Indie-Track-Auslese 2013 (Juli/August/September)

Obwohl wir in den vergangenen 3 Monaten ungewöhnlich viele Größen der Musik besprochen haben, fand doch auch der eine oder andere Indie-Künstler Erwähnung auf dem Blog. Hier eine nochmalige Auflistung manch toller Tracks.

Human PyramidsRelapse (Großbritannien) Album: Planet Shhh! (VÖ: 15.07.2013 auf Oxide Tones)

PINSLost Lost Lost (Großbritannien) Album: Girls Like Us (VÖ: 27.09.2013 auf Bella Union)

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Pop ohne Schminke – Julia A. Noack

Eine gute, ausführliche Besprechung versucht eingangs eine These zu dem zu behandelnden Werk aufzustellen, zumindest aber einen Aspekt herauszukitzeln, all dies in der Folge zu untermauern oder aber wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen zu lassen. Je besser das Werk, je eher lässt sich also ein Aufhänger ausmachen, an dem man die Überlegungen und das Fühlen andocken kann. Eine wirklich interessante Platte erkennt man etwa daran, dass die Aufhänger während der Beschäftigung mit dem Album nur so in die Gedanken purzeln. Im Fall der Berliner Singer-Songwriterin Julia A. Noack fällt mir so manches auf. Etwa dass ihre Platte The Feast fast durchgängig internationale Klasse besitzt. Wenn es um erwachsenen, intelligent produzierten, ungeschminkten, englischsprachigen Pop geht, ist eine deutsche Abstammung doch noch immer absolute Ausnahme denn Regel. Aus dieser Erfahrung heraus redet man deutsche Interpreten oft klein, selbst wenn sie wie Noack das Potential zum Lichtblick besitzen. Ebenfalls ins Auge sticht der Umstand, dass The Feast mit zwei verdammt starken, wuchtig-intensiven Nummern beginnt, man sich schon mit einem Album anfreuden möchte, das in seinem Wesen sehr an starke, selbstbewußte Sängerinnen der Neunziger erinnert. Doch geht der raue Charme und das trotzige Temperament dann plötzlich flöten, weicht gedämpfterem, fragilerem Indie-Pop. Es ist dieser Bruch nach den ersten zwei Tracks, den man sich nicht zu erklären vermag. Nicht minder verwirrt mich eine sehr ausführlich erzählte Anekdote im Pressetext zu The Feast. Noack lauerte Bob Dylan im Rahmen einer Deutschlandtour vor einem Hotellift auf, sprach ihn an und durfte ihm letztlich ihre Songs vorspielen. Das war 2003. Und auch wenn diese Episode einen gewissen Mut der Musikerin offenbart, ist dieses Album der Songwriterin Noack nicht im entferntesten von Dylan beeinflusst. So lenkt der Pressetext ohne Not und ohne Pointe den Fokus weg von der Platte. Warum?

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Photo Credit: Kai von Kroecher

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Lauschrausch XXXV: Julia A. Noack

Es gibt immer einen triftigen Grund für Wut. Damit meine ich keine von Populisten geschürte Wut, die Ursache und Wirkung umdeutet, ich meine den von Unbehagen getriebenen Ärger, der gegenwärtige Missstände nicht einfach hinnehmen will. Wenn sich die Kraft der Emotion mit der Tugend der Vernunft zusammenschließt, ist man auf dem richtigen Weg. In der Kunst unserer Tage wird häufig das Scheitern persönlicher Lebensentwürfe thematisiert, werden Seelenleben röntgenisiert, bestenfalls noch die üblichen Feindbilder (Krieg, Nazis) angegangen. Gesellschaftskritik wird plakativen Provokateuren überlassen, deren Existenz als Enfants terribles immer nur einen Steinwurf von clownesker Attitüde entfernt scheint. Die Zeiten von Pink Floyds Animals oder den frühen Tocotronic scheinen lang, lang her. Vielleicht bin ich auch deshalb dankbar, wenn ich über ein Lied stolpere, das eine klare Ansage aufbieten kann. Die deutsche Singer-Songwriterin Julia A. Noack hat mit dem Track Everything Is Sexuality ein wuchtiges Statement formuliert, dass tief in eine gegenwärtige Wunde fühlt. Mit aggressivem Drama und wuchtigem Pop-Pathos vermögen Song und dazugehöriges Video überzeugend aufzurütteln. Das ist stark und weckt die Lust auf das im September erscheinende Album The Feast. Ich für meinen Teil finde es ja problematisch, dass auch im Indie-Bereich jeder elfenhaft wirkenden Sängerin nachgestellt wird. Es scheint, dass die Verpackung fast schon alles ist. Inhalte? Ha! Noacks Clip wirkt diesbezüglich erfrischend, anders, eignet sich auch deshalb bestens für einen Lauschrausch!

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