Free Mp3: Philipp Poisel covert Peter Fox

Foto Credit: Lina Scheynius

Aber hallo! Was sehen meine Augen, was hören die Ohren… Philipp Poisel verkürzt uns die Wartezeit auf sein neues Album Bis nach Toulouse, das am 27.08. auf Grönland Records erscheint, indem er einfach mal so eine kostenlose Coverversion eines anderen Könners serviert. Peter Fox hat mit Schwarz zu Blau ja den Stadtaffen gemimt und Kreuzberg seine geheime, gossenpoetische Hymne geschenkt.  Bei aller Hochachtung vor Phillip Poisel, aber seinem doch milchbübischen Aussehen nach hätte ich ihm eigentlich nicht zugetraut, diese kraftvollen Lyrics in ein passendes Gewand zu stecken. Da habe ich mich getäuscht. Doch hört selbst diesen Track an, der dem Original um nichts nachsteht.

Hier geht es zum kostenlosen Download. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 1

Wer dieser Tage Pitchfork ansteuerte, durfte mit hochgezogener Augenbraue die 500 wichtigsten Tracks dieser Dekade begutachten – oder vielmehr belächeln. Was hier inmitten verdienter Glanztaten an Schrecklichkeiten zu finden ist, deutet durchaus darauf hin, dass Plattenfirmen manch Sänger eine kräftige Fürsprache angedeihen haben lassen. Kelly Clarkson auf Platz 21 kann nur ein wirklich geschmacksverschleimtes Hirn ersinnen. Insgesamt ist diese Liste eine derart dumme, ärgerliche, in die Irre führende Angelegenheit, dass man sie nicht geflissentlich ignorieren kann und darf. Gerade Leute, die sich mit Musik eben kaum bis gar nicht beschäftigen, kommen am Ende durch solch Aufzählung auf den komplett absurden Gedanken, wonach der Mist, den Beyoncé verzapft, tatsächlich die Krone der audiophilen Hochgenusses sei.

Darum wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten hier eine in jeder Hinsicht vielfältigere Auswahl präsentieren.  500 Songs dieser Dekade – in feinster subjektiver Manier handverlesen und durchaus mit einem gerüttelt Maß an objektivem Anspruch. Heute beginnen wir mit den ersten 50 Liedern.

500Tracks(Teil1)

kingdomofrustDovesKingdom Of Rust (2009)

bringmetheworkhorseMy Brightest DiamondWe Were Sparkling (2006)

straightfromthefridgeJames HardwaySpeak Softly (2002)

skilligansislandThirstin Howl IIIWatch Deez (feat. Eminem) (2002)

gulagorkestarBeirutPostcards From Italy (2006)

frenchteenidolFrench Teen IdolShouting Can Have Different Meanings (2005)

addinsulttoinjuryAdd N to (X)Plug Me In (2000)

convictpoolCalexicoAlone Again Or (2004)

pleasedtomeetyouJamesGetting Away With It (All Messed Up) (2001)

Dies ist nur ein Liebeslied: Peter Fox – Schwarz zu Blau

Liebe duftet nicht immer nur nach Rosen – manchmal stinkt sie nach Kotze und Urin. Kaum irgendwo sonst, liegen das Schöne und Ekelhafte so nah bei einander, wie am Kottbusser Tor. Dreh-und Angelpunkt für alle, die hier leben und ausgehen wollen. Kein Kiez hat soviel Flair wie Kreuzberg 36, wobei – diejenigen, die dieses Flair geschaffen haben, können sich ihren Kiez oft nicht mehr leisten. Der Kampf um das Stadtviertel tobt schon eine Weile und verschärft sich, vielleicht passender, vielleicht ironischer Weise genau zu einem Zeitpunkt, an dem Peter Fox mit seiner Liebeserklärung alle Preise abräumt.

Peter Fox besingt keine Sozialromantik – lebt man hier, fühlt man das Lied und weiß – aus der Ferne sieht alles viel schöner aus. Dieses bisschen Hässlichkeit nimmt vielen die Luft zum Atmen – lässt nun die Anwohner jegliche Solidarität vergessen und sich gegenseitig niedermachen.

Parallel zu den Echo-Vorbereitungen zerfleischen und bekämpfen sich die Anwohner des Kotti mit  polemischem Aufeinander-Eingedresche im Vorfeld – und Demos am Samstag Mittag.

Lesenswert dazu ist der Bericht der blog.rebellen. Auch wenn sie vorab noch sehr undifferenziert titelten: Yuppies planen Demo gegen Junkies

Dort habe ich auch ein Video gefunden, dass die Realität des Kotti wesentlich düsterer zeigt – dennoch liegt mir Peter Fox‘ Sichtweise näher.

The Black Ghosts – Full Moon

Gerechterweise muss ich aber auch zugeben, dass ich mehr Zeit im kuscheligen X-Kölln verbringe – und das ein oder andere Mal Umwege laufe oder fahre, wenn ich im SO 36 unterwegs bin – nur um nicht direkt mit der Brutalität des Kotti konfrontiert zu werden.

DifferentStars

PS: Mehr Polemik im ironischen Gewande zum Thema: Berlin goes Neuschwabenland!!!

Bundesvision Song Contest 2009 – Eine Bilanz

Wer gestern Stefan Raabs Bundesvision Song Contest 2009 im Fernsehen verfolgte, bekam eine Bestandsaufnahme deutschen Musikschaffens, wie es die Akteure aus der zweiten Reihe derzeit propagieren. Im Mix fand man auch den einen oder anderen Star – und fertig war ein durchaus kurzweiliger Abend.

Wir haben einen Blick auf die einzelnen Acts riskiert und wollen den werten Lesern unseres Blogs unser Urteil nicht vorenthalten.

Hessen: Fräulein Wunder – Sternradio (Platz 6)

Eine reine Mädchenband, die nicht nur artig im Chor daherjodelt, ist ja prinzipiell begrüßenswert. Frauen mit elektrische Gitarren haben in der Vergangenheit durchaus meine feuchten Träume inspiriert. Doch da das Lied keinen bleibenden Eindruck hinterlässt und die stimmlichen Qualitäten der Sängerin im unteren Durchschnitt angesiedelt sind, sehe ich keinen Grund zum Schwärmen. Wunderdinge sind nach Lage der Dinge von Fräulein Wunder nicht zu erwarten.

Saarland: P:Lot – Mein Name ist (Platz 14)

Einen dürftigen Song kann oft nur eine wuchtige Stimme und Rampensauperformance retten. Da beides fehlte erhält Mein Name ist das Prädikat „Besonders unauffällig“. Dies ist fast schlimmer als jedwede furchtbare Vorstellung, die sich weitaus mehr ins Hirn brennt und mitunter immerhin einen Mitleidseffekt generiert. Da wird wohl kein Durchbruch winken.

Mecklenburg-Vorpommern: Marteria – Zum König geboren (Platz 13)

Und hier irrte das votende Deutschland. Marteria ist Seeed mit Rap-Protz-Attitüde. Charmant und intelligent mit eingängigem Refrain und feiner Mundharmonikauntermalung. Das erste Highlight des Abends und ein absolutes Versprechen für die Zukunft.

Sachsen-Anhalt: Angela’s Park – Generation Monoton (Platz 16)

Irrer Lidschatten und kurzer Rock – solch schriller Look kontrastierte die langweiligen Möchtegernlebensweisheiten. Der Lohn war ein verdienter letzter Platz, der die Binsenweisheit bestätigte, dass auch das aufgedrehste Bühnenkostüm von einem öden Song nicht abzulenken vermag. Etwaiges Potential war nicht zu erkennen.

Nordrhein-Westfalen: Rage – Gib dich nie auf (Platz 3)

Auch wenn die werte Mitbloggerin Differentstar die Band als PUR auf Heavy-Metal bezeichnete, konnte ich doch eine glaubhafte, direkte Attitüde konstatieren. Mögen die Mitglieder privat nette Familienväter sein, die auch als Sozialarbeiter durchgehen, so war der Auftritt recht dynamisch und eine vordere Platzierung verdient.

Thüringen: Chapeau Claque – Pandora – kiss Miss Tragedy (Platz 7)

Der MIA-Verschnitt mit gelbem Kanarienvogel als Sängerin sonderte die englischen Gesangspassagen in akzentbeladener Art ab. Auch die Pseudointellektuellen Lyriks ramschten haarscharf an der Katastrophe vorbei. Damit empfahlen sich Chapeau Claque keinesfalls für eine über das Kurzzeitgedächtnis hinausgehende Erinnerung.

Brandenburg: Sven van Thom – Jaqueline (Ich hab Berlin gekauft) (Platz 9)

Eine Bilanzbuchhalterbrille wirkt nur bei Kurt Krömer witzig. Skurrilität versus Qualität lautet hier die Devise. Was krampfhaft witzig sein wollte, war überaus nervig. Hier lohnt es sich, den Mantel des Schweigens darüber auszubreiten.

Bayern: Claudia Koreck – I wui dass Du woasst (Platz 10)

Hier mischte sich ehrliche Songwriter-Attitüde mit authentischem Dialekt. Wenn auch am Anfang der Performance eine gewisse Backfischmentalität zu spüren war, so steigerte sich die Künstlerin gegen Ende zu ungeahnten Höhen. Da ist durchaus Potential vorhanden, ein Lichtblick!

Schleswig-Holstein: Ruben Cossani – Bis auf letzte Nacht (Platz 8 )

Der klassische Sixties-Sound von Bands wie The Hollies gehört zweifellos zu den besten Kompositionen des Abends. All die Ingredienzien eines virtuosen Popsongs sind gegeben, allein der Vortrag hätte inbrünstiger ausfallen dürfen. Dennoch: Hut ab.

Niedersachsen: Fotos – Du fehlst mir (Platz 15)

Wer auf poppigen 80er-Melodien von The Cure steht und auf Genialität gern verzichtet, der erlebte einen handwerklich guten Vortrag eines mageren Liedes. Da kam bei mir Mitleid auf, denn die Band selbst ist eigentlich nicht so übel. Man darf sie halt nicht nach diesem Lied beurteilen.

Bremen: Flowin IMMO et les Freaqz – Urlaub am Attersee (Platz 11)

Wäre ich ein Anwohner des schönen, in Österreich gelegenen Attersees, ich hätte sofort eine Unterlassungsklage eingereicht. Wie schon Sven van Thom setzte auch das Bremer Gespann auf bemühte Originalität (die Zenzi reimte sich auf fancy). Was dadaistisch anmuten will, sollte neben Absurdität mehr bieten. DifferentStars fand das alles zum Kotzen.

Rheinland-Pfalz: Pascal Finkenauer – Unter Grund (Platz 12)

Stirnglatzen stehen nur den wenigsten Popstars, befand DifferentStars. Und ich fand das Lied und den Vortrag einfach nur unauffällig. Tat nicht weh, prägte sich jedoch auch nicht ein.

Sachsen: Polarkreis 18 – The Colour of Snow (Platz 2)

SO sieht also eine feine Performance aus. Mag der Song auch nicht an Allein Allein heranreichen, hier wurde freilich endlich internationales Format abgeliefert. Ein verdienter zweiter Platz unterstrich die Geschmackssicherheit des Votings.

Baden-Württemberg: Cassandra Steen – Darum leben wir (Platz 4)

Die übergroßen Trommeln ließen bereits Übles schwanen. Und tatsächlich zeigte sich der Unterschied zwischen bedeutungsschwanger und bedeutungsvoll im Refrain vorzüglich. Der sterile Vortrag konnte die Kastanien auch nicht aus dem Feuer holen.

Hamburg: Olli Schulz – Mach den Bibo (Platz 5)

Wie lässig vorgetragener Party-Rock klingt, wissen wir nun. Mit zwei Bier intus ist dies ein absolut gutes Lied, das durch den charmanten Vortrag auch noch gewinnt. In Olli Schulz durfte man Erwartungen setzen, die dieser auch erfüllte.

Berlin: Peter Fox – Schwarz zu blau (Platz 1)

Kommen wir zum Sieger des Abends. Peter Fox unterstrich, was hohe Kunst ausmacht. Die Finesse des Bühnenauftritts, die Poetik seiner Texte, die intensiven Beats, ein hymnischer Refrain. Da schlägt mein audiophiles Herz höher. Der Erfolg von Fox basiert auf keinem Hype, vielmehr auf die brilliante Qualität seiner Musik.

Ein Fazit? Kein Fazit! Nur das Gefühl, dass es hierzulande durchaus wundervolle Musik gibt.

SomeVapourTrails

Das Beste und das Schlechteste 2008 – eine Rückschau

Wollen wir nun also wie angekündigt einen Rückblick auf das vergangene Musikjahr vom Stapel lassen und mit Lob und Kritik nicht sparen und all die beleuchten, die medial für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Neben gerechtfertigten Hypes – wie das gepriesene Solo-Debüt von Peter Fox – gab es auch massenhaft schöngeredete Langweile. Ein besseres Beispiel als Coldplay findet sich 2008 nicht.

Während virtuose Comebacks von Portishead und The Verve ewig schimmernde Perlen darstellen, es allgemein eine Tendenz zur Auferstehung zu alter Größe gab – R.E.M.! -, wurden aber auch leider unter viel Jubel die ewig gleichen Lieder AC/DCs als irgendwie relevant bezeichnet.

Madonna wiederum schaffte es zum ersten Mal in ihrer Karriere nicht, auf einen Trend aufzuspringen und ihm ihren Stempel aufzudrücken. Was sie ablieferte, war einfach nur ärgerlich. Doch jeder Enttäuschung folgen auch positive Erlebnisse. Die unten erwähnte Newcomerin Amy Macdonald hat sehr positiv überrascht und tolle eingängige Lieder präsentiert, die zeigten das auch konsensfähiger Mainstream mit Pfiff vorgetragen werden kann.

Beste Band/Künstler

1. Portishead

2. Travis

3. Die Ärzte

Schlechteste Band/Künstler

1. Madonna

2. Metallica

3. Bushido

Interessanteste Newcomer

1. Amy Macdonald

2. Gisbert zu Knyphausen

3. Peter Fox

Comeback des Jahres

1. Portishead

2. The Verve

3. Grace Jones

Überflüssigstes Comeback des Jahres

1. Guns N’ Roses

2. AC/DC

3. Udo Lindenberg

Enttäuschung des Jahres

1. Coldplay

2. Snow Patrol

3. Thomas D

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