Release Gestöber 12 (Chris Isaak, Gary, Grande Roses, The Big Pink)

Wir schauen wieder kurz und bündig auf ein paar gegenwärtige und kommende Veröffentlichungen:

Chris Isaak

Chris Isaak – Beyond the Sun EPK from VanguardVideo on Vimeo.

Wer keine eigenen Ideen hat, covert darauf los, bis die Schwarte kracht. Wenn hingegen Chris Isaak ein Album mit vielen Interpretationen der goldenen Hits aus der Schmiede von Sun veröffentlicht, dann darf man ihm zutrauen, in diese Zeit einzutauchen und eine inspirierte Platte abzuliefern, die mehr als bloß biedere Nostalgie bereit hält. Beyond The Sun ist nicht ausschließlich Hommage an Größen wie Elvis Presley, Johnny Cash oder Jerry Lee Lewis, sondern hält auch im Geiste der 50er-Jahre verfasste Eigenkompositionen bereit (beispielsweise Live It Up). Isaak kennt seine Pappenheimer, neben verdienten Klassikern werden nämlich auch vergessene Titel neu eingespielt, bescheren uns somit keine vorhersehbare Oldie-Revue der abgetakelten Sorte. Derart kommt eine nette Platte zustande, eine Herzensangelegenheit eben, wie man sie von diesem unterschätzten Künstler auch erwarten darf. Dennoch wird Beyond The Sun wohl nur eingefleischte Fans dieser Ära für sich einnehmen. Schade eigentlich.

Beyond The Sun ist am 18.10.11 auf Vanguard Records erschienen und meines Wissens vorerst nur als Import erhältlich.

Grande Roses

Manch Musik hört man – und schließt sie ins Herz. Nicht etwa weil sie extraordinär tönt oder das bisher Dagewesene auf den Kopf stellt, sondern weil sie voll Karacho wummert, von einer Inbrunst beseelt drauflos rockt und sich nur an bestmöglichen Vorbildern orientiert. Weil es die Art Musik ist, bei der man eine imaginäre Gitarre melken oder enthusiastisch die Drumsticks schwingen möchte. Der schwedische Formation Grande Roses gelingt mit der EP Hide eine klassische Scheibe unverwüstlichen Rocks. Wenn die Band den frühen Bruce Springsteen als Referenz nennt, dann will man ihr daraus ausnahmsweise wirklich keinen Strick drehen. Speziell den starken Opener Go Home durchweht dieser Geist. Dancing Away hingegen wirkt doch düsterer gestrickt, eher im New Wave zu verorten, abermals mit Punch umgesetzt. Wie I Hear Drums plärrende Gitarren aufjaulen lässt, von bestem gesanglichem Pathos unterstützt, das ist wirklich nicht neu und doch voll stupender Schmissigkeit.

Go Home by WIFE

Bei Tracks wie der dunklen Hymne Follow The Lights im Gepäck mache ich mir eigentlich keine Sorgen, dass sich Grande Roses nicht eine Hörerschar erobern können. In der komprimierten Länge einer EP entwickeln die Schweden einen absolut überdurchschnittlichen Charme, der meine freudigen Ohren so richtig zum Wackeln bringt. Eine uneingeschränkte Empfehlung!

Hide ist am 28.10.2011 erschienen.

Der Track What’s Left Of Us ist hier als kostenloser Download erhältlich.

The Big Pink

Das Debüt A Brief History of Love hat The Big Pink 2009 mit einem Schlag berühmt gemacht. Völlig zurecht! Nun wirft das für Januar 2012 angekündigte Nachfolgewerk Future This seine Schatten voraus. Zumindest der erste Vorbote Stay Gold erfüllt meine nicht eben geringen Erwartungshaltungen allemal. Gegen Angabe einer E-Mail-Adresse kann man nun den Track sowie einen Remix kostenlos downloaden. Es lohnt sich wirklich.

Gary

Photo Credit: Matthias Frey

Wenn sich Schauspieler einbilden, Musik machen zu müssen, dann sollten die Ohren im Regelfall in Deckung gehen. Lediglich hartgesottenen Groupies und Schwerhörige mögen solch Machwerke goutieren. Im Falle des Schauspielers Robert Stadlober darf man jedoch von einem Ausnahmefall sprechen. Seine Band Gary hat 2010 mit One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji auf Stadlobers Label Siluh ein ordentliches Album veröffentlicht. Für den 05.01.2012 ist nun bereits die neue Platte mit dem durchaus originellen Titel Hey Turtle, Stop Running! angekündigt. Wir werden uns mit dem Album zu gegebener Zeit sicher nochmals intensiver beschäftigen, für heute soll der nette Indie-Pop-Track Love Is Love als erster Eindruck genügen.

Das soll es vorerst auch schon gewesen sein. Demnächst mehr…

SomeVapourTrails

Der letzte Elvis – Chris Isaak

Manch Musiker rackert sein Leben lang, kreiert leidenschaftliche Melodien und betört Fans mit stimmlichem Hochglanz – und dennoch ist ihm beziehungsweise ihr der große Hit nie vergönnt. Dieses Schicksal ereilte Chris Isaak nicht. Mit Wicked Game gelang ihm die Becircung einer breiten Öffentlichkeit. Und obwohl Isaak seit 25 Jahren Alben veröffentlicht, viele seiner Lieder den stimmungsvollen Soundtrack für Meisterwerkliches von David Lynch und Stanley Kubrik lieferten, wird der werte Herr zumindest in unseren Breiten immer auf das Wicked Game reduziert werden.

Mit seinem warmen oft vom Country inspirierten Rock und dem unverkennbaren Schmelz in der Stimme wirken die Lieder oft wie ein Zeitensprung in die 50er-Jahre. Ob im balladesken Ausdruck oder im Rocken, als ob es kein Morgen gäbe – niemand außer Isaak klingt so modern altmodisch. In wenigen Tagen nun erscheint eine Art Comeback-Album, die erste mit neuem Material veredelte Platte seit 2002. In den USA war Isaak als TV-Persönlichkeit auch in der Zwischenzeit präsent, in Deutschland freilich mögen ihn viele ein wenig aus den Augen verloren haben. Mr. Lucky ist der Titel der kleinen Wiederauferstehung. Doch der Name täuscht, das Leiden und Wimmern seiner schönstens Songs wie Nothing’s Changed, There She Goes oder Two Hearts ist auch nach dem ersten Eindruck noch immer erfühlbar.

mrlucky

Auf gewisse Weise stellt Isaak die fleischgewordene Kreuzung aus Roy Orbison und Elvis Presley dar. Und das Kunststück daran liegt in der Authentizität. Man ahnt, dass dies kein marketingtechnisches Image ist, welches er lediglich gekonnt zu transportieren versteht. Mit Mr. Lucky setzt Isaak die Stagnation auf nettem Niveau fort, wenngleich er an die tollen Alben Heart Shaped World, San Francisco Days und Forever Blue, allesamt aus der Blütezeit Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre, nicht mehr anzuknüpfen vermag. Nichtsdestotrotz sind die Charakteristika seinem Schaffens noch immer dieselben, höchstens eine Spur beliebiger und glattgebügelt umgesetzt. Songs wie Cheater’s Town jedoch atmen noch eine gewissen Charme.

Dem letzten Elvis sei jedoch eine Chance vergönnt und Genre-Fans auf die demnächst in den Regalen befindliche CD verwiesen. Wer den werten Herrn Isaak noch nicht für sich entdecken konnte, dem freilich seien die in Würde gealterten Stücke früherer Jahre ans Herz gelegt. Dort steppt der Bär, auf Mr. Lucky gönnt er sich eine verdiente Pause.

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