Musikalisches Tohuwabohu (XII): Gregor McEwan, Tokyo Police Club, Hannah Epperson

Und wieder habe ich feine Klänge aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds herausgesucht. Möge die Musik auf gespitzte Ohren stoßen!

Gregor McEwan

Heutzutage verpuffen Alben so schnell. Ein paar Monate vor dem Erscheinen kommt die erste Single, kurz vor dem Releasetermin einer Platte folgt die zweite. Falls der Musiker oder die Musikerin nach Veröffentlichung angesichts der Verkaufs- und Streamingzahlen nicht gänzlich vom Glauben ans eigene Tun und die eigenen Fans abgefallen ist, wird vielleicht ein paar Monate danach noch quasi als Reminder einem Song ein weiteres Video spendiert. Das war es dann aber auch schon. Dann herrscht – abgesehen von einigen Konzerten – wieder Ruhe im Karton, bis idealerweise zwei bis drei Jahre später der Zyklus von vorn beginnt, ein neues Album angekündigt wird. Wenn man diesen Mechanismen schon nicht entkommen kann, dann soll man die Chose wenigstens sehr anständig durchziehen. In dieser Hinsicht hat sich der Singer-Songwriter Gregor McEwan absolut nichts vorzuwerfen. Seinem im Januar veröffentlichten Album From A To Beginning hat er sogar das eine oder andere Extra mehr spendiert, etwa eine weihnachtliche Version des feinen Songs Home aufgenommen. McEwan ist eine derart gute Platte geglückt, dass man es fast nicht glauben möchte, dass sie aus Deutschland stammt. Schmusebardiges in der Tradition von James Blunt oder James Morrison trifft hier auf eine erdige, kräftige Songwriter-Seele mit einem Herz für perfekte Harmonien. Es bleibt zu sehr hoffen, dass dieses Werk viele Liebhaber gefunden hat. Quasi zum Abschluss wurde nun zu The Wrinkle In Time noch ein neues Video fabriziert, dass den Musiker auf sympathische Weise in Szene setzt. Der Song selbst zählt meiner Meinung nach ohnehin zu besten Tracks der Platte. Die Erkenntnis „What is not supposed to happen, happens anyway/ And I suppose/ That’s just the way life goes/ As long as there’s tomorrow, there’ll be a better day/ Good and bad will come/ And surely all at once“ kommt in americanahaftem Sound und mit einem gerüttelt Maß an Unerschütterlichkeit daher. Wer bislang noch nicht in dieses Album reingehört hat, sollte es dringend tun. Denn wie eingangs schon erwähnt: Alben gehen im steten Strom an Veröffentlichungen bedauerlicherweise allzu rasch unter.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 6

All der weihnachtliche Enthusiasmus ist keine Garantie dafür, dass eine Liebhaberei tatsächlich große Freude beschert. Zugleich sind jede Menge Herzblut und aufrichtige Verbundenheit mit dem Fest die allerbeste Voraussetzung für eine mehr als gelungene Weihnachtsüberraschung. Seit vier Jahren schon hat es sich der Snowflakes Christmas Singles Club aus den Niederlanden zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr ein paar feine, sehr sorgsam ausgewählte weihnachtliche Singles zu veröffentlichen. Diese Editionen kommen ganz altmodisch auf Vinyl daher, dieses Jahr in festlichem Schneeweiß. Der Snowflakes Christmas Single Club betreibt beste Traditionspflege, bereitet auch ein echtes haptisches Vergnügen. Der Fokus auf ein originales Weihnachtslied als A-Seite und eine Coverversion auf der B-Seite ist ebenso eine tolle Idee. Die liebevolle Aufmachung allein wäre jedoch gar nichts wert, wenn sich nicht auch jedes Art Musiker finden würden, die den perfekten Rahmen mit tollen Klängen veredeln. Das ist auch im vierten Jahr des Bestehens wieder geglückt. Bestens sogar!

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Fast zu viel des Guten – Hannah Epperson

An Plattenveröffentlichungen herrscht wirklich kein Mangel. An überzeugenden Ideen jedoch, wie man zehn oder mehr Lieder zu einer Geschichte zusammenschmiedet, eher schon. Das Album als Drehbuch ist ein Konzept, das nur selten ganz große Begeisterung hervorruft. Speziell im Pop. Hannah Epperson will auf ihrem Album Upsweep ein sehr abgründiges Psychodrama beschreiben. Ein junger Mann namens Skyler weist hierin eine bipolare Störung auf, wird von den fiktiven Charakteren Amelia und Iris heimgesucht. Immer tiefer driftet er in eine Manie hinab, begünstigt durch das Spannungsverhältnis, welches zwischen Amelia und Iris besteht. Soweit die vom Pressetext geschilderte Ausgangslage, die sowohl zum Arthouse-Film als auch zum Hollywood-Thriller taugen würde.

hannah09

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