Musikalisches Tohuwabohu (VII): Line & Circle, Tarantina, The Thing With Five Eyes, Feu! Chatterton

Unser alljährliches Weihnachtsspecial führt auch immer dazu, dass sämtliche unweihnachtlichen Tracks und Alben auf der Strecke bleiben. Daher wird es heute und morgen gleich zwei Ausgaben des musikalischen Tohuwabohus geben. Aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds der letzten 2 Monate habe ich mir einige Perlen herausgesucht. Mögen Sie auf gespitzte Ohren stoßen!

Line & Circle

Photo Credit: Courtney Halverson

Man stelle sich einen Springsteen oder die tollen R.E.M. in feinstem College-Rock-Sound vor. Wem solche Klänge behagen, dem sei das 2015 erschienen Album Split Figure der Band Line & Circle wärmstens empfohlen. Roman Ruins etwa wirkt so, als hätten es R.E.M. mal erdacht und nur vergessen zu Papier zu bringen. Und Tunnel Joy macht kein Hehl daraus, dass hier Springsteens Tougher Than The Rest Pate stand. Selbst der Songtitel spielt auf das Album Tunnel Of Love an. Ein wirklich gelungenes Debüt der in Los Angeles ansässigen Formation! Diesem folgt nun endlich die neue EP Vicious Folly, die abermals schmissig-melodischen Rock mit dem verträumten Gesang des Frontmanns Bryan J. Cohen paart. Das Resultat kann sich hören lassen, speziell der tolle Track Man Uncouth läuft bei mir in Dauerschleife. Bleibt zu hoffen, dass diese EP ein weiterer Mosaikstein auf dem steinigen Weg zu einer größeren Hörerschar darstellt. Line & Circle hätten es sich verdient!  Weiterlesen

Unsere liebsten Songs 2015 (26-50)

Heute will ich ohne große Ansprache den ersten Teil unserer 50 Lieblingslieder vorstellen. Natürlich sind wir keine Listenfetischisten, die aus der Reihenfolge eine Wissenschaft machen wollen. Die Nummerierung dient vor allem der Übersichtlichkeit! All die hier aufgeführten Songs wurden von uns 2015 gerne und viel gehört. Es würde mich sehr freuen, wenn zumindest ein paar dieser Tracks auch beim werten Leser Wirkung zeigen.

keepthevillagealive

26.) Stereophonics – C’est la Vie

Die Pub-Rock-Hyme des Jahres! Das Lokal, in dem diese Nummer ohne jedwede Resonanz durch die Boxen dröhnt, muss erst noch eröffnet werden! (Das Album Keep The Village Alive ist am 11.09.2015 auf Stylus Records erschienen.)

aforestofarms

27.) Great Lake Swimmers – The Great Bear

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Schlaglicht 34: Feu! Chatterton

Chansonesquen Pop-Rock der feinsten Sorte hat die Pariser Formation Feu! Chatterton zu bieten. Dabei sind die Franzosen mal gern im Gedanken vertieft, dann wieder mit viel Temperament am Übersprudeln und von handfester Emotion beseelt. Vor allem sind die Lieder des Debüts Ici le Jour (a tout enseveli) überraschungsreich. Der Discofeger La Malinche wandelt sich im Mittelteil zum schwülstig-inbrünstigen Schmachtfetzen. Côte Concorde steigert sich in einen gefühlsmüßigen Ausnahmezustand hinein, die hörbar tränenbestückten Stimme hat dabei trotzdem noch ordentlich Schmelz im Talon. Einem Johnny Hallyday müsste solch eine Nummer sehr gefallen. Rhythmisch geschmeidig, im Refrain sogar zum Mitträllern einladend gibt sich Boeing. Ein solch eingängige Nummer wäre sogar im deutschen Radio gut aufgehoben. Gegen den Strich gebürstet fällt Harlem mit seinem Sprechgesang aus. Das sechs Minuten erzählende Stück kann sich zu einen überraschend pittoresken Refrain aufraffen, der der eher nüchtern gehaltenen Prosa entgegensteht. Feu! Chatterton sind in ihrem Sound nie wirklich greifbar – und deshalb auch spannend. Als stärkste Lied des Album erscheint mir Le Pont marie, welches, wenn mich die Reste meines Schulfranzösisch nicht im Stich lassen, vom tragischen Ende einer Amour fou fantasiert. Großartig! Außer Rand und Band verhält sich bei La Mort dans La Pinède der Gesang von Arthur Teboul. Er besitzt eine wunderbar schauspielernde Stimme, die auch das Extreme ausdrücken kann, die sich in Rage und in Inbrunst hineinzusteigern vermag, die alle Facetten an Emotion ausspeit.  Weiterlesen