorbenen Vaters Fela Kuti getreten ist, von diesem sogar die Band Egypt 80 geerbt hat, kann es wenig Zweifel geben, was Kuti mit diesem Lied bezweckt. Doch lassen wir ihn seine Beweggründe doch selbst erläutern: „It is an album for anybody who believes in change and understands the duty we have to rise up and come together. The elites always try to divide the working class and the poor people of the world. The same oppression felt by workers in Flint, Michigan is felt by workers in Lagos and Johannesburg.“ Gerade weil in den vergangenen Jahren in den USA eine Bewegung namens Black Lives Matter Fahrt aufgenommen hat, braucht es auch Stimmen aus Afrika, die nochmals ein gänzlich anderes Lied von Unterdrückung und Diskriminierung singen können. Und nicht weniger hat sich das im März erscheinende Album Black Times vorgenommen.  Weiterlesen

Motto des Tages (III): Moby – Mere Anarchy

Alles antreten zur gepflegten Apokalypse! Nicht weniger hat die zarte Electronica-Hymne Mere Anarchy zu bieten. Dem Altmeister Moby gelingt mit diesem schicksalshaften Abgesang einmal mehr der große Wurf. In seinen stärksten Momenten hat Moby nämlich lange schon eine urbane Melancholie des 21. Jahrhunderts definiert. So manche seiner Tracks erzählen von großstädtischer Einsamkeit, gern zu vorgerückter Stunde. Elementare menschliche Gefühlsregungen wirken dabei in einer hochtechnologisierten, in die Zukunft gerichteten Szenerie klein und oft verloren. In einer besseren Welt würde Richard Melville Hall – und nicht das Silicon Valley – Robotern das Träumen und Sehnen beibringen. Im offiziellen Video zu Mere Anarchy wird die düstere Vision einer menschenleeren Welt erzählt, in der monströse Bauten als Hinterlassenschaften fungieren, während der ewige Kreislauf der Natur weiter seinen gewohnten Gang geht.  Weiterlesen

Motto des Tages (II): Neuschnee – Der Zeitgeist macht Buh

Photo Credit: Elodie Grethen

Synthie-Pop mit ein wenig NDW-Ironie und starkem gesellschaftspolitischen Anspruch, derart präsentiert sich der Track Der Zeitgeist macht Buh. Spätestens bei den Zeilen „Frag ich jetzt die Experten oder besser die Sterne? Wann kommt endlich Post-Postmoderne?“ wird man vom smarten Charmes der Nummer um den Finger gewickelt. Doch wer dahinter nur intellektuelles Gaga vermutet, befindet sich kräftig auf dem Holzweg. „Wer ist die Made und wem gehört der Speck? Die Maschinen, die wir selber bauen, nehmen uns die Arbeit weg. Wohlstandsverlustbürger suchen Orientierung und dazwischen all die Aliens der Globalisierung. Globalisiert wird nicht nur liberal, die Rassisten treffen sich jetzt auch international.“ ist eine zweite Strophe, die keineswegs zum Schmunzeln taugt. Hier formiert sich vielmehr Widerstand gegen einen angstvollen Zeitgeist, der Ursache und Wirkung längst nicht mehr unterscheiden kann, populistischen Heilsversprechen auf den Leim geht. Dass die Formation Neuschnee in Wien angesiedelt ist, verwundert wenig. Haben doch meine Landsleute im Herbst letzten Jahres unter Beweis gestellt, dass man in unruhigen Zeiten alten Wein in neuen Schläuchen präferiert.  Weiterlesen

Motto des Tages (I): Legends of Country – New Year, New Me

Vorsätze, wie oft hat man sie schon geäußert! Mit eben diesen werden wir im für den heutigen Tag sehr passenden Track New Year, New Me konfrontiert. Versprechungen wie „Next year I’ll be the kind of many ou’ve always wanted me to be. In six months time you won’t recognise me from the mess I am right now.“ entpuppen sich freilich als eine Mischung aus Selbstbetrug und krampfhaftem Bemühen, eine Beziehung am Leben zu erhalten. Doch Vorsätze sind nur dann wirksam, wenn sie aus genügend Leidensdruck heraus reifen und die eigene Befindlichkeit verbessern. Sie werden jedoch zur Augenwischerei, wenn sie anderen Personen imponieren sollen. Die besten Vorsätze sind also jene, über die man nicht spricht. Unter diesem Aspekt ist der Countrysong New Year, New Me im klassischen Verlierertum angesiedelt. Der englischen Formation Legends of Country gelingt ein bewusst pathetisch-sülzendes Stück Musik, das vom Ende sämtlicher Unzulänglichkeiten und schlechter Angewohnheiten fantasiert.  Weiterlesen