Musikalisches Tohuwabohu (XI): Kevin Morby & Waxahatchee, Fishbach, Kacy & Clayton, Great News

Und wieder habe ich feine Klänge aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds herausgesucht. Mögen Sie auf gespitzte Ohren stoßen!

Kevin Morby & Waxahatchee

So hoffentlich verschwenderisch ich mit Lob um mich werfe, so versuche ich dennoch zwischen toller Musik und Klängen für die Ewigkeit zu trennen. Manch feine Platte des Jahres 2018 wird in 50 Jahren vergessen sein. Machen wir uns nichts vor. Dann freilich lehrt uns ein Blick in die Geschichte, dass manche Musiker erst von späteren Generation so richtig geschätzt werden. Ich würde einiges darauf verwetten, dass das im Falle von Jason Molina so sein wird. Molina ist ein Paradebeispiel dafür, wie man am Leben scheitert. All seine poetische und musikalische Kraft konnten ihn nicht erlösen, vielleicht hat diese Tragik seine Lieder und Alben auch erst groß gemacht. Im nächsten Monat jährt sich Molinas Todestag zum fünften Mal. Keine 40 Jahre ist er alt geworden, es ist eigentlich immer noch zum Heulen. Mein liebstes Lied von Molina ist The Dark Don’t Hide It, speziell die Strophe „Now death is going to hold us up in the mirror/ And say we’re so much alike we must be brothers/ See I’ve had a job to do but people like you/ Have been doing it for me to one another“ schnürt mir stets die Kehle zu, weil sie die Abgründe des Menschseins, allen Zank und Krieg, so wunderbar in Worte fasst. Dieser Tage nun haben sich die wundervollen Kevin Morby & Waxahatchee zusammengetan und zwei Lieder Molinas gecovert. Besagtes The Dark Don’t Hide It und Farewell Transmission. Die Einnahmen dieses Tributs gehen an MusiCares, das Musiker in gesundheitlicher und damit verbundener finanzieller Not hilft. So unterstützenswert dieses Projekt ohnehin scheint, so positiv ist freilich der Umstand hervorzuheben, dass Kevin Morby und Waxahatchee bei diesen beiden Songs eine ausgesprochen gute Figur machen. Ein Grund mehr, sich die Single schleunigst zuzulegen!

 Weiterlesen

Unsere 30 Lieblingssongs des Jahres

Mir persönlich sind Bestenlisten mittlerweile hochgradig suspekt, denn was steckt hinter Bestenlisten denn eigentlich? Wenn zu viele darüber abstimmen, was das Beste ist, haben wir es im Grunde mit einem Popularitätscontest zu tun. Wenn eine einzelne Person das Beste des Jahres definiert, steckt dahinter doch nur der Ausdruck eigenen Geschmacks. Nun ist Subjektivität überhaupt kein Verbrechen, wenn man sie klar kennzeichnet. Ich will daher von den Lieblingsliedern des Jahres sprechen. Und ehrlich gesagt tue ich mir auch mit Reihungen schwer. Was qualifiziert einen Song auf Platz 8 und nicht auf Nummer 7 gesetzt zu werden? Zugegeben, das Erstellen von Listen ist ein netter Zeitvertreib, sofern man Reihungen nicht tierisch ernst nimmt. Hier nun also jene 30 Songs, die uns 2017 auf die eine oder andere Weise ganz besonders erfreut haben. Um eine gewisse Vielfalt abzubilden, habe ich mich mit einer Ausnahme auf einen Track pro Musiker(in) oder Band beschränkt. Es wäre sonst eine Liste, bei der Lana Del Rey zu sehr dominieren würde…

1. Lana Del Rey – God Bless America – And All The Beautiful Women In It (Review) [USA]

2. Principe Valiente – Wildest Flowers (Review) [Schweden]

 Weiterlesen

Schatzkästchen 89: Kacy & Clayton – The Light of Day

2013 hatte ich auf das exzellente kanadische Duo Kacy & Clayton hingewiesen, mich an dem puristischen Folkalbum The Day Is Past & Gone ergötzt. Irgendwie sind mir die Beiden jedoch aus der Wahrnehmung entfleucht. Deshalb war ich dieser Tage umso erstaunter, welchen Weg das Duo mittlerweile eingeschlagen hat. Die neue Single The Light of Day kündigt das im August erscheinende Album The Siren’s Song an. Produziert wurde das Werk von keinem Geringeren als Jeff Tweedy. Und ja, das hört man! The Light of Day zumindest tönt in bester Roots-Rock-Tradition. Eine psychedelische Note und eine charmante Pedal-Steel-Gitarre verleihen dieser pfiffigen Nummer den Charakter eines Klassikers. Nur zu gut kann man sich ausmalen, dass der Song auch zu Zeiten der Hippies für Furore gesorgt hätte. Und wenn man sich das Cover der Platte so besieht, ist dieser Eindruck auch gewünscht.

 Weiterlesen

Ein Mehr als die Summe der einzelnen Teile – Kacy & Clayton

Es gibt simple Regeln, an deren Offensichtlichkeit man nie und nimmer rütteln sollte. Etwa wenn eine Bauernregel besagt: „Wenn es draußen dunkel ist, dann ist es Nacht“. Solch Logik ist schlichtweg entwaffnend. Und natürlich folgt auch die Musikbloggerei gewissen ehernen Gesetzmäßigkeiten. Im Dezember beispielsweise ist das Musikjahr längst gelaufen, da stellt man keine neuen Alben oder Songs mehr vor, sondern lässt alles Revue passieren, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Ich hebe mir das Beste des Jahres allerdings noch für die Zeit zwischen den Feiertagen auf und möchte heute lieber auf ein Album verweisen, das sich wohl auf keinen der derzeit grassierenden Jahresbestenlisten finden wird. Das ist schade, denn das kanadische Duo Kacy & Clayton hat mit The Day Is Past & Gone ein Folkalbum klassischen Zuschnitts fabriziert. Diese Platte verkörpert meinen Traum von musikalischem Glück. Gitarre und Gesang, viel mehr bietet es nicht auf. Und aus dieser Schlichtheit entsteht ein Mehr als die Summe der einzelnen Teile. Darin liegt für mich der Beweis für Talent, dass man aus wenig viel macht. Jeder Fernsehkoch kann mit einem Budget von 100 Euro ein leckeres Menü zaubern, aber die wirkliche Kunst besteht doch darin, mit nur 10 Euro in der Tasche Gaumenfreuden auszuhecken. Viele der größten Erfindungen sind nicht von Fachleuten mit Know-how, allerlei Maschinen und jeder Menge Zeit ausgetüftelt worden, sondern vielmehr von Laien nach Feierabend in einer kleinen Kaschemme auf einem Blatt Papier ersonnen worden. Kurzum, Kacy & Clayton zaubern mit einer überschaubaren Anzahl an eingesetzten Mitteln die ganz große Folk-Tradition hervor.

 Weiterlesen