Musikalisches Tohuwabohu (X): Penny Police, Jarle Skavhellen, Fatoumata Diawara

Und wieder habe ich feine Klänge aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds herausgesucht. Möge die Musik auf gespitzte Ohren stoßen!

Penny Police

Better not to think of unrequited love“ – diese Losung gibt die dänische Singer-Songwriterin Penny Police gleich zu Beginn ihrer EP Train Talk aus. Der reduzierte, elegante Electro-Pop des Openers Train Talk (Don’t Ask Me About Love) erwächst zum urbanen Blues der Einsamen, die in der Masse nach Liebe suchen und trotzdem mit leeren Händen dastehen. Irgendwo zwischen resignativem Schulterzucken und dem Wunsch nach einem Begreifen der Umstände ist der Song angesiedelt. Ebenso edel erschallt Fool Like Me, das in aufgemotzterer Form auch als R&B-Ballade auf jedem Album eines Superstars Platz finden könnte. Der Vortrag von Penny Police zeichnet sich freilich durch eine schüchterne Wärme aus, statt fetten Beats wird hier eher der Pulsschlag zelebriert, dazu ist die Chose kammerpophaft ausgestaltet. Marie Fjeldstad fabriziert unter ihrem Alias Penny Police zarten Pop von ausgesuchter Schönheit, bei dem speziell die elektronischen Elemente eine überraschende Intimität vermitteln. Doch existiert auch der eine oder andere Refrain, bei dem die Emotion unvermittelt hervorprescht. Eine spezielle Erwähnung hat sich No Horizon verdient, das vom Ende einer Flucht erzählt. „My darling, my life. We have arrived!“ ist ein Stoßseufzer, der in dieser Form in den vergangenen Jahren wohl ungezählte Male an europäischen Küsten erschallt ist. Doch erzählt der Song zugleich von den Menschen, die den Geflüchteten voll Ablehnung begegnen. Sobald sich bei diesem Song zu den Synthies und dem hellen, flüchtigen Gesang noch Streicher gesellen, macht sich Gänsehaut breit. Das an Geflüchtete gerichtete Versprechen „You can lean on me“ entwickelt angesichts der rigiden dänischen Asylpolitik eine geradezu dissidente Anmutung. Und selbst wenn der Electro-Pop von Train Talk zugunsten eines getragenen Pianostücks für einen Augenblick pausiert, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Mostly The Same schlägt so wunderbar angenehm aufs Gemüt, spricht mit seinem Wunsch nach Veränderung und der daraus resultierenden Erkenntnis, dass sich das eigene Selbst kaum ändert, wohl vielen Menschen aus der Seele.  Weiterlesen