Ein später Fang – Josefin Öhrn + The Liberation

Als eingefleischter Musikblogger ist man mit Fluch und Segen gleichermaßen konfrontiert, dem absoluten Überfluss nämlich. Eine Sturzflut der Neuerscheinungen ergießt sich Woche für Woche über mich. Im besten Fall erhascht man nur die fetteren Fische, selbst wenn man Netze spannt. Im Spätherbst letzten Jahres ist mir leider ein erstaunliches Album durch die Lappen gegangen. Das hätte allerdings nicht passieren müssen. Der werte Bloggerkollege Nico hatte auf Nicorola zu der Platte gleich mehrere Posts gemacht, Kollege Peter von Coast Is Clear hatte das Album sogar in seine Top 10 des Jahres 2015 aufgenommen, und natürlich hat auch die geschätzte Eva-Maria die Formation jüngst auf ihrem Polarblog vorgestellt. Endgültig darauf gestoßen bin ich jedoch erst zufällig via Spotify. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, weil ich eigentlich die These vertrete, dass irgendwelche Algorithmen in Form dahergelaufener Playlists den Instinkt und die Übersicht eines guten Musikblogs nie und nimmer ersetzen können. Die Geschichte unterstreicht freilich, warum Spotify und Co. so beliebt sind. Weil man auf niederschwellige Art und Weise neue Töne kennenlernt, sich nicht erst auf einen Blog begeben und mit Text auseinandersetzen muss. Auf Streaming-Portalen lässt sich en passant entdecken, Blogs fordern mehr Aufmerksamkeit, geben Deutungen vor. Die Band, die mir nach mehreren Anläufen nun endlich ins Netz gegangen ist, nennt sich übrigens Josefin Öhrn + The Liberation. Das Album, welches ich mit Nachdruck empfehlen möchte, trägt den seltsamen Titel Horse Dance – und beinhaltet eine geheimnisumrankte Mischung aus Electro-Pop, Krautrock und psychedelischen Klängen.

Horse Dance offenbart sich als Wundertüte, der Opener Dunes etwa gerät zum Inbegriff für verführerische, hypnotische Rhythmen, die vom Säuseln Öhrns kontrastiert werden. Wie die flirrende Electronica in magischen Krautrock übergeht, stellen einen der stärksten Momente des Werks dar.  Weiterlesen