Initiative gegen Lizenzgebühren für Embedded Content

Die österreichische AKM und ihr deutsches Pendant GEMA wünschen sich eine Vergütung für urheberrechtlich geschützte Inhalte, die auf Webseiten eingebettet werden. Dies haben sie im Zuge von Konsultation zum EU-Urheberrecht geäußert. Sollten AKM und GEMA mit dieser Forderung auf offene Ohren stoßen, dieser Wunsch von der EU-Kommission im Rahmen der Modernisierung und Harmonisierung des europäischen Urheberrechts berücksichtigt werden, hätte das gravierende Auswirkungen. Für jeden auf Musikblogs oder Musikmagazinen eingebetteten YouTube-Clip oder SoundCloud-Stream würden Lizenzgebühren anfallen. Da die Mehrheit der Blogs und kleinen Magazine keine kommerziellen Interessen verfolgt, etwaige Werbeeinnahmen oft nur zum Bestreiten von Server-Kosten verwendet, würden Lizenzgebühren das Bloggen zu einer kostspieligen Angelegenheit machen.

Die Konsequenzen wären auch für den normalen Internet-NutzerInnen spürbar. Für viele BloggerInnen wäre diese Angelegenheit der finale Paukenschlag, der ihnen ihr Hobby endgültig vergällt. Bis auf Online-Angebote finanzkräftiger Verlage und Medienhäuser könnte sich wohl kaum jemand Lizenzgebühren leisten. Die Anzahl der Informationsquellen für Musik wäre wieder auf Internet-Vorzeit zusammengestaucht. Denn natürlich würden BloggerInnen hoffnungslos ins Hintertreffen geraten, wenn ihnen die Möglichkeit des Einbindens von Clips und Streams genommen würde. Sie wären in der Steinzeit des Internets angekommen, während den wenigen großen Magazine alle Optionen des digitalen Zeitalter zur Verfügung stünden. Denn es wäre für BloggerInnen schlichtweg nicht praktikabel, in jedem Einzelfall zu recherchieren, ob MusikerInnen in ihrer Eigenschaft als KomponistInnen oder TexterInnen etwa von der GEMA vertreten werden. Jeder vermeintlich verwendbare Clip könnte zu einer Abmahnung führen, selbst wenn ein GEMA-Mitglied wie Lieschen Müller auch nur eine einzige Textzeile dazubeigetragen hat.

Eine somit abhandengekommene Vielfalt hätte aber auch Konsequenzen für MusikerInnen. Wo bislang vom einarmigen, guatemaltekischen Countertenor bis hin zur kasachischen Backpfeifen-Punkband jede Spielart von Musik ihre Würdigung fand, täten sich unbekanntere Acts und kleinere Label mit der Wahrnehmung deutlich schwerer. All die Veröffentlichungen würden in ihrer Fülle nicht länger abgebildet werden.

Aus all den angeführten Gründen wären Lizenzgebühren für eingebettete Inhalte letztlich ein Pyrrhussieg für GEMA und AKM. Als BloggerInnen, denen Musik am Herzen liegt, sprechen wir uns daher gegen den Vorstoß der Musikverwertungsgesellschaften aus. Wir ersuchen MusikerInnen, die VertreterInnen von Plattenfirmen und Promotionfirmen um Unterstützung. Das kann man beispielsweise dadurch tun, indem man diese Petition auf Change.org unterschreibt. Wir würden uns darüber hinaus freuen, wenn unser Anliegen weiterverbreitet wird. Es geht uns wohlgemerkt nicht um die Abschaffung von GEMA und AKM. Lizenzgebühren für Embedded Content sind jedoch eine Schnapsidee, die wir entschieden zurückweisen!

SomeVapourTrails & DifferentStars

LeseTipp: Schallgrenzen: Musikblogs, Mp3, die GEMA und die Zugänglichmachung

Heute Abend treffen wir den Herrn samt Frau höchst persönlich, dann wird weiter gefachsimpelt und Bier getrunken im schönen X-Kölln. Themen gibt’s genug. Eines der wichtigsten gemeinsamen  Themen ist natürlich die Musik allgemein, der Umgang mit den Mp3s im Speziellen auch sehr.

In fragwürdiger Manier versucht sich im Moment der Tonspion als Wohltäter der Mp3-Blogs, wir haben schon berichtet. Peter hat sich dem Thema „Musikblogs, Mp3, die GEMA und die Zugänglichmachung“ jetzt intensiver gewidmet und ich empfehle diesen Artikel wärmstens weiter.

Wer weiß, vielleicht sind wir ja gegen Mitternacht betrunken genug und rufen gleich die Gründung einer Gewerkschaft für Musik-Blogger aus 😉

DifferentStars

Der Künstler-Mindestlohn

Mindestlöhne. Wer in Zeiten der Krise auf selbige insistiert und Arbeitgebern unterstellt, dass eine unverhohlene Ausbeutung der neue Chic ist, wird mit Gefasel vom Aufschwung zugedröhnt. Die Konzepte der FDP und CDU bringen es auf den so simplen wie falschen Nenner: Geht es der Wirtschaft gut, bringt dies Arbeitsplätze. Und jene ernähren Menschen. Und dieser Mumpitz wird mantraartig wiederholt, bis er sich erfolgreich in vielen Köpfen etabliert. Doch sollte der Fokus auf dem Menschen liegen, auf seinem verbrieften Recht auf Würde, auf eine Entlohnung, die ein angemessenes Leben und Selbstentfaltung erlaubt. Und genau diese Selbstentfaltung ist unweigerlich an Produktivität geknüpft. Dadurch wird ein wirtschaftliches System angetrieben. Nie und nimmer durch die kapitalistische Sklaverei dieser Tage, welche den Sozialstaat ausbeutet, indem der Staat den arbeitenden Hungerlöhnern Zuschüsse gewährt und damit die Sklaventreiber auch noch quersubventioniert.

Natürlich muss auch jeder von uns in seiner Eigenschaft als Konsument ein mea culpa ausrufen. Die Billig- und Gratismentalität fördert ein Klima, in welchem Profit nur mehr durch gesunkene Personalkosten erreicht wird. Denn die Preiswirklichkeit für Rohstoffe scheint längst schon am unteren Rand angekommen. Die Effektivität der Ausbeutung von Arbeitnehmern hat vor allem in unsicheren Zeiten noch immer Optimierungspotential. Aber darf man Otto Normalverbraucher wirklich den schwarzen Peter zuschieben? Wer wenig hat, dem bleibt Geiz als Notwendigkeit.

AdamSmith

Adam Smith: "Keine Gesellschaft kann gedeihen und glücklich sein, in der der weitaus größte Teil ihrer Mitglieder arm und elend ist."

Begeben wir uns nun in musikalische Gefilde. Denn in der Debatte um Filesharing, Urheberrecht und Musikindustrie werden meist nur Extrempositionen eingenommen. Die erste sucht nach einem Rettungsanker für die marode Branche, indem sie das alte System der Unterhaltungsindustrie mit neuen Mitteln stabilisieren will. Einen zweiten Zugang bietet die Mär von der schönen, neuen, digitalen, Welt, die ein allgemeingültiges Anrecht auf Kunst und Kultur ausgerechnet dadurch propagiert, dass sie eine kostenlose Weitergabe fordert und in den Tiefen des Netzes auch lebt. Zwischen all den Systemerhaltern und Dieben geraten oft jene ins Hintertreffen, die sich um die Existenzgrundlage von Musikern sorgen. Ein paar Nebelbomben genügen da schon. Madonna sei stinkreich, und auch Coldplay müssen sicher nicht darben. Und flugs werden alle Künstler zu Bestverdienern upgegraded. Diese Milchmädchenfantasie hält sich hartnäckig bei einer Mehrzahl von Konsumenten. Dabei könnte man schwerlich einen größeren Nonsens schwadronieren. Nicht alle Siemens-Angestellen leben in Saus und Braus, auch wenn die Gehälter der führenden Manager wohl recht ansehnlich sind. Dieser Tunnelblick auf etablierte Künstler verneint die Nöte stinknormaler Musikschaffender. Ähnlich verhält es sich mit den riesigen Labels, die so gerne als Feindbild benutzt werden. Wenn Warner und Sony als Branchenführer mal fette, mal dünne Gewinne einfahren, meint dies keinesfalls, dass jeglicher Inhaber einer Plattenfirma im Luxus badet. Wenn Aldi den Eigentümern Reichtum beschert, kann trotzdem der Gemüseladen um die Ecke vor die Hunde gehen.

Im Diskurs über die Zukunft wird das Musikbusiness oft auf die im Rampenlicht befindlichen Akteure reduziert. Die Legionen von Künstlern, die wenig bis nichts verdienen, ignoriert man geflissentlich und deklariert sie zum Abfall einer natürlichen Auslese. Würden wir freilich dies auf alle Berufstätigen umlegen, wäre auch das Schicksal einer Verkäuferin bei Karstadt keine Überlegung wert. Sind wir wirklich so unsolidarisch – oder ist der Künstler in unseren Augen ein Taugenichts, der einem Hobby frönt?

Solange uns Lieder bewegen, Leben befuchten, muss auch der Rubel rollen, dadurch Existenzen sichern und die Vielfalt von Musik weiter fördern. Und aus dieser Überlegung heraus braucht es einen Mindestlohn für Künstler. Ein Grundgehalt, welches faire Lebensgrundlage für kreative Köpfe darstellt. Zwei Prämissen sind für dies Unterfangen notwendig.

Eine Stärkung des Urheberrechts, welches auch wirklich nur die Interessen der Urheber ins Auge fasst und Verwertungsgesellschaften nicht zu einem Moloch aufbläht, der die eigenen Mitglieder aufmapft. Obzwar nichts gegen leistungs- und erfolgsgerechte Verteilung spricht, kann/darf/soll es nicht Usus sein, dass eine Heerschar an ungewollten Steigbügelhaltern die wenigen Stars noch fester in den Sattel hievt. Genau dies ermöglicht die GEMA. Eine gerechte, transparente, solidarische Verteilung von Einnahmen benötigt eine neue Systematik, die einen Sockelbetrag für alle Mitglieder vorsieht und Charts-Stürmer mit zusätzlichen Bonuszahlungen würdigt.

Der Konsument freilich muss ein adaptiertes Denken entwickeln, den Tellerrand nicht zum Horizont erklären. Musik funktioniert auch abseits von Universal und EMI. Man sollte Vielfalt nicht nur fordern, sondern sie auch suchen. So wie Tausende Läden Berlins auf Kunden warten, die ein wenig Geld auszugeben wünschen, existieren auch Unmenge an Labels, welche eine reiche Produktpalette anbieten. Gehen alle Berliner zu Karstadt, Saturn und Lidl? Wohl kaum. Man holt die Schrippen beim Bäcker, die Gurken aus dem Spreewald auf dem Markt. Jener Attitüde sollten wir auch im Musikkonsum huldigen. Dabei nie den Fehler begehen, die Marktführer pauschal zu verteufeln. Nur weil Bio-Artikel in den Regalen von Penny herumlungern, sind sie deshalb noch nicht minderwertig. Dies gilt auch für Musiker, die ihre Musik bei Sony zum Verkauf anbieten.

Alle müssen was tun, lautet der Titel eines Liedes von Funny van Dannen. Und tatsächlich trifft dies im Bereich der Kunst und Kultur zu. Wir alle können etwas ändern. Und solch Anliegen ist keine Chimäre, der man aus Langeweile nachhängt. Wenn Musik (oder Bücher, jede Art von Kunst) so unwichtig wäre, warum zum Teufel hören wir sie dann alle? Weil sie inspiriert? Oder unterhält? Scheißegal, sie scheint Teil unserer Leben. Und damit ist es auch der Produzent selbiger. Da ich auch meinem Friseur wünsche, dass er für seine an mir erbrachte Dienstleistung gerecht entlohnt wird, fordere ich genau dies für den Sänger und Komponisten, dessen Song gleich Honig aus meinen Ohren tropft. Mindestlohn und mehr.

SomeVapourTrails

Und den Ehrlichen beißen die Hunde…

Das Internet ist schon eine merkwürdige Angelegenheit, insbesondere da weite Teile von einem Konzern beherrscht werden: Google. Leider zu wenig Hirn – vor allem Maschine. Die Suchmaschine vollbringt es jetzt, ausgerechnet die Musikblogger zu strafen, die sich noch um Urheberrecht scheren und nur Mp3s posten, die von den Künstlern/ Labels freigegeben wurden.

Was ist aktuell passiert?:

Google löscht heimlich Artikel von Musik-Bloggern. Nicht zum ersten Mal, diesmal hat’s Christian von Music Of The Moment erwischt. Diesem sind ohne Vorwarnung einige Artikel abhanden gekommen. Gelöscht von Google, dessen Blog-Hostingservice Blogspot er nutzt. War es in der Vergangenheit noch üblich, dass Google-Mitarbeiter eine Warn-Mail sandten, wenn sie Verstösse gegen das Urheberrecht vermuteten, werden jetzt komplette Artikel ohne Benachrichtigung und Nachfrage eliminiert.

Nicht nur das Rolling Stone Magazine vermutetet hinter den Aktionen übereifrige (und ebenso dumme) RIAA-Mitarbeiter, die vermeintlich illegal gepostete Mp3s orten und die betreffenden Blogger dann bei Google anschwärzen.

Das Problem an der Geschichte: Oft wissen die RIAA, GEMA oder IFPI-Mitarbeiter nicht, ob – bzw. wann und von wem Mp3s zum kostenlosen Download freigegeben wurden. Dies liegt daran, dass bei  internationalen Releases in der Regel eine handvoll Labels und Sublabels involviert sind. Sprich – für den nordamerikanischen Raum ist ein anderes Label verantwortlich, als für den deutschsprachigen (und und und Asien, Südamerika etc…). So gibt das eine Label die Mp3 frei, die übrigen vermuten schnell einen illegalen Download.

Oder noch schlimmer…auch geschehen: Die Band, in diesem Fall Travis schenkt ihren Fans ein Lied, hier das Lied „J. Smith“, fordert dazu auf, dieses gratis weiterzuverteilen. Prompt bekommen die Blogger, die dem nachkommen, Abmahnungen von der IFPI. (Die ganze Geschichte hier).

Zur gleichen Zeit listet Google in seinen Toptreffern munter Beiträge zu Torrent-Seiten auf denen man sich tonnenweise Musik illegal aus dem Netz ziehen kann. (Nachzulesen hier beim Spiegel).

Da lob ich mir doch WordPress und kann nur jedem Blogger empfehlen, sich hier niederzulassen!

Auch wenn wir als Musikblogger irgendwie immer mit einem Bein im Gefängnis stehen. Bzw – immer damit rechnen müssen, blödsinnige Abmahnungen zu erhalten und dies obwohl wir ebenso wie Christian nur Mp3s aus legalen Quellen posten.

DifferentStars

Gespenstischer Frühling

Ladytron – Ghosts

via Pitchfork TV

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more about „Gespenstischer Frühling„, posted with vodpod

In the first days of the spring time
made you up and split from one thousand enemies
made a trail of, of a thousand tears
made you a prisoner inside your own secrecy

There’s a ghost in me
who wants to say „I’m sorry“
Doesn’t mean I’m sorry

Während GEMA-Chef Heker sich darüber beklagt, dass auf YouTube noch keine gespenstische Leere gähnt – und die bunten Videoclips in Überfülle dort durchs Netz flimmern, nehme ich als Web-Nomandin, die Situation zum Anlass die fruchtbareren Oasen abzugrasen.

Frühling klingt nach Lieblichkeit und Süße – aber auch hier lauern die Gespenster der dunklen Seelentiefe. Grandiose Lyrics, die einfach mal gewürdigt werden müssen.

Und nein – es tut mir nicht leid. Auch, oder gerade dass, ich Youtube nicht vermissen werde.

DifferentStars

Wollt Ihr das totale Filesharing? (Teil 2)

Was bereits im ersten Teil meiner Ausführungen angeklungen ist, will ich heute weiter auffächern. Diesmal soll der Augenmerk auf zwei Gesichtspunkten liegen: Ich gehe der Frage nach, ob Filesharer die besseren Menschen sind. Und en passant werde ich nochmals den Gedanken eines früheren Eintrags, der ein paar Worte über die gesellschaftliche Sehnsucht nach Kunst beinhaltet, wiederholen. Eigentlich scheint es bedauerlich, dass man Grundlagen vernunftbetonten Denkens als Erkenntnisse verkaufen muss, aber angesichts des Zuspruchs, den Hetzblogs gegen das Copyright – ich denke da an 11k2 – erfahren, führt kein Weg daran vorbei.

Geistiges Eigentum wurde in den letzten 10 Jahren zu einem absoluten Unwort. Dabei verbirgt sich dahinter lediglich die Einstellung, dass ein Einfall und dessen Umsetzung – sei es nun in wissenschaftlichem Bereich mittels Patenten oder im künstlerischen Bereich mit dem Copyright – nicht einfach so nachgemacht beziehungsweise kopiert werden soll. Im Deppenjargon: Man hat eine Idee, setzt diese um und dann soll man durch die Finger schauen? Dies hört sich ungerecht an – und das ist es auch. So wie der Bäcker vom Backen der Brötchen, der Börsianer vom Hasadieren mit Aktien und der Verkäufer vom Verkauf lebt, so soll der kreative Kopf vom Ausleben seiner kreativen Ader und der Forscher von seiner analytischen Neugier leben. Kreativität und Neugier waren immer schon Antrieb für die menschliche Fortentwicklung. Natürlich stehen den eigenen finanziellen Interessen die Interessen der Gesellschaft entgegen. So stellt sich unter ethischen Gesichtspunkten die Frage, ob wissenschaftliche Erkenntnisse, welche einen überlebenswichtigen Nutzen für die Menschheit haben, tatsächlich geistiges Eigentum einer Person oder Firma sein sollen. Aber wenden wir das Augenmerk auf den künstlerischen Bereich.

Das Interesse an Kunst – entweder in Form der Produktion oder aber des Konsums – ist der menschlichen Natur immanent. Ob der Konsum nun Zweck der Erbauung, Unterhaltung oder Sinnfindung geschieht, spielt für die Wichtigkeit eine untergeordnete Rolle. Wir alle benötigen die Kunst als Teil unseres Alltags. Die demokratischen Verhältnisse unserer Zeit erlauben dem Künstler – zumindest theoretisch – eine Unabhängigkeit gegenüber etwaigen Mäzenen oder staatlichen Geldern und somit auch eine breit dimensionierte Freiheit. Wir alle sind Förderer, in dem wir Bücher, Bilder, Musik kaufen oder die Eintrittskarte für ein Konzert, eine Theateraufführung, eine Lesung, eine Ausstellung oder einen Kinobesuch lösen. Die Vielfalt unser aller Geschmäcker erlaubt eine breite Palette an Kunstformen. Und aus der Verantwortung die konsumierte Kunst zu unterstützen, kann sich niemand stehlen.

Filesharer schreien gebetsmühlenartig die ewig gleichen Argumente – allein dadurch werden sie nicht stimmiger. Nur weil das digitale Zeitalter die Möglichkeit der uneingeschränkten Kopie erlaubt, bedeutet dies nicht, dass dadurch die gesetzliche und moralische Verantwortung zur Entgeltleistung erlischt. Ein Lied wird komponiert, in einem Studio mit Musikern eingespielt, von Tontechnikern bearbeitet – das alles soll keinen Wert darstellen, sobald die MP3 mal erstellt ist? Warum? Mit welchem Recht kassieren filesharende Menschen eigentlich allmonatlich ein Gehalt für ihre Arbeit, wenn sie Künstlern den Anspruch auf Entlohnung absprechen? Argument wie „Künstler sind doch alle reich“ zählen nicht, denn die Firmengründer von Aldi sind dies auch und wir bezahlen die Waren trotzdem an der Kasse. Adjektive wie „überteuert“ lasse  ich nicht gelten, denn der Markt bestimmt den Preis. Und nur weil ein gewisser Prozentsatz potentieller Käufer das Produkt stiehlt, besteht kein Grund den Preis zu senken. Vielmehr sollten die Diebe zur Kasse gebeten werden. Viele Copyright-Gegner bieten als Kompromiss die Kulturflatrate an, jammern jedoch bereits jetzt über Institutionen wie die GEMA. Eine Pauschalabgabe soll Verteilungsgerechtigkeit bringen. Und dies noch ohne betriebsblinden Moloch wie es die GEMA eben ist? Würde dann nicht erst recht der Löwenanteil in die Taschen der riesigen Plattenfirmen fließen, die für jedermann ein rotes Tuch sind? Filesharer haben eine recht simple Sicht der Dinge. Sie wollen alles konsumieren und wenig bis gar nichts dafür zahlen. Dies funktioniert aber nur im unreglementierten, virtuellen Internet – und darum werden die kapitalistischen Regeln, nach denen sich die Gesellschaft eben richtet, nun mit Kratzen und Beißen aus den Angeln gehoben. Dabei wird aber nicht etwa eine schönere Welt herbeigesehnt, vielmehr dem „Geiz ist geil“ nachgeeifert. Filesharer sind – natürlich sehr pauschaliert formuliert – Diebe mit Robin-Hood-Komplex. Und verdienen schon fast wieder Mitleid.

SomeVapourTrails

Kleine Ergänzung von DifferentStars:
Pro-Filesharer drohen dann auch gerne mal mit Mord – der „liebe“ 11k2  freut sich über soviel Cowboy Verhalten – ist aber alles nur Spass und der Amok-Lauf von Winnenden war gestern. Die Verrohung im Internet sowieso an nichts schuld:

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Dieser Kommentar findet sich (leider) hier.

10 Alternativen zu YouTube

Die Aufregung um den Streit zwischen GEMA und YouTube ist sehr verständlich – andererseits von einem Untergang des Online-Genuss im Abendland kann man nicht reden. Sicher, es gibt so einige mahnende Rufer, die jetzt unken „erst YouTube, dann alle anderen“. Wobei andere schon komplette Majorlabel auf ihre Seite gezogen haben. Bestes Beispiel ist die Kooperation zwischen Warner Music und MyVideo.de (mehr Infos dazu hier). Es gibt viele Orte im Netz, die uns die Musikclips präsentieren, oft sogar in wesentlich besserer Qualität als die Google Tochter YouTube.

Starte wir hier mal unsere Best-Of-Liste:

1. Pitchfork.TV

Kleines aber sehr feines Angebot erlesener Clips. Großes Plus: Die hervorragende Streamqualität – auch im Vollbildmodus ein Genuss. Videos können Dank Embedded Code auf anderen Seiten eingefügt werden.

Link: Pitchfork.TV

2. Vimeo

Viele Künstler und Labels haben die Plattform schon für sich entdeckt und dort ihre Video-Präsenzen beheimatet. Funktioniert ähnlich wie YouTube. Sieht aber wesentlich stylischer aus 😉 Auch hier gibt’s den Code für alle, die die Videos woanders einfügen wollen.

Link: Vimeo.com

3. Dailymotion

Siehe Beschreibung von Vimeo – naja fast, sieht nicht so hübsch aus, gibt beim Style Minuspunkte 😉  Dafür:  Kleiner Extra-Bonus für direkt auf WordPress gehostete Blogs. Hier braucht man keinen „embed-code“,  sondern kann das gewünschte Video direkt einbinden.

  • DailyMotion-Anleitung [ dailymotion id = 5zYRy1JLhuGlP3BGw ](Leerzeilen entfernen, dann wird der Code wirksam - Oder einfach im Editor den Knopf "Video einfügen drücken)

Link: Dailymotion.com

4. MySpace Video

Jawohl, die viel geliebt-hassten, grässliche blauen Seiten um die niemand, der sich mit Musik beschäftigt herum kommt. Die meisten Musiker + Labels laden auch hier ihren Content hoch. Videos können auf anderen Seiten eingefügt werden.

Link: MySpace Video

5. tape.tv

Musikfernsehen 2.0! Früher gab’s MTV im Fernsehen und es war gut. Heute gibt’s feine Start-Ups wie tape.tv, die zum Verweilen einladen. „Einschalten“, schauen und freuen, dass dieses Angebot aus unserer Hauptstadt kommt. Tape.tv will was ganz anderes sein als YouTube – und das ist auch gut so!

Link: tape.tv

6. MyVideo

Grässliches Design. Dafür die schon oben erwähnte Koop mit Warner Music. Videos können zum Teil in sehr hoher Qualität und Vollbildmodus geschaut werden. Ansonsten: Gleiches Prinzip wie YouTube – gleiches Problem, wie YouTube schon vor dem GEMA-Streit: Manche Labels unterbinden das Einbetten ihrer Videos auf anderen Seiten.

Link: MyVideo.de

7. Clipfish.de

Ein weiterer deutscher YouTube-Klon. Ähnlich scheußliches Design wie MyVideo.de. Hier hat allerdings RTL die Finger drin und nicht ProSiebenSat1. wie beim deutschen Konkurrenten. Wer DSDS liebt, wird hier bestens bedient. Auch sonst reichlich Musikvideos – auf die Schnelle hab ich keinen Einfüg-Code gefunden, die Plattform nach dem Anspielen eines Rosenstolz-Videos gleich wieder verlassen. Wie schon erwähnt, hier droht Seitenlayout verursachter Augenkrebs.

Link: Clipfish.de

8. Y! Musik

Des Googles Konkurrenten haben natürlich auch Videos im Angebot. So auch Yahoo! Einfüg-Codes gibt’s auch. Design und Navigation ist so naja.

Link: Y! Musik

9. Künsterseiten

Die offiziellen Internetpräsenzen der Bands bieten häufig eigene Flash-Widgets zum Einfügen auf anderen Seiten. Ein Beispiel findet ihr in meinem Beitrag über The View. Manko des The View-Widgets – es plärrt spielt ohne zu fragen gleich los und wurde deshalb jetzt in kleines lärmendes Ding umgetauft. Es gibt aber auch höflicher Varianten, wie die von Novastar.

Manchmal kann und darf man einfach nur in Ruhe, die visuellen Werke genießen.

Z.B.: Das umwerfende Umbrella-Cover der Manic Street Preachers

Link: Manic Street Preachers

10. Label im allgemeinen und speziellen

Gerade für Blogger lohnt sich der direkte Kontakt zu den Labels bzw. den Musikpromotion Firmen, die für das Online Marketing verantwortlich sind. So kommen dann Codes zum Einfügen auf dem eigenen Blog per Email ins Haus geflattert. Ich überleg mir derweil, wo ich die gerade ins Haus geflatterten Videos der White Lies unterbringe 😉

Vielleicht hier mal eines 😀

[vodpod id=ExternalVideo.804429&w=425&h=350&fv=]

more about „White Lies – Album Trailer„, posted with vodpod

Quelle ist in diesem Fall Universal Music. Die haben einen eignen Blog mit Videoabteilung für ihre Britrock-und Popper: www.uk-sounds.de

DifferentStars

PS: Diese Liste ist natürlich nicht vollständig. So ziemlich jede Music-Community bietet auch Musikvideos im Programm. Ergänzungen dürfen bitte und gerne in den Kommentaren gepostet werden.

DifferentStars

Der großangelegte Aprilscherz

Stell dir für einen kurzen Moment vor, dass in diesem Jahr eine mediale Verschwörung der Extraklasse im Gange ist. Vom Käseblättchen über die Journaillen, welche sich selbst zu wichtig nehmen, bis hin zu schütter gesäten Qualitätszeitungen haben sich alle abgesprochen und einen Aprilscherz vom Stapel gelassen, der bei weitem weniger müde daherdackelt als es der Jux der FAZ tut. Vermute mal, das Witzchen wäre so eine perfide Realsatire, dass sogar die in der Zeitungsente erwähnten Protagonisten es als wahr erachten und munter in die ihnen zugedachten Rollen schlüpfen. Vergegenwärtige dir das Potential dieser Narretei anhand der Stichworte „GEMA“ und „YouTube“. Hört sich spaßig an, nicht wahr? Nun aus Spaß wird aber oft Ernst und dieser ist heute 9 Jahre alt.

Seit geraumer Zeit atmet alles, was aus dem Dunstkreis der Musikindustrie ans Tageslicht dringt, den Mief eines immensen PR-Desasters. Jedwede Idee der Plattenfirmen zielt auf Maximierung des eigenen Schadens ab. Da will natürlich der Interessensverband der deutschen Komponisten, Textern und Musikverlegern – die GEMA – nicht hintanstehen und möglichst viel Porzellan zerschlagen. Ich vergleich die GEMA ja gern mit der Mafia – bis du einmal Mitglied, ist ein Ausstieg verdammt schwer. Zwar seien die Meriten der GEMA nicht verschwiegen, aber dennoch überwiegt die hochgezogene Augenbraue als Zeichen eines gerüttelt Maß an Skepsis. Den momentanen Anlass liefert die Auseinandersetzung mit YouTube. Es geht um den Zaster. Der bisherige Vertrag zwischen den beiden Kontrahenten ist ausgelaufen, die GEMA will nun mehr Kohle sehen und YouTube sagt ‚Njet“. Deshalb sperrt die Google-Tochter nun einen Teil der Musikvideos für Besucher aus Deutschland, weil sonst Nachzahlungen drohen. So die hier, hier, hier und hier stehenden Fakten.

Schießt dieser Aprilscherz nicht über das Ziel hinaus, werden sich Verschwörungstheoretiker jetzt fragen. Manch einer wird sogar den Braten wittern und die Geschichte für bare Münze nehmen. Denn wenn es um das liebe Geld geht, dann hört sich der Spaß auf. Dem Musikfan fällt ein gelangweiltes Herumlümmeln, während sich die Streithähne die Augen auspicken, schwer. Eine kurze in Wortfetzen hingekritzelte Diagnose, die in etwa so appetitlich wie die eines Proktologen ausfällt, sei erlaubt.

Die Möglichkeit werbefinanzierten Streamings von Musik und Musikvideos ist prinzipiell zu begrüßen, da der Konsument dadurch neue Lieder, Bands entdecken kann und daraus eine etwaige Kaufentscheidung für sich treffen kann. Dass die an der Produktion von Musik und Videos beteiligten Leutchen für die Aufführung ihres Werks Geld sehen wollen, ist auch verständlich. Somit scheint die Ausgangslage recht einfach: Werbefinanziertes Portal zeigt Musik beziehungsweise Video, zahlt Tantiemen an die Künstler und der Kunde wiederum bezahlt durch Erduldung der Werbung. Simpler Plan – schwierige Umsetzung. Der Grund liegt in den nicht eben astronomischen Werbeeinnahmen mit denen YouTube und auch Last.fm ihr Dasein fristen müssen. Nun trifft es im Falle von YouTube mit Google ja keinen armen Schlucker, eine Lizenz zum Gelddrucken hat das Unternehmen jedoch auch nicht. Wenn die GEMA nun mehr Geld will, muss selbiges jedoch auch vorhanden sein. Rentabilität, Baby! Dem 14-jährigen Teenager aus Wattenscheid ist das freilich schnuppe. Wenn der Clip von Rihanna nicht läuft, dann kommt keine Freude auf.

Umdenken sollten alle. Der kleine Kuno aus Obertrubach genauso wie Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA. Die fetten Jahre sind vorbei. YouTube soll Labels und Künstlern für die Ausstrahlung mit mehr als einem Trostpflaster entschädigen (siehe dies plakative Statement), die GEMA soll realistische Tantiemen fordern und gerecht(!) verteilen und der Konsument sollte sich damit abfinden, dass nicht alles was an jeder Ecke des Webs so lauert immer und jederzeit kostenfrei ist. Vernünftige Preise, juhu! Ob die eben angelaufene Sperre des Contents nicht noch mehr Imageverlust für beide Seiten bewirkt, wird sich zeigen. Richtig profitieren tut jedenfalls niemand davon. Wenigstens diese Erkenntnis ist so sicher wie das Amen im Gebet.

Und hier gibt es eine erlesene Auswahl an Alternativen zu YouTube. Einfach einmal ausprobieren.

SomeVapourTrails

Dies ist meine Wahrheit…erzähl mir Deine!

Nicht nur ein – sondern das Album mit dem besten Albumtitel aller Zeiten – wird in diesem September 10 Jahre alt:

This Is My Truth Tell Me Yours

Manic Street Preachers

Zuerst geplant als reine Lobhudelei auf eines meiner absoluten Lieblingsalben…stieß ich sofort auf die erste Schwierigkeit…die – betrachtet man die Beiträge dieses Blog der vergangenen Tage – gleich wieder die Frage auf wirft : Dies ist meine Wahrheit…erzähl mir Deine!

Dank der vollkommen überzogenen GEMA Gebühren für das Streamen von Liedern auf Blogs, haben wir uns bisher immer damit beholfen entsprechende Youtube Videos einzubetten.

Nur: Geht hier nicht. SonyBmg  läßt bei allen Manic Street Preacher Musikvideos diese Funktion nicht zu.

Sehr schade – da gerade bei If You Tolerate This Your Children Will Be Next das Video äußerst sehenswert ist. Wer die Mühe eines weiteren Mauklicks nicht scheut, folge folgendem Link:

Manic Street Preachers – If You Tolerate This Your Children Will Be Next

Für sinnvoll halte ich diese Entscheidung von SonyBmg nun wirklich nicht. Sind Musikvideos doch immer noch das Mittel schechthin um Musik zu promoten…und die vielen Beiträge von Fans und Bloggern hier und da im Internet die beste kostenlose Werbung – die sich ein Label doch nur wünschen sollte.

Während den Filesharern hilflos zu gesehen wird…machen Gema und Majorlabel es denjenigen, die noch Respekt vor Musikalischen Werken haben dafür umso schwerer. Die Musikindustrie ist wirklich gut darin, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln.

Schon überzeugte Fans der Manics werden sich natürlich die Videos direkt auf der Youtube Seite anschauen…nur den ein oder anderen Fan dazu zu gewinnen dürfte hier auch nicht schaden. In Indiekenner-Kreisen gehören die Manic Street Preacher natürlich zum Establishment …irgenwie waren sie auch schon mal MTV tauglich…fraglich ob in dem Klingeltonwerbung – Rahmenprogramm heute noch wirklich Platz für die Manics ist…und überhaupt…wer tut sich MTV noch freiwillig an?

Zurück zum Album:

Manche CDs werden Teil von mir… Es gibt bestimmte Momente, Erinnerungen, Gefühle in meinem Leben die mit This Is My Truth Tell Me Yours verbunden sind…und immer verbunden bleiben werden.

Nur wenige Bands schaffen es, musikalisch auf so hohem Niveau – emotional zu berühren – in jedem Lied eine eigene Geschichte zu erzählen, die der Musik eine weitere Dimension hinzufügt.

Da ich Musik, die ich liebe, nicht gerne zerrede – hier meine Top 3 des Albums…mehr über die Hintergründe erfährt man auf der Englischen Wikipedia:

1. If You Tolerate This Your Children Will Be Next

Wikipedia

2. Ready for Drowning

3. The Everlasting

Wikipedia

In voller Länge anhören kann man sich das Album hier: Last.Fm

Homepage: Manic Street Preachers

DifferentStars

PS: Auch für diese Band hält der Tonspion einen kostenlosen Mp3 Download parat – Underdogs – vom aktuellen Album Send Away The Tigers : Tonspion