Musikalisches Tohuwabohu (XVI): BEAK>, Violetta Zironi, Stun, Jaakko Eino Kalevi

Und wieder habe ich feine Klänge aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds herausgesucht. Möge diese Edition des Tohuwabohus auf gespitzte Ohren stoßen!

BEAK>

Portishead haben Musikgeschichte geschrieben. Welche Kapitel sie ihrer Erfolgsstory noch hinzufügen werden, ist derzeit nicht abzuschätzen. Dass ein Geoff Barrow nun jedoch nicht Däumchen dreht, mit seiner Zeit durchaus etwas anzufangen weiß, haben schon frühere Veröffentlichungen seines Projekts BEAK> gezeigt. Gemeinsam mit Billy Fuller und Will Fuller hat er beispielsweise vergangenes Jahr die unwiderstehliche Single Sex Music fabriziert. Dieses Jahr darf man sich sogar auf eine neue Platte mit dem unaussprechlichen Titel >>> freuen. Vorab gibt es mit Allé Sauvage bereits einen synthieschwangeren Krautrock in feinstem Siebziger-Futurismus zu bestaunen. An diesem hypnotischen Instrumentalstück vermag man sich nicht satt zu hören. Mit Brean Down haben die Herren noch einen weiteren Vorgeschmack im Köcher, dieser entpuppt sich als psychedelischer Slacker-Rock und ist ebenfalls nicht ohne Charme. BEAK>, das darf man ohne Zögern festhalten, ist längst mehr als eine Liebhaberei, die die Schaffenspause von Portishead überbrückt. Dieser vermeintliche Nebenschauplatz ist längst in den Mittelpunkt gerückt. Wer also nach einem Album sucht, das 2018 aus der Reihe tanzt und um den Finger zu wickeln weiß, wird an >>> keineswegs vorbeikommen!

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Nicht länger Held des öffentlichen Nahverkehrs – Jaakko Eino Kalevi

Laut Pressetext arbeitet der Finne Jaakko Eino Kalevi als Teilzeit-Tramfahrer in Helsinki. In der übrigen Zeit geht er seiner Bestimmung als Musiker nach. Ist es nicht bezeichnend, dass bei Künstlern jedweder Brotberuf automatisch als Hindernis der Entfaltung überbetont wird? Jegliches künstlerisches Selbstverständnis giert nach Umarmung der Berufung, und auch die Gesellschaft zweifelt nicht daran. Ein Musiker darf sich nicht halbtags als Wünschelrutengänger oder Hundefriseur verdingen, nein, er soll seine Kunst ganz und gar leben. Ich wage nicht zu beurteilen, was Jaakko Eino Kalevi besser kann. Wenn er allerdings so mit der Straßenbahn durch Helsinki kurvt, wie er musiziert, dann werden die Fahrgäste das entspannte Grinsen in ihren Gesichtern ihren Lebtag nicht mehr los. Die Ende November erscheinende EP Dreamzone bietet psychedelischen Pop mit allerlei Einsprengseln. Es ist ein wunderbar abgefahrener, losgelöst spaciger Sound voll funky Schönheit. Alle 4 Songs haben eine sympathische Aura, die man sofort aufsaugt. Jede Idee wirkt locker aus der Hosentasche gekramt und dem Hörer mit verschmitzten Lächeln dargeboten. No End etwa wird vom Pressetext wie folgt beschrieben: „No End, a duet with Helsinki vocalist Suad Khalifa, is an opiated love song tethered to a dubby groove, its cantering rhythm splashed with sax and an unforgettable keyboard solo.„. Und ja, dieser Beschreibung kann ich nur zustimmen. Allerdings wäre es völlig ungerecht, die anderen Tracks unter den Tisch fallen zu lassen. Der funkige Groove, die relaxten Vibes durchziehen die gesamt EP. Memories und Uu uu uu sind Traumtänzernummern mit Retro-Flair. Man wird süchtig, das Bewusstsein erweitert sich, die Welt gerät ins Schweben, Farben flutschen durchs Gemüt. When You Walk Through Them All brilliert mit seinem hypnotischen, anbetungswürdigen Flow.

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