Sarrazins Wahn: Zwangssterilisationen für Hartz 4 Empfänger?

NS-Ideologie Reloaded – Anders kann und darf man die aktuellen Äußerungen vom neuen Bundesbandchef Sarrazin nicht deuten.

Musik muss nicht immer – manchmal aber ausdrücklich doch politisch sein. Genauso wie unserer Blog. Vor allem da sich fast die gesamte Blogosphäre zur Zeit wie die Lemminge von den brennenden Problemen ablenken lässt und in die Abgründe rund um Zensur-Verschwörungstheorien stürzt.

Das Grundrecht auf Würde und Unversehrtheit war gestern. Dafür haben wir kein Geld mehr – erläutert  jetzt Thilo Sarrazin. Der Abschaum muss weg und am Vermehren gehindert werden.

Folgt man den Ausführungen des SPD-Politikers, ist es jetzt offiziell und amtlich: Arbeitslose und Arme sind Dreck – verrecken sollen sie. Das die Wirtschaftskrise von den unverantwortliche Spekulationsgeschäften der Banken verursacht wurde ist egal.

Weg mit der staatlichen Fürsorge für die, die nun am schlimmsten darunter leiden. Mindestens Frieren und schnellstens das Kinderkriegen abstellen. Wenn nicht freiwillig, dann mit Zwang! Frei dem Motto: Euer Elend widert mich an. Da wünscht man sich doch glatt einen neuen Stauffenberg – diesmal erfolgreicher als bei der erste Mission.

Hier mal ein paar von mir kommentierte Zitate des früheren Finanzsenator Thilo Sarrazin:

„Die große Frage ist: Wie kann ich es schaffen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden“.

Gemeint sind hier nicht nur pädagogische Fähigkeiten… sondern die finanzielle Voraussetzungen…. Gibt nur eine Lösung: Zwangssterilisation!

„dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist“.

Alle Studien zum Thema lügen also laut Sarrazin. „In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm.“ Das sagt der Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
„Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen.“ Das sagt der Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland von Unicef aus Mai 2008.
„Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahre alte Jugendliche lebt in materieller Not oder ist davon bedroht.“ Das erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jungendhilfe (AGJ) Anfang Juni 2008. Vielleicht meint aber Sarrazin auch nur die Bitches, die für ihn und Seinesgleichen die Beine breit machen und vom Unterhalt prächtig leben. Aber auch Reiche sollten den Gebrauch von Kondomen lernen, um solche Goldgräberinnen am Tun zu hindern…

Die Armen jedoch rammeln nicht nur zuviel, sie sind auch größte Energieverschwender, polemisiert der Nachfolger Goebbels weiter:

„Hartz-IV-Empfänger sind erstens mehr zu Hause; zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster“

Wie unverschämt, sie sind also nicht nur arbeitslos, sie weigern sich auch noch zu frieren. Beste Lösungen: Alle auf die Straße setzen. Genug werden im Winter erfrieren. Dann reduzieren sich auch die Arbeitslosenzahlen und die Statistiken sehen wieder positiver aus. Schafft auch neue Arbeitsplätze, da die Beerdigungsinstitute mehr zu tun haben…

Das Erwerbslose dies nur Dank eigener Dummheit sind, weiß eh jeder. Deshalb können sie auch keine Temperaturregler bedienen. Tot dem Gesocks!

Die Zitate habe ich diesem Spiegel-Artikel entnommen: Sarrazin provoziert Hartz-IV-Empfänger und Problemfamilien. Dort findet sich noch mehr der gequirlten braunen Scheiße.

Das die SPD alles andere als sozial ist, hat sie in den vergangenen Jahren mehr als zu genüge gezeigt. Vielleicht sollte sie sich umbenennen in SDP = Sozial Darwinistische Partei.

Das Sarrazinische Menschenbild kurz und knackig zusammen gefasst,  hat der Blog Dies und Das:

Nur ein toter Hartz-IV-Empfänger ist ein guter Hartz-IV-Empfänger!

Ein Paar sehr kluge Gedanken zum Thema und Reflexionen früherer Äußerungen Sarrazins findet ihr auch hier: Sturmbannführer Sarrazin

DifferentStars

(…ist zwar gegen Gewalt gegen Menschen, ein Teil von ihr wünscht sich dennoch ein RAF-Reloaded… als Antwort auf diese Menschen verachtenden Machthaber)

Hardcore bleibt Hardcore – nicht nur für Nazis!

hardcore_banner

Kleine Erfolge gibt’s im Fall „Hardcore gegen Nazis verteidigen“. Ist sonst nicht so meine Art, mit Copy und Paste zu arbeiten – aber heute hier mal ein Repost des MySpace-Blogs von Kein Bock Auf Nazis:

Okay, die schlechte Nachricht zuerst:

Seit dem 3. April ist das Wort „Hardcore“ für
Kleidung offiziell auf den Neonazis Timo Schubert eingetragen. Trotz
hunderter Protestmails und wütenden Anrufen aus aller Welt hat sich das
Deutsche Markenamt einfach geweigert die Markenanmeldung abzulehnen.

Das Wort „Streetball“ kann man beispielsweise nicht
schützen lassen, dafür ging die Behörde sogar vor Gericht. Wenn es aber
darum geht zu verhindern, dass die Nazi-Szene sich einen linken
Musikstil schützen lässt, drückt das Markenamt anscheinend gerne mal
ein Auge zu. In dem offiziellen Statement des Markenamtes heißt es lediglich: „Im
Falle der Marke „Hardcore“ ist die zuständige Markenstelle des Amtes
nach sorgfältiger Prüfung der Anmeldung zu dem Ergebnis gelangt, dass
die Eintragung nicht verweigert werden kann.“

Aber jetzt kommt die gute Nachricht:

1. Wir haben mit Hilfe eines professionellen
Markenanwalts einen Löschantrag gestellt. Wenn der Nazi dagegen keinen
Einspruch erhebt, ist die Marke in zwei Monaten endgültig gelöscht.
Falls er Einspruch einlegt kann es jedoch bis zu einem Jahr dauern bis
es eine gerichtliche Entscheidung gibt.

2. Wir haben mehrere Firmen, die das Wort für
andere Waren geschützt haben, dazu gebracht Widerspruch gegen den
Markeneintrag einzulegen. Hier gilt auch: Wenn Schubert keinen
Einspruch erhebt ist die Marke bald gelöscht. Falls er Einspruch erhebt
kann es wieder bis zu einem Jahr dauern bis die Sache geklärt ist.

Das Gute ist, dass der Neonazi in diesem einen Jahr
vermutlich nicht anfangen wird Hardcore-Versände und Bands zu
verklagen. Das wäre für ihn viel zu heikel. Falls er die Marke am Ende
verliert, verliert er auch alle Prozesse automatisch. Dann bleibt er
auf allen Gerichtskosten sitzen.

Insofern war die ganze Kampagne schon ein kleiner, aber feiner Erfolg.

An dieser Stelle möchten wir uns noch mal bei allen
bedanken, die das Soli-Shirt gekauft haben oder sich anderweitig für
die Kampagne eingesetzt haben.

Trotzdem sind wir auch weiterhin auf Eure
Unterstützung angewiesen. In den kommenden Wochen werden wir eine große
Sticker-, Poster- und Flyer-Aktion zum Thema Nazis und Hardcore
starten. Das kostet alles Geld.

Also checkt unseren Shop: www.volume-clothing.com

Song Kompost

Hand aufs Herz und Ohren zu – der Eurovision Song Contest bringt doch seit Jahren nur mehr einen Einheitsbrei hervor, der prima kompostierbar ist und sich jedes Jahr eines Recyclings erfreut. Dies ist auch nicht weiter schlimm, der Stellenwert des Grand Prix ist ohnehin nur noch bei den östlichen Nachbarn einigermaßen wahrnehmbar. Mediale Aufmerksamkeit wird in hiesigen Breiten doch nur noch mit Eklats und Skandälchen erreicht. Die ganze Schmierenkomödie um den Anti-Putin-Song verdient freilich besondere Beachtung – aus mehreren Gründen.

Wie bereits die Olympischen Spiele in Peking zeigten, sind für das TV aufbereitete Großereignisse in gewissen Ländern dadurch gekennzeichnet, dass die Machthaber jede Art der Meinungsfreiheit einschränken. Offiziell damit es keinerlei Trübung der Erbauung gibt und das Event in sterilst möglicher Atmosphäre über die Bühne geht. Die westliche Welt duldet dies aus hehren Gründen der Völkerverständigung und oft auch, weil der Rubel rollen muss. Dies wird beim Song Contest wohl nicht der Fall sein, aber das Ausmaß politischer Einflussnahme stößt dennoch sauer auf. Provokation hin oder her – eine in ein Wortspielchen gekleidete Kritik darf auch der Maximo Leader Russlands aushalten. Soviel Demokratie kann man einfordern.

Schlimmer hingegen ist die Reaktion der EBU, die in ihren Statuten doch tatsächlich das Verbot jedweder politischen Botschaft im Rahmen des Song Contests verankert hat und Georgien nun ein Ultimatum setzt. Politik als Teil unseres alltäglichen Lebens aus diesem internationalen Wettbewerb auszuklammern, das ist eine Beschneidung der künstlerischen Freiheit. Mir ist schon klar, dass die am Eurovision Song Contest teilnehmenden Komponisten, Musiker und Interpreten wohl nur selten zur Kaste gesellschaftskritiker Liedermacher gehören. Aber die Votingschlacht von Haus aus auf schwülstige Liebesballaden und Eurodance zu beschränken und alles auszublenden, was Ernsthaftigkeit in diese skurrile Veranstaltung bringt, das ist starker Tobak. Das Reglement sieht anscheinend eine Bevormundung des Zuschauers vor. Unterhaltung um jeden Preis, auch gern um den der Zensur. Unter dem Aspekt gerät das Spektakel vollends in Misskredit.

Ob die offensichtliche Provokation des georgischen Beitrags nun gegen jedweden Geschmack versößt, ist sekundär. Die Geschmacksnerven audiophiler Fetischisten werden am Abend der Ausstrahlung sicher etliche Beiträge strapazieren. Dass der Song Contest ohne kritische Zwischentöne über die Bühne gehen soll, streicht hervor, wie wenig die freie Welt zweifelhaften Demokratien Vorbild sein will.

SomeVapourTrails

Wäre die Welt eine Bank

Via Myspace Bulletin von af music kommt dieses Bild:

Foto: Chris Hartmann
Foto: Chris Hartmann

Quelle: ChrisHartmann@flickr

Dazu von mir in schönen Moll-Tönen:

Eurythmics – I Saved The World Today

Passt zur Montags- Laune. Wir retten lieber Autos, Abgase und Gummi. Schaeffler schaeffelt auch bald wieder Millionen und zeigt der Krise zum Trotz, ihre Pelzmäntel als Zeichen der Verbundenheit mit der Arbeiterklasse…

Dank obskurer Abwrack-Prämien und Miliaren-Subventionen heisst es bald wieder HURRA – Jeder Popel fährt nen Opel – dann verschwinden auch die Moll-Töne. Wer braucht schon Natur wenn’s DSDS gibt…

DifferentStars

Hardcore-Genre ist jetzt rechte Marke – Linke Musikszene wird von Neonazis verklagt

Update: Laut Spreeblick, dürfte diesem braunen Spuk bald Einhalt geboten werden. Bereits mehrfach wurde u.a. von Endemol versucht, diesen Begriff zu vereinnahmen – alle scheiterten – so wird auch die Nazi-Attacke bald Geschichte sein. Mehr dazu hier: Spreeblick –

Nazi-Hardcore©®™

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Update2: Das Ganze aus Sicht des Rechtsanwalts Dennis Breuer auf dem Blog markenmagazin:recht : HARDCORE als rechte Marke

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Überheblich, aggressiv und selbstbewusst. So treten die Nazis im Netz und immer häufiger auch im „realen“ Leben auf. Niemand kennt die Gesetze so gut wie die Neonazis – niemand beugt sie so geschickt und nutzt jede Möglichkeit Freiheit und Menschenwürde juristisch gekonnt mit Füßen zu treten.

Seit neuestem werden Mitglieder der Linken Musikszene verklagt, wenn sie den Begriff Hardcore verwenden. Hardcore ist zu einer geschützten Marke geworden, auf die ein Rechter Markenschutz hält. Die ganze Gesichte findet ihr hier bei der Taz.

NPD-BLOG:INFO berichtet:

Wie aus den Angaben des Deutschen Patent- und Markeamts hervorgeht, hat der Rechtsextremist Timo Schubert die Marke eintragen lassen. Allerdings läuft noch eine Widerspruchsfrist dagegen.

Die Marke “Hardcore” würde demnach für folgende Bereiche urheberrechtlich geschützt sein: Banner (Standarten), Baumwollstoffe, Bettzeug (Bettwäsche), Bezüge für Kissen, Drucktücher aus textilem Material, Duschvorhänge aus textilem Material oder aus Kunststofffolie, Fahnen, Wimpel (nicht aus Papier), Etiketten aus Textilstoffen, Heimtextilien, Textilhandtücher, Textilstoffe, Webstoffe (elastisch), Wandbekleidungen aus textilem Material, Anzüge, Babywäsche, Badeanzüge, Badehosen, Bademäntel, Bademützen, Bandanas (Tücher für Bekleidungszwecke), Bekleidung aus Lederimitat, Bekleidungsstücke, Büstenhalter, Damenkleider, Einstecktücher, Fußballschuhe, Geldgürtel (Bekleidung), Gürtel (Bekleidung), Halbstiefel (Stiefeletten), Halstücher, Handschuhe (Bekleidung); Hemd-Höschenkombinationen (Unterbekleidung), Hemdblusen, Hemden, Hosen, Hosenträger, Hüte, Jacken, Jerseykleidung, Kapuzen, Kopfbedeckungen, Lederbekleidung, Leibwäsche, Lätzchen, nicht aus Papier, Morgenmäntel, Mäntel (pelzgefüttert), Mäntel, Mützen, Mützenschirme, Oberbekleidungsstücke, Overalls, Parkas, Pelze (Bekleidung), Pullover, Pyjamas, Regenmäntel, Schals, Schärpen, Schlafanzüge, Schlüpfer, Schuhe, Slips, Socken, Stiefel, Sportschuhe, Strümpfe, Sweater, T-Shirts, Trikots, Trikotkleidung, Unterwäsche, Westen, Wäsche, Überzieher, Materialbearbeitung, Druckarbeiten, Einfassen von Stoffen, Färben von Stoffen und Textilien; Anfertigung und Änderung von Bekleidungsstücken; Aufdrucken von Mustern; Behandlung von Textilien und Webstoffen; Einfassen von Webstoffen; Färben von Textilien; Lasergravuren, Papierbehandlung, Offsetdruckbearbeitung, Sticken[…] Quelle: NPD.BLOG-INFO

Auf Indymedia kann man die vollständigen Daten zur betreffenden Akte/Markeneintragung nachlesen.

Besonders pervers ist die Angelegenheit, da Hardcore als Genre aus der linken Musikszene entstanden ist. Hier ein kleiner Auszug aus Wikipedia:

Hardcore entstand gegen Ende der 1970er Jahre, als eine neue Generation von Jugendlichen Zugang zur Punk-Musik fand, die nicht wie die Vertreter des 77er Punk Rocks mit dem Garage- und Glamrock der 1960er und 1970er Jahre aufgewachsen waren, sondern mit Punk Rock und diese Musikform geschwindigkeitstechnisch und textlich radikalisierten.

Das heute vorherrschende klassische Bild eines Punks mit Irokesenschnitt oder „Liberty Spikes“ wurde erst in der Ära des Hardcore-Punks geprägt. In den USA sowie Kanada gelten vor allem drei Bands, die Bad Brains, Black Flag und Minor Threat als Initiatoren des „American Hardcore“. In Großbritannien wurde der „UK Hardcore“ oder „UK82“ hingegen von Bands wie Discharge, GBH und the Exploited geprägt. Obgleich beide Szenen sich gegenseitig beeinflussten (u.a. durch Touren von GBH und Discharge in den USA oder von den Dead Kennedys und Black Flag in Großbritannien), unterschieden sich beide Hardcore Szenen äußerlich und inhaltlich dennoch recht stark. Neben den USA und Großbritannien breitete sich der Hardcore-Punk Anfang der 80er Jahre jedoch auch in andere Länder, wie Japan, Australien und in Lateinamerikanischen Länder (vor allem Brasilien) aus. Auf dem europäischen Festland entstand ein eigener „Euro-Hardcore“ vor allem in Deutschland und Skandinavien, aber auch in Italien. Als frühe deutsche Vertreter des Hardcore-Punks gelten unter anderem die The Buttocks, OHL, Toxoplasma oder Chaos Z. […]

Hardcore in Deutschland

Anfangs war Hardcore in Deutschland die Bezeichnung für härteren Punk. Gruppen wie The Buttocks, Neurotic Arseholes, OHL, Toxoplasma, teilweise auch Slime ließen sich von frühen britischen und amerikanischen Hardcore-Bands wie Discharge, Dead Kennedys und Black Flag zu einem schnelleren, härteren Stil beeinflussen. Später folgten ihnen Gruppen wie Vorkriegsjugend oder die Spermbirds. Die erste, auch außerhalb der deutschen Szene, bekannt gewordene Band war Inferno. Sie hatten als erste auch Stücke, die auf ausländischen Samplern erschienen.

Ab Mitte der 1980er trennte sich ein Teil der deutschen Hardcore-Szene explizit von der Punk-Subkultur ab und etablierte deutschen Hardcore als vom klassischen Punk Rock unabhängige Gegenkultur, teilweise unter Berufung auf die amerikanische New-School-Szene und den Straight-Edge-Gedanken. Als Sprachrohre der deutschsprachigen Hardcore-Szene konnten sich lange Zeit die Fanzines ZAP und Trust etablieren.

Teilweise wurde der Begriff Hardcore auch für Punkbands ohne die bei den ursprünglichen Bands üblichen Rock-’n’-Roll-Elemente genutzt, die heutzutage nicht mehr unter diese Bezeichnung fallen würden oder heutzutage meist als Deutschpunk bezeichnet werden. So heißt es auf der Rückseite der Wiederveröffentlichung des „H’Artcore“-Samplers:

„Der etwas seltsame Titel ergibt sich aus dem Namen des damaligen Labels H´Art und dem 1981 noch neuen Begriff Hardcore, welcher in jener Zeit für härteren, schnelleren Punk wie hier auf dem Sampler stand (den Ausdruck Deutschpunk gab es noch nicht). Tja, so war das damals…“ […]

Quelle: Wikipedia

DifferentStars

Weiterer Lesetipp zum Thema Rechtemusikszene im Netz:

Last.fm: Brauner Musikantenstadl

Werben für die gute Sache?…oder: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Laut gegen Nazis – auch ich habe diese Verein in meine Myspace-Freundesliste aufgenommen. Um ein Zeichen zu setzten. Wobei ich auf Last.Fm immer sehr erstaunt war, wieviele User sich dort in den Anti-Nazi-Gruppen tummeln und wie wenige sich trauen ihren Mund aufzumachen. SomeVapourTrails und ich haben uns eine Zeitlang aufgerieben in Diskussion mit dem Last.Fm-Staff und anderen Usern ob der inakzeptablen Toleranz der Last.Fm-Geschäftsführung gegenüber den Nazis, die sich dort frei ausleben dürfen.

Aber nun zurück zur aktuellen Aktion von Laut gegen Nazis. Die Grundidee ist gut.  Im Kontrast zu den bei der Fußball-WM viel diskutierten NO-Go-Areas, sollen jetzt bewußt GO-Areas markiert werden.

Hier ein Auszug aus dem Myspace-Bulletin:

Zusammen mit Gastronomie- und Hotelbetrieben aller Art möchten wir nun ein Zeichen für Toleranz und Demokratie, gegen Rassismus und Antisemitismus setzen. Neben Informationen zum Umgang mit auftretender rechter Gewalt bzw. rechtsextremen Äußerungen im eigenen Hause, bekommen die teilnehmenden Gastronomen einen Aufkleber, der an die Fensterscheibe/Tür geklebt werden kann. Dieser Aufkleber symbolisiert zugleich die Teilnahme an der Gastronomie „GO Area“ Aktion, sowie die tolerante und demokratische Einstellung, die der Betrieb damit öffentlich macht und zeigt, dass Gastfreundschaft und Zivilcourage eine Selbstverständlichkeit sein sollten.

Des Weiteren erhält jeder Teilnehmer eine Präsenz auf unseren zwei Internetseiten www. lautgegennazis. de und www. myspace. com/gastronomiegoarea.
Im Sommer ist außerdem die Produktion eines Reiseführers geplant, der alle teilnehmenden Betriebe beinhaltet und in den Tourismuszentralen bundesweit ausgelegt werden soll.

Die Teilnahme kostet von 50,- € bis zu 150,- € – je nach Betriebsart.

5,- € davon gehen jeweils an den Laut gegen Nazis e.V. und an die Amadeu Antonio Stiftung.

[….]

Du kannst uns helfen, indem Du in Deiner Stadt Gastronomie- und Hotelbetriebe über die bundesweite Gastronomie „GO Area“ Aktion informierst.

[…]

Für jeden Gastronomen, der nach Deiner Information teilnimmt, bekommst Du jeweils 5,- € von den 50,- € als Provision.

Meine Kritikpunkte:

1. Die Betriebe zahlen zwischen 50 und 150 Euro, je 5 Euro davon gehen an Laut Gegen Nazis, die Amadeu Antonio Stiftung und den Werbenden. Bleiben zwischen 35 bis 135, die in die Produktion des Reiseführers fließen – klingt ein bisschen nach einem als guter Zweck getarnten, gewerblichen Projekt.

2. Wir leben hier am Rande von Klein-Istanbul, solche Angebote würden bei uns besuchten Locations zu Recht mit Gelächter bedacht – fremd sind hier nur die, die noch nach arisch Reinem suchen.

3. Gerade in den Gegenden, in denen GO-Areas nötig sind, wird allein die Teilnahmsprämie eine Hürde sein.

4. Wenn ich von einer Aktion überzeugt bin, will ich nicht als Werbender bezahlt werden. Alles andere ist zynisch.

Was haltet ihr davon?

DifferentStars

Was fehlt!

Der Ausbruch aus dem Coocooning – die Wut im Bauch. Zumindest wenn man nicht unbedingt auf Death-Metal, Punk oder Gansta-Rap steht. Die Alben 2008 – einige sehr gute waren ja dabei – stehen alle irgendwie im Zeichen der emotionalen Nabelschau. Oder aber die Flucht in Sphären jenseits irdischer Konflikte.

Zusammenfassend könnte man sagen: Kapitulation – aber dieses musikalische Statement ist auch schon nicht mehr ganz neu.  Wir sind ratlos  und machen trotzdem weiter irgendwie.

Tocotronic – Kapitulation

Der Kapitalismus ist am Ende – abgemildert gibt’s inzwischen sogar die CDU zu. Spricht noch von Turbo-Kapitalismus – wobei dies ein Euphemismus ist. Alle anderen Ideologien des 20 Jahrhunderts scheiterten schon zuvor.

Was bleibt? So in etwa zwei Varianten: Die Flucht ins Private oder der nihilistische drogengeschwängerte Partyrausch, bis man eben umfällt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Amy Winehouse und Pete Doherty großartige Musiker sind – oder waren. Jetzt schauen wir ihnen seit geraumer Zeit beim öffentlichen Sterben zu – und warten…irgendwas wird passierten. Der verfrühte Tod ist wahrscheinlicher als ein weiteres geniales Album…

Eines der letzten Tabus das im Medien- und Musikbusiness selten angerührt wird. Ein großer Teil der Akteure vor und hinter den Kameras ist längst angekommen im Prekariat. Die Türen sangen mal kurz drüber.  Arte & Co liebtens sehr. Sonst hält man sich zurück. Singen über das, was wirklich weh tut, wird tunlichst vermieden. Oder – noch schlimmer: Wir sind trotzdem glücklich. Viktoriapark beschenkt uns via Tonspion mit Frohe Weihnachten, Armut.
Für einen kurzen Moment war ich auch dankbar – für diesen Titel – für den kostenlosen Download. Ganz gehört ist auch dieses Lied ein beklemmender Ausdrucks des Fehlens. Trotzdem Gute Laune zu haben ist eben auch keine Lösung.

Zu stolz und zu ängstlich sehnen sich  alle nach dem Tag mit Schutzumschlag. Geben wir uns also noch mal unserer kulturbürgerlichen Sehnsucht hin und warten ab, ob jemand anders für uns die Revolution ausruft und wir endlich wissen wie und aus welchem Traum wir endlich aufwachen – sollen und können.

Bela B. – Tag mit Schutzumschlag

DifferentStars