Lauschrausch XXXVIII: WALL

Bereits letztes Jahr hatte ich auf die in London ansässige Singer-Songwriterin WALL hingewiesen. Es ist dringend an der Zeit, die damalige Empfehlung mit neuem Material zu untermauern. Lyla Foy, unter dem Namen WALL wirkend, hat sich dem zarten Pflänzchen der Liebe verschrieben und lässt die Gefühle meist in fragilen Sehnsüchten und Enttäuschungen münden. Sie vermeidet das große Drama, verzichtet auf ein Happy-End, zugleich bibbert und wispert sie, dass die Gänsehaut nur so durch die Boxen scheuert. Von der im Frühjahr veröffentlichten EP Shoestring sticht sofort der delikate Track Left To Wonder ins Ohr. Wie WALL den Pop-Refrain „Don’t go back til you’re ready to/ To remember/ There’s a crack and you’re leaving me/ Left to wonder“ voll zärtlicher Eindringlichkeit intoniert, lässt tatsächlich bittersüße Empfindungen gleich Sterne kullern. Dezent freilich, ohne Pathos glimmen sie auf den Hörer herab. Die ganze EP ist von dieser Qualität, spinnt den musikalischen Faden fein. Auch die Songs All Alone oder Place Too Low gestalten sich subtil, verträumt-melancholisch, immer das entscheidende Quäntchen von Zaghaftigkeit entfernt. WALLs Gesang eignet sich fraglos für einen intensitätsschwangeren Lauschrausch. Man höre – und staune! (Left To Wonder ist via Bandcamp als kostenloser Download verfügbar. All Alone ist im unterhalb befindlichen Widget ebenfalls gratis erhältlich.)

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Unsere 10 Newcomer des Jahres 2012

Wir machen weiter mit unserer Rückschau auf das abgelaufene Musikjahr. Nun wollen wir einen Blick auf Newcomer werden, die uns doch ein wenig beeindruckt haben. Nun ist der Begriff Newcomer ohnehin ein schwammiger. Der Duden definiert den Newcomer so: „Jemand, der in einer Branche, einem Geschäft o. Ä. neu ist, noch nicht viel Erfahrung [aber schon einen gewissen Erfolg] hat“. Der kritische Punkt in jener Beschreibung liegt eindeutig beim gewissen Erfolg. Gerade im Indie-Bereich ist Erfolg ein herrlich unscharfer Begriff. Hat man schon den Durchbruch erzielt, wenn man über 1000 Likes auf Facebook erlangen konnte? Oder wenn eine Band bei einem Konzert nicht bloß in bestens bekannte Gesicher in den Zuschauerreihen blickt, darf man dann schon von einer Karriere sprechen? Angesichts dieses Dilemmas haben wir einfach Acts aufgelistet, die uns 2012 über den Weg liefen und denen wir für ihre musikalische Zukunft viel Glück wünschen. Denn Erfolg ist letztlich Glücksache – und keine Frage des Talents.

Beste Newcomer

1. WALL (Großbritannien)

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Stippvisite 09/12/12 (Dem Wetter die bemützte Stirn geboten!)

Habe einfach mal die Schneeschuhe hervorgeholt, dem Wetter die bemützte Stirn geboten und bin trotz Flockenfalls durch die Weiten des Internets gestapft, um das eine oder andere feine Liedchen zu finden. Hier nun die Ausbeute…

Songtipp:

Im Hinterkopf bastle ich ja bereits wie jeder Musikblogger an der Jahresbestenliste für diesen Blog. Man ergeht sich in Reminiszenzen, entsinnt sich all der feinen Tracks, die man im Lauf des Jahres so erlauschen durfte, hantiert an den Stapeln mit ungehörten CDs, um auch noch die letzte Rosine herauszupicken. Und dann stolpert ganz unvermutet beim Durchwühlen von Blogs und Musikmagzinen über den einen oder anderen Song. Nicht etwa bei der kritischen Beäugung diverser Bestenlisten, vielmehr sind es schlichte Posts, die das Potential zu plötzlichem Enthusiasmus bergen. Von diesem wurde ich übermannt, als ich To the Bugs On My Ceiling erstmals lauschte. Edmund Wayne nennt sich das Projekt von Mastermind Curt Krause, benannt hat er es nach den Namen seiner Großväter. Edmund Wayne steht für Alternative Folk der schwelgerischen, sehnsüchtigen Sorte. Was aus dem Nordwesten der USA ans Ohr dringt, ist eines der intensivsten Lieder dieses Jahres 2012. Die selbstbetitelte Debüt-EP ist im August dieses Jahres erschienen – und in ihrer Gesamtheit nur mit andächtigem Staunen zu hören. Gefunden habe ich diesen Schatz auf The KEXP Blog, wo es den Song auch als kostenlosen Download gibt.

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