Initiative gegen Lizenzgebühren für Embedded Content

Die österreichische AKM und ihr deutsches Pendant GEMA wünschen sich eine Vergütung für urheberrechtlich geschützte Inhalte, die auf Webseiten eingebettet werden. Dies haben sie im Zuge von Konsultation zum EU-Urheberrecht geäußert. Sollten AKM und GEMA mit dieser Forderung auf offene Ohren stoßen, dieser Wunsch von der EU-Kommission im Rahmen der Modernisierung und Harmonisierung des europäischen Urheberrechts berücksichtigt werden, hätte das gravierende Auswirkungen. Für jeden auf Musikblogs oder Musikmagazinen eingebetteten YouTube-Clip oder SoundCloud-Stream würden Lizenzgebühren anfallen. Da die Mehrheit der Blogs und kleinen Magazine keine kommerziellen Interessen verfolgt, etwaige Werbeeinnahmen oft nur zum Bestreiten von Server-Kosten verwendet, würden Lizenzgebühren das Bloggen zu einer kostspieligen Angelegenheit machen.

Die Konsequenzen wären auch für den normalen Internet-NutzerInnen spürbar. Für viele BloggerInnen wäre diese Angelegenheit der finale Paukenschlag, der ihnen ihr Hobby endgültig vergällt. Bis auf Online-Angebote finanzkräftiger Verlage und Medienhäuser könnte sich wohl kaum jemand Lizenzgebühren leisten. Die Anzahl der Informationsquellen für Musik wäre wieder auf Internet-Vorzeit zusammengestaucht. Denn natürlich würden BloggerInnen hoffnungslos ins Hintertreffen geraten, wenn ihnen die Möglichkeit des Einbindens von Clips und Streams genommen würde. Sie wären in der Steinzeit des Internets angekommen, während den wenigen großen Magazine alle Optionen des digitalen Zeitalter zur Verfügung stünden. Denn es wäre für BloggerInnen schlichtweg nicht praktikabel, in jedem Einzelfall zu recherchieren, ob MusikerInnen in ihrer Eigenschaft als KomponistInnen oder TexterInnen etwa von der GEMA vertreten werden. Jeder vermeintlich verwendbare Clip könnte zu einer Abmahnung führen, selbst wenn ein GEMA-Mitglied wie Lieschen Müller auch nur eine einzige Textzeile dazubeigetragen hat.

Eine somit abhandengekommene Vielfalt hätte aber auch Konsequenzen für MusikerInnen. Wo bislang vom einarmigen, guatemaltekischen Countertenor bis hin zur kasachischen Backpfeifen-Punkband jede Spielart von Musik ihre Würdigung fand, täten sich unbekanntere Acts und kleinere Label mit der Wahrnehmung deutlich schwerer. All die Veröffentlichungen würden in ihrer Fülle nicht länger abgebildet werden.

Aus all den angeführten Gründen wären Lizenzgebühren für eingebettete Inhalte letztlich ein Pyrrhussieg für GEMA und AKM. Als BloggerInnen, denen Musik am Herzen liegt, sprechen wir uns daher gegen den Vorstoß der Musikverwertungsgesellschaften aus. Wir ersuchen MusikerInnen, die VertreterInnen von Plattenfirmen und Promotionfirmen um Unterstützung. Das kann man beispielsweise dadurch tun, indem man diese Petition auf Change.org unterschreibt. Wir würden uns darüber hinaus freuen, wenn unser Anliegen weiterverbreitet wird. Es geht uns wohlgemerkt nicht um die Abschaffung von GEMA und AKM. Lizenzgebühren für Embedded Content sind jedoch eine Schnapsidee, die wir entschieden zurückweisen!

SomeVapourTrails & DifferentStars

Die Penetration von Paid Content – Ein Ausblick

Viel Tinte wurde in den letzten Wochen über die Pläne eines Rupert Murdoch verloren und manch Schreiberling mag sie als Altherrenfantasien behandeln, doch eigentlich wirft das Gemunkle wegweisende Fragen auf, die man eben nicht auf die Raffgier eines Medienmoguls reduzieren darf. Murdochs Wunsch nach Exklusivität seiner Inhalte und die damit verbundene Kampfansage an Google, welches diesen Content bislang listete, birgt mehr als lediglich Theaterdonner. Und die Spekulationen, wonach das freie Streaming auf MySpace bald einem kostenpflichtigen Modell weichen könne, stellen nicht einfach den Abgesang auf eine aus der Mode gekommene Community dar. Die Grundsätzlichkeit des angedachten Paradigmenwechsels könnte ein ernsthaftes Signal für Veränderungen bedeuten, das Medium Internet aus seiner Pubertät führen. Mit all den damit verbundenen Chancen und Risken.

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Quelle: Wikimedia Common CC-Sharealike 3.0 (User: Svilen.milev)

Die Freiheit des Webs ist im Denken der Nutzer fest verankert. Dazu gehören ohne Hürden verfügbare Informationen ebenso wie Social Communities, für die eine valide E-Mail-Adresse als Eintrittskarte ausreicht. Eine Kultur für das Bezahlen von Inhalten existiert nur vereinzelt, lediglich der Erwerb von Werken in Form von Downloads wird akzeptiert. Deshalb frohlockt Apple über iTunes, während Google trotz der enormen Popularität von YouTube sehr wohl weiß, warum man das Portal werbefinanziert und nicht um ein Abo-Modell für Streaming erweitert. Lediglich im Spielesektor, der von den hier ausgeführten Überlegungen ausgeklammert sein soll, können Teilnahmegebühren Unternehmen tatsächlich hohe Gewinne bescheren. Die Masse der Internet-Nutzer will vorerst bestenfalls für den Kauf und den dadurch resultierenden Möglichkeiten eines Transfers auf andere Datenträger (iPod) die Kreditkarte zücken. Der reine Konsum von Content funktioniert meist nur in Nischen, wie der Erotik-Branche. Wie also soll die Umpolung von Otto Normalverbraucher gelingen? Weshalb sollten Menschen freiwillig von einer Gratis-Mentalität Abschied nehmen?

Die simple und durchaus erheiternde Antwort auf diese Crux, die besonders die Online-Ableger von Zeitschriften und Zeitungen betrifft: Aus Qualitätsgründen. Doch gerade im Nachrichtensegment wurde in den letzten Jahren alles in eine Klickstrecke gebannt, was nicht bei 3 auf den Bäumen war. Dadurch vermehrte sich zwar die Anzahl der Page-Views gleich Karnickeln, was wiederum die werbende Industrie beeindrucken sollte, jedoch nicht unbedingt journalistische Höchstleistungen zeitigte. Und eben die schmuddelige Aufmachung, die nicht nur dem Boulevard vorbehalten bleibt, erschwert nun den Übergang zu einem Bezahlmodus.

Murdoch irrt nicht, wenn er meint, dass Google durch das bloße Listen von Nachrichten im eigenen News-Portal kräftig am Werbekuchen nascht. Doch die Rote Karte für Google, indem man diese Auflistung unterbindet, mag zwar Exklusivität bescheren – aber auch weniger Traffic. Denn man sollte nicht müde werden, das Mantra zu wiederholen, wonach alles mit Google steht und fällt. Solange das angeblich so freie Netz von Google dominiert scheint, Informationen gefiltert werden und der Durchschnittsnutzer gutgläubig bis gedankenlos einem Quasi-Monopolisten seine Surf-Erfahrung anvertraut, solange wird es zu keinen gravierenden Änderungen im Dschungel kostenlosen Konsums kommen – sofern Google dies nicht will.

Paid Content weckt bei vielen Zeitgenossen garstige Assoziationen: Leere Brieftaschen oder überhöhte Kreditkartenrechnungen. Doch er beinhaltete auch Verlockungen, denen auch Hardcore-Verfechter eines Nulltarif-Webs früher oder wahrscheinlich später erliegen dürften. Denken wir an eine damit verbundene Lossagung von werbeverseuchten Internet-Seiten. Wer heutzutage ohne Werbe-Blocker durch das Netz wandelt, wird von Bannern heimgesucht, die allesamt das markanteste Merkmal von Marketing aufweisen – Penetranz. Im Zeitalter des Kapitalismus gilt die simple Maxime: Wer zahlt, schafft an. Oder in diesem Falle: Schafft ab! Die Macht des Konsumenten steigt, wenn er den Finanzier verkörpert und nicht länger lästiges Übel ist, dass es braucht, um mehr oder minder lukrative Werbeeinnahmen zu generieren. Ein weiterer Aspekt gebührenfinanzierter Inhalte läge in einem verstärkten Wettbewerb der Anbieter, der auch die Aufbereitung von Inhalten revolutionieren dürfte. Paid Content könnte tatsächlich zu verstärkter Investition in die Qualität von Inhalten führen – sofern dies der Kunde wünscht.

Doch bewegen wir uns nun einmal von den Möglichkeiten einer Transition des Prints in eine Online-Welt der Bezahlung weg. Welches Schicksal wird MySpace ereilen? Gerade hier hat die Pionierarbeit zahlloser Filesharing-Klagen bereits in manch Hirnen ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Musik etwas kosten darf. Und wenngleich die Uneinigkeit der Branchen-Player derzeit noch neue Konzepte erlahmen lässt, so sind diese doch schon längst als Schrift an der Wand. Die Flatrate zu unbegrenztem Streaming definiert die Zukunft. Einige wenige Anbieter werden solche Abonnements offerieren und damit die gegenwärtige Kaufpraxis ablösen. Mit der zunehmenden Etablierung mobilen Internets wird der Transfer von Musik von Computer auf Mp3-Player überflüssig, gerät der Stream zur bequemen Variante. Bisherige Etablierungsabsichten solcher Dienste scheiterten noch an mangelnder Benutzerfreundlichkeit und einem eingeschränkten Sortiment.

Es darf bezweifelt werden, ob MySpace sich als eines dieser Portale zu behaupten vermag. Dazu benötigt Murdoch das handfeste wirtschaftliche Interesse sowie ein uneingeschränktes Vertrauen der Labels. Ob es lediglich ausreicht, imeem und Konsorten aufzukaufen, darf zumindest hinterfragt werden. Mit solch Panikübernahmen verleibt sich der werte Medienzar nach iLike zwar einen weiteren arrivierten Service ein, aber dies garantiert noch keinen Erfolg. Sobald Sony, Warner und Co. an einem gemeinsamen Strang ziehen und ihr eigenes Ding drechseln, werden all die Musikdienste Murdochs auf eine harte Probe gestellt werden. Eher schon kehrt MySpace zu einer Grundkompetenz zurück, der des Social Networks zurück, dass als Gesamtpaket Entertainment und Online-Kommunikation bündelt. Das verstärkte Hauptaugenmerk auf Musik, wie es vor allem aufstrebende Musiker und Band legen, wird zurechtgestutzt werden – vor allem wenn ein etwaiges Abo-Modell mit Pauken und Trompeten bei der Zielgruppe durchfällt. Newcomer könnten sich dadurch zum Weiterziehen veranlasst sehen, auf alternativen Plattformen ihr Potential in die Auslage stellen. Die Tage von MySpace in seiner derzeitigen Form sind gezählt, ob Murdoch das Steuer herumreißen vermag, hängt von den Allianzen ab, welche er zu schmieden noch imstande ist.

Resümieren wir kurz. Paid Content wird in einzelnen Bereichen – vor allem audio-visueller Natur – das Internet erfolgreich penetrieren, viel dominanter als derzeit. Streaming erlangt verstärkte Bedeutung als Einnahmequelle für Unternehmen, wenn selbige Benutzerfreundlichkeit und einen Mehrwert gegenüber werbefinanzierten Modellen präsentieren. Manch Sparten hingegen, die derzeit lauthals Bezahlinhalte als Lösung proklamieren, werden bald erkennen müssen, dass ein Pakt mit ihrem Teufel, Google, die vernünftigere Variante darstellt. Besonders wenn die eigene Unzulänglichkeit Paid Content zu einem Strohhalm werden lässt, an welchem man sich aus purer Ratlosigkeit klammert.

Link:

Deutschlandradio: Breitband-Beitrag über Paid Content

SomeVapourTrails

Social Media Monitoring für musizierende Dummies

Nein, meine Lieben, hier geht es nicht über böse Gerüchte, die in die Welt gestreut wurden… oder vielleicht ein klitzekleines Bisschen? Der neudeutsche Fachausdruck für „Wer sagt Was über Mich?“ nennt sich Social Media Monitoring. Nicht nur große Firmen, auch jeder kreativ arbeitende Mensch möchte natürlich wissen, wie das künstlerische Schaffen im Netz so ankommt. Im Bereich Musik poppen im Moment immer mehr Firmen auf, die ihre Dienste anbieten, Analysen, Reputationsmanagement und so tolle Wunderdinge versprechen. Dass diese sich ihre Tätigkeit natürlich teuer bezahlen lassen, ist auch klar. Müssen Musiker und Konsorten, die nicht die Kohle haben, um sich dieser teuren Auskunftsdienste zu bedienen, jetzt für immer und ewig im Dunklen bleiben, den Erfolg allein an den Plays auf Last.fm und YouTube messen… oder noch schlimmer, der Freundeszahl auf MySpace?

Nein – müssen sie nicht. Es gibt ein paar sehr hilfreiche Online-Dienste, die vollkommen kostenlos das Web durchforsten:

Starten wir mit dem Gianten Google. Eigentlich ist die Erwähnung hier so was wie stating the obvious – gerade Bands sind jedoch bisweilen so kreativ, dass sie die Schulstunde des  kleinen Internet-ABCs  schwänzen mussten, um auf höchstem Level zu musizieren… 😉 Irgendwie so erklärt es sich, dass unprofessionelle Musikliebhaber mehr über ID3-Tags wissen als professionelle Musiker… warum dies dann auch noch für Social Media Monitoring wichtig ist… dazu später.

SocialMediaMonitoring

Google

Besonders die Google Blogsuche und die Google Alerts sind schon die halbe Miete. Bei der Blogsuche kann gezielt mit Stichworten wie  Künstlernamen, Single oder Album-Titel gesucht und gefunden werden. Die Suche kann auf deutsche Ergebnisse eingegrenzt, oder international gestartet werden. Google Alerts kann individuell programmiert werden und sendet einem bei jeder neuen Meldung zum angegebenen Thema (den Schlagworten) eine E-Mail ins Postfach.

socialmention

Wie der Namen schon sagt, socialmention sucht nach Erwähnungen auf:

100+ social media properties directly including: Twitter, Facebook, FriendFeed, YouTube, Digg, Google etc.

Hier kann ein Rundumblick generiert oder gezielt gesucht werden nach: Blogs, Microblogs, Networks (Netzwerke), Bookmarks (Lesezeichen), Comments (Kommentare), Events (Veranstaltungen), Images (Bilder/Fotos), News (Neuigkeiten), Videos, Audio, und Questions/ Q&A (Fragen). Auch dieser Service bietet einen E-Mail-Alert.

Zusätzlich bietet socialmention noch eine Mini-Analyse:

strength
Bei strength (Stärke) geht es um die Wahrscheinlichkeit, mit der die Marke (Künstler, Kunstprojekt, etc.) auf den Social Media Seiten diskutiert wird. Hierzu werden die Erwähnungen der vergangenen 24 Stunden durch die insgesamt möglichen geteilt.

sentiment
Sentiment (Gefühl/Empfindung) ist das von Verhältnis von positiven Äußerungen zu Kritik.

passion
Passion (Leidenschaft): Die Berechnung der Wahrscheinlichkeit, ob einzelne Personen wiederholt über die Marke reden werden. Gibt es zum Beispiel eine festen Fankreis, der sich wiederholt im Web äußert, ist die Passion hoch. Wenn jeder Beitrag von einer anderen Person geschrieben wurde, ist die Punktzahl niedriger.

reach
Reach (Reichweite) – ist die Messung des Einflussbereichs. Hier wird die Zahl der Autoren der Beiträge durch die Zahl der Beiträge insgesamt geteilt. Je mehr unterschiedliche Autoren bereits über einen Künstler geschrieben haben, desto größer ist der Einflussbereich, den dieser/diese schon erreicht hat. Ein überaktiver Fan allein ist folglich noch keine Zeichen für eine große Fangemeinde.

Sicher darf man solche Tools nicht überbewerten, aber sie geben schon mal eine Eindruck, ob die Vermarktung im Web Erfolge zeigt und in welche Richtung sie gehen. Für mich war interessant zu sehen, dass wir doch so einige Male bei  Friendfeed auftauchen.  In unserem Lie In The Sound-Statistiken tauchen nur die Onsite-Views auf, wer uns wie in welchem  Feedreader liest und wie viel Leser wir insgesamt haben, lässt sich mehr schätzen. (Und ja… danke für den Tipp… das mit Feedburner hab ich verpeilt).

SearchMerge

Mit SearchMerge kann man folgende Dienste durchsuchen:
FriendFeed, Last.fm, Google, Flickr, Technorati, Twitter, YouTube, Vimeo

Addict-o-matic

Addict-o-matic bietet eine schöne Übersichtsseite mit „the latest buzz on any subject“. Es werden diverse Blogportale, Suchmaschinen und die üblichen Verdächtigen wie Flickr, Twitter, YouTube & Co durchsucht. Ich nutze die Seite hin und wieder, um mir einen Überblick über die Meldungen zu meinen Lieblingsbands zu verschaffen.

BackType

BackType verfolgt die Kommentare zu Blogs etc. Gerade für die Rockstars von morgen nicht unwichtig, was Fans und Kritiker so in ihren Comments zum Besten geben 😉 Auch sonst sind häufig, so meine Erfahrung, die Konversationen in den Kommentaren zu Blogbeiträgen oft noch interessanter als der Blogbeitrag an sich.

Scrobbels, ID3-Tags – Erfolg sichtbar machen!

Damit Erfolg auch sichtbar wird, sind einige Grundvoraussetzungen nötig. Eine der wichtigsten für Musiker wird fast immer vergessen: Das richtige Beschriften von Mp3s. Man höre und staune, Mp3-Dateien bieten nicht nur Platz für die Musik, sondern können sogar Angaben zu Interpret, Songtitel, Albumtitel (und mehr ) beinhalten. Mehr dazu: Wikipedia ID3-Tag.

Bei mehr als 70% der bisher legal von mir runter geladenen Mp3s, die es zu Promozwecken gratis gab, waren diese Angaben entweder unvollständig oder fehlten ganz. Dies ist zu einem schlecht, da der Internetnutzer schnell vergisst, wo genau er sich die Mp3 gedownloadet hat und um welche Band es sich handelt. Er kann also die Musik genießen, wird aber nie ein Album von eben jenem Künstler kaufen, da er in vielen Fällen bei unbekannteren Bands nicht mehr weiß, wer es ist.

Auch für die Erfolgsmessung und Prestige im Internet ist das Fehlen von ID3-Tags fatal. Viele Musik-Communities wie Last.fm und iLike bieten ihren Usern die Möglichkeit, ihr Hörverhalten zu protokollieren und personalisierte Charts zu erstellen. Zusätzlich werden Küntlerseiten generiert, auf denen verzeichnet ist, wie viele Hörer + Songplays dieser/diese hat. Entsprechenden Programme wie der Last.fm-Scrobbler sind hierzu auf die Meta-Daten der ID3-Tags angewiesen. Fehlen diese, taucht der Song eben nicht in den Charts/Statistiken auf. (Der Erfolg bleibt also unsichtbar).

Weiterer Nachteil: Last.fm berechnet anhand des Hörverhaltens aller Nutzer  für jeden Track und Artist ähnliche Künstler + Songs und empfiehlt diese mittels verschiedener Radio-Funktionen weiter. Wird ein Song von Last.fm-Usern gehört, jedoch nicht protokolliert, wird er auch nicht Teil des automatischen Weiterempfehlens, verschenkt so die kostenlose Möglichkeit, neue Hörer zu gewinnen.

Es sind übrigens nicht nur Indie-Musiker, die ihre Mp3s nicht richtig beschriften können. Dieses Handicap zieht sich quer durch alle Genres und Erfolgsebenen. Auch Labels und Promofirmen jeglichen Coleurs verweigern sich dem dreiminütigen Aufwand. Es ist auch keine Wunder-High-Tech-Software notwendig, alle Mediaplayer (iTunes, Winamp & Co) verfügen über solch eine Funktion. In der Regel nennt sich diese „Dateiinfo anzeigen/ bearbeiten“.

Noch mehr Social Media Monitoring Dienste findet ihr hier:

Essentielle Social Media Monitoring Tools für Unternehmen

Und hier (mit PDF-Download):

Erfolgskontrolle im Social Web Artikel in der Internet World Business

Und wenn man dann was findet, was man nun wirklich nicht online über sich lesen/sehen/hören möchte: Hier die Tipps von Google zum Thema Reputationsmanagment

DifferentStars

Wollt Ihr das totale Filesharing? (Teil 4)

Der Diplom-Medienberater und Medienjournalist Robin Meyer-Lucht hat dieser Tage unter dem hochtrabenden Titel Kostenlos-Kultur ≠ Urheberrechtsverletzung: 10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten eine Bestandsaufnahme der Problemfelder  der gegenwärtigen Copyright-Debatte geliefert. Zusammenfassend kann man seine Kritik auf einige, nicht eben markerschütternd neue Ansatzpunkte reduzieren. Meyer-Lucht konstatiert den über Jahrzehnte erfolgreichen Marktführern im Bereich Print und Musik, dass sie auf das neue Medium Internet falsch reagieren und etwaige Chance nicht ergreifen. Den Versuch, die bis zur Etablierung des Internets funktionierenden Geschäftsmodelle auch im Internet 1:1 anzuwenden, nennt er Adaptionsverweigerung. Er unterstellt den medialen Platzhirschen Ignoranz hinsichtlich des digitalen Quantensprungs, pocht darauf, dass das die vor Verbreitung des World Wide Web existierende Medien- und Wissensordnung keinesfalls perfekt gewesen sein kann, weil sie sonst auch im Internet funktioniert hätte. Meyer-Lucht sieht in dem sturen Erinnern an frühere, goldene Zeiten einen normativ-autoritären Impuls, der den Willen der Nutzer ignoriert. Verlagen, Zeitungswesen und der Musikindustrie rät er zu werbefinanzierten Erlösstrategien. Unwiderstehliche Benutzerfreundlichkeit würde auch legale Angebote über Piratenbuchten siegen lassen. Das Urheberrecht hält Meyer-Lucht keineswegs für überholt, mahnt das Entscheidungsrecht der Produzenten ein, wann und zu welchem Preis ihr Werk das Licht der Welt erblicken soll. Insgesamt prophezeit er einen Trend zur teilkommerziellen Produktion von Inhalten im Medium Internet.

Ich bin ja ein Fan von Experten, die mit einem geschärften Blick für das große Ganze gesegnet sind und jene Weisheit auch unter das Volk bringen. Nichtsdestotrotz stelle ich Einsprüche gegen oben genannte Ausführungen, wenn es um den Bereich Musik geht. Doch wagen wir zunächst einen klitzekleinen Rückblick auf bisherige Ereignisse. Es begann alles mit dem durchaus legitimen Versuch auf funktionierenden Verkaufsmodellen zu beharren. Genau dies tat die Musikbranche in den 90ern, wohl vor allem deshalb da die rasante Entwicklung des Internets eine durchdachte, kalkulierbare Strategie erschwerte. Ab Napster befand sie sich dann in der Defensive, durfte lediglich reagieren und machte das, was jedermann tut, wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt: Hysterisch um sich schlagen. Die geballte Macht von Millionen Konsumenten stürzte sich auf die interessanten Facetten des Filesharings, empfand den Tauschhandel als Bereicherung und verfiel in oftmals gutem Glauben der Idee, dass zumindest die Tauschpartner auch weiterhin Tonträger erstehen würden. Alles sollte weiterlaufen wie bisher, nur man selbst würde halt die eine oder andere CD weniger kaufen. So dachten Millionen und der Umsatz brach ein. In der Folge wurde das digitale Copyright ausjudiziert und RIAA und Konsorten schossen sich auf diejenigen ein, welche als potentielle Kunden eigentlich Verhätschelung verdienten. Seit nun gut 10 Jahren sucht die Branche nach dem Stein der Weisen – und fällt dabei immer auf iTunes zurück. Werbefinanzierte Modelle sind ebenso gescheitert wie Musik-Abo-Flats. Ob Warner, Universal oder Sony – alle wagten das Buhlen um verschreckte Filesharer im Alleingang. Und gerade darum vermochte keines der Portale die Vielfalt und den Community-Geist der Tauschbörsen zu reanimieren. Lediglich Apple gelang die Etablierung kostenpflichtiger Downloads. Doch funktioniert dies eben aufgrund der zeitgeistigen Hardware (iPod). Kopierschutzmaßnahmen gingen ins Land und vertschüssten sich wieder. Klagewellen rollten an und krachten gegen die Wand. Die wenigen Konzepte, die tatsächlich einen Impetus zu neuen Herangehensweisen lieferten, wurden allesamt nicht vom Musikbusiness erdacht. Als Beispiel sei Last.fm erwähnt. Und nun befinden wir uns im Jahre 2009, die Industrie grübelt weiter wie man rückgängige Umsatzzahlen stoppen könnte und die Copyright-Diskussion knabbert nun seit einiger Zeit an den selben Brocken. Was tun?

Prinzipiell beharren Plattenfirmen auf dem kapitalistischen Prinzip, dass eine Leistung (zB eine physische CD oder ein digitaler Download) mit einer Gegenleistung (Geld) beantwortet werden muss. Die Annahme, wonach in der virtuellen Welt funktioneren wird, was in der Alltagsrealität gang und gäbe ist, ist die bis dato fundamentale Crux. Je unregulierter menschliches Handeln ist, desto mehr entfällt der Wille zur Pflicht. Das hat weniger mit krimineller Energie gemein, vielmehr mit der menschlichen Sehnsucht nach (Wahl-)Freiheit. Solange das Internet als Hort anonymen Handelns verstanden wird, sinkt der Drang Verpflichtungen nachzukommen. Diese Mentalität der Anfangstage des World Wide Web zappelt wie ein Damoklesschwert über allen Copyright-Debatten. Thesen, die darauf fußen, dass die Musikindustrie noch immer kein unwiderstehliches Angebot an den Konsumenten gemacht hat, lassen die mangelnde Zahlungsbereitschaft vieler Nutzer außer Acht. Das Gepredige von werbefinanzierten Angeboten mag zwar nett klingen, ist im Praxistest jedoch bestenfalls Geschwafel. Sowohl Last.fm als auch YouTube können das eine oder andere Liedchen davon trällern.

Was können wir uns also nun von den Erklärungen des Herrn Meyer-Lucht ins Stammbuch kritzeln? Die Labels haben allerlei Schnickschnack ausprobiert, solch Trendverweigerer sind die Plattenbosse ergo nicht. Dem Einfordern von Urheberrechtsgesetzen stimmt der Medienexperte ja zu. Bleibt nur der Verbraucher, den Meyer-Lucht zum Entscheidungstitan erhebt. Doch wenn eben jener Konsument auch zukünftig auf Filesharing setzt, welche Schritte soll dann die Unterhaltungsbranche unternehmen, um nicht länger im Mief strukturkonservativer Ignoranz zu waten? Interessanterweise erwähnt der werte Herr Experte die Kulturflatrate nicht. Ahnt er, dass solch eine Abgabe keine schwanzwedelnde Verteilungsgerechtigkeit in sich birgt? Oder fällt die Rolle nichtkommerzieller Inhalteproduktion dann eben jenen zu, die sich nicht in staatlichen Futtertröge der P2P-Pauschalen aalen dürfen? Einer Kostenlos-Kultur das Wort reden, aber sich da auf abstrakte Phrasen zu beschränken, ist einmal mehr plakativ wie nichtssagend.

SomeVapourTrails

Das Schlaraffenland ist abgebrannt – jetzt baut jeder seine eigene Burg

Das freie Streamen von Musik ist die Zukunft – so tönt es überall im Netz. Das Problem: Der Mangel an generierten Einnahmen. Nicht nur für die Musiker und Labels, auch Youtube schreibt Rote Zahlen. Ob der Weg aus der Misere  nun durch die vermeintliche Zauberformel: Youtube + Universal Music = VEVO  gefunden wird, scheint fraglich. Kundenbindung hin und her – Musikhörer wollen die volle Auswahl und nicht auf ein reduziertes Angebot beschränkt sein.

Laut Heise.de will die Universal Music Group  gemeinsam mit Youtube eine Musikvideo-Plattform mit Namen „VEVO“ gründen.

Über vevo.com soll den Angaben zufolge künftig der gesamte Musikkatalog von UMG abgerufen werden können. „Wir glauben, dass VEVO schon beim Start mehr Traffic haben wird als jede andere Musikvideo-Seite in den USA und in der ganzen Welt“, gibt sich UMG-Chef Doug Morris bereits jetzt euphorisch. Ziel sei, Unternehmen über hohe Zugriffszahlen zur Schaltung von Werbung zu bewegen.

(Quelle: Heise.de)

Jetzt baut also, wie schon in meinem Beitrag – 10 Alternativen zu YouTube – beschrieben, jedes Majorlabel nach und nach seine eigene Burg. Wer Clips von Warner Music sehen will, wird auf MyVideo.de fündig – wer nach Universal Videos sucht bald eben auf VEVO.

Und hier liegt der Hund begraben. Den normalen Konsumenten interessiert es herzlich wenig, bei welchem Label welcher Künstler ist. Der normale Konsument hat heutzutage leider meist noch nicht mal eine CD auf der er nachschauen kann…

Hier werden wieder Aggregatoren für die notwendige Abhilfe sorgen und entsprechende Werbeeinnahmen abgreifen. Dezentralisieren ist ein Anachronismus, der sich böse rächen wird.

Jede funktionierende Plattform muss Diversität zeigen. Eine Lösung für die aktuellen Problem kann nur gefunden werden, wenn alle Labels (Indie + Major) an einem Strang ziehen und nicht jeder versucht, sein eigenes Süpplein zu kochen und die anderen auszubooten

Netzwertig.de schreibt:

Wenn die übrigen Majorlabels VEVO beitreten, wird VEVO die Musikvideosite. Ob die Labels dann ein so freien Zugang zu den Videos Drittanbietern bieten werden, wie es YouTube macht, ist mehr als fraglich. Welcher Unsinn veranstaltet wird, wenn die Contentinhaber die Distributionssite im Web besitzen und kontrollieren, kann man aktuell bei der Videosite Hulu beobachten, welche den großen US-Sendern NBC und Fox gehört.

Das Problem: VEVO gehört allein der Universal Music Group… ob die anderen Plattenfirmen ihren Content auf einem Video-Portal anbieten, dass im Besitz eines Konkurrenten ist halte ich für fragwürdig.

Hinzu kommt, dass hier ein weiterer Versuch unternommen wird, die Indie-Labels und unabhängigen Künstler zu verdrängen. Die einbrechenden Einnahmen der Majorlabels sind eben nicht nur durch illegales Filesharing zu erklären. Der Kuchen wird heute in mehr Stücke aufgeteilt. Noch vor 5 Jahren war es für den Konsumenten ungleich schwerer, Musik von Indies zu entdecken und zu kaufen. Heute geht dies mittels weniger Knopfdrücke, einfach und unkompliziert. Manche meiner CD Käufe dürften aus jeglichen Statistiken fallen – da ich die Tonträger direkt bei den Künstlern bestellt habe. Ein Beispiel wäre China Mountain von Lotte Kestner – von der Musikerin selbst verlegt u. versandt.

Die Stärke von Youtube war immer, dass dort jeder seinen Platz fand. Die Schwäche, dass die Einnahmen ungerecht verteilt wurden. Unverständlich, dass die Beteiligten es nicht schaffen, das Positive beizubehalten und gemeinsam Lösungen für die negativen Punkte zu finden.

DifferentStars

Google-Allmächtig

Verfolgt man die aktuelle Diskussion um den Youtube-GEMA-Streit in der Blog-O-sphäre sucht man vergebens ein kritisches Hinterfragen der Google-Tochter. Fast überall wird einseitig wird auf die GEMA eingedroschen. Die Blogger dienen sich ihrem Zuhälter an, wie es nur die willigsten Nutten tun können. Google beherrscht das Netz, ist allmächtiger Traffic-Geber und -nehmer. Die besten Huren kümmern sich eh nicht mehr um Content – SEO heisst die Devise. Schnell noch die aktuellen Skandalmeldung aus dem Big Brother TV-Knast, Germany’s Next Doofie und DSDS kopiert – fertig ist – ja was eigentlich…

Kehren wir zurück zu Google. Ist Gesetz, hat immer Recht und bestimmt die Relevanz. Ein Blog, der in Google nicht gelistet wäre, den gäb’s eigentlich nicht, oder nur so, dass niemand etwas davon mitbekäme. Wieso also die Hand beißen, die einen füttert?

Im realen Geschäftsleben gibt’s Kartellämter – im Internet werden Milliardengeschäfte gemacht und es gibt Google. Vielleicht übernehmen die auch noch Twitter, dann können wir endlich den Rest abschaffen, da eh nicht mehr relevant.

Laut unserem Dashboard, fand Google uns mit diesen Suchworten relevant genug, um Leser zu uns zu schicken:

Top Google Referrer:

lie in the sound
lie in the sound blog
a night with the jersey devils
abgespritzt
youtube gema aprilscherz
sofia0809d@yahoo.ca
coldplay trennung
placebo battle for the sun
dido safe trip home
wichsende frauen
wayne jackson
julia kotowski
surround me with your love
ofra haza aids
bruce springsteen a night with the jerse
bundesvision sound contest

Merkwürdigster Google Treffer bisher:  „mama hilf mir beim wichsen“. In diesem Fall wär‘ wohl das Telefonbuch nützlicher gewesen 😀

Sehr ausführlich und fundiert hat sich das Phlow Magazin mit der Allmacht der Suchmaschinen beschäftigt.

Der aktuelle Trend, den Aggregatoren alles umsonst in den Rachen zu schmeißen, trifft letztendlich auch die Blogger. So ist es kurios anzuschauen, dass die gleichen, die „freie Musik für alle“ fordern, gleichzeitig verzweifelt Wege suchen um vom Bloggen leben zu können. Vorschnelle tappen gerne in die AdSense-Falle und sind im totalen UnSense gefangen – Google sei Undank.

So – genug des Rants. Ich werd‘ mich mal an der eigenen Nase fassen, die nächsten Tage weniger googeln, mehr yahoon, cuilten, fireballen und so…

DifferentStars

Auch sehr lesenswert zu diesem Thema – heute (5.4.2009) – vom Spiegel veröffentlicht: Hirn schlägt Maschine

Gespenstischer Frühling

Ladytron – Ghosts

via Pitchfork TV

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more about „Gespenstischer Frühling„, posted with vodpod

In the first days of the spring time
made you up and split from one thousand enemies
made a trail of, of a thousand tears
made you a prisoner inside your own secrecy

There’s a ghost in me
who wants to say „I’m sorry“
Doesn’t mean I’m sorry

Während GEMA-Chef Heker sich darüber beklagt, dass auf YouTube noch keine gespenstische Leere gähnt – und die bunten Videoclips in Überfülle dort durchs Netz flimmern, nehme ich als Web-Nomandin, die Situation zum Anlass die fruchtbareren Oasen abzugrasen.

Frühling klingt nach Lieblichkeit und Süße – aber auch hier lauern die Gespenster der dunklen Seelentiefe. Grandiose Lyrics, die einfach mal gewürdigt werden müssen.

Und nein – es tut mir nicht leid. Auch, oder gerade dass, ich Youtube nicht vermissen werde.

DifferentStars

Der großangelegte Aprilscherz

Stell dir für einen kurzen Moment vor, dass in diesem Jahr eine mediale Verschwörung der Extraklasse im Gange ist. Vom Käseblättchen über die Journaillen, welche sich selbst zu wichtig nehmen, bis hin zu schütter gesäten Qualitätszeitungen haben sich alle abgesprochen und einen Aprilscherz vom Stapel gelassen, der bei weitem weniger müde daherdackelt als es der Jux der FAZ tut. Vermute mal, das Witzchen wäre so eine perfide Realsatire, dass sogar die in der Zeitungsente erwähnten Protagonisten es als wahr erachten und munter in die ihnen zugedachten Rollen schlüpfen. Vergegenwärtige dir das Potential dieser Narretei anhand der Stichworte „GEMA“ und „YouTube“. Hört sich spaßig an, nicht wahr? Nun aus Spaß wird aber oft Ernst und dieser ist heute 9 Jahre alt.

Seit geraumer Zeit atmet alles, was aus dem Dunstkreis der Musikindustrie ans Tageslicht dringt, den Mief eines immensen PR-Desasters. Jedwede Idee der Plattenfirmen zielt auf Maximierung des eigenen Schadens ab. Da will natürlich der Interessensverband der deutschen Komponisten, Textern und Musikverlegern – die GEMA – nicht hintanstehen und möglichst viel Porzellan zerschlagen. Ich vergleich die GEMA ja gern mit der Mafia – bis du einmal Mitglied, ist ein Ausstieg verdammt schwer. Zwar seien die Meriten der GEMA nicht verschwiegen, aber dennoch überwiegt die hochgezogene Augenbraue als Zeichen eines gerüttelt Maß an Skepsis. Den momentanen Anlass liefert die Auseinandersetzung mit YouTube. Es geht um den Zaster. Der bisherige Vertrag zwischen den beiden Kontrahenten ist ausgelaufen, die GEMA will nun mehr Kohle sehen und YouTube sagt ‚Njet“. Deshalb sperrt die Google-Tochter nun einen Teil der Musikvideos für Besucher aus Deutschland, weil sonst Nachzahlungen drohen. So die hier, hier, hier und hier stehenden Fakten.

Schießt dieser Aprilscherz nicht über das Ziel hinaus, werden sich Verschwörungstheoretiker jetzt fragen. Manch einer wird sogar den Braten wittern und die Geschichte für bare Münze nehmen. Denn wenn es um das liebe Geld geht, dann hört sich der Spaß auf. Dem Musikfan fällt ein gelangweiltes Herumlümmeln, während sich die Streithähne die Augen auspicken, schwer. Eine kurze in Wortfetzen hingekritzelte Diagnose, die in etwa so appetitlich wie die eines Proktologen ausfällt, sei erlaubt.

Die Möglichkeit werbefinanzierten Streamings von Musik und Musikvideos ist prinzipiell zu begrüßen, da der Konsument dadurch neue Lieder, Bands entdecken kann und daraus eine etwaige Kaufentscheidung für sich treffen kann. Dass die an der Produktion von Musik und Videos beteiligten Leutchen für die Aufführung ihres Werks Geld sehen wollen, ist auch verständlich. Somit scheint die Ausgangslage recht einfach: Werbefinanziertes Portal zeigt Musik beziehungsweise Video, zahlt Tantiemen an die Künstler und der Kunde wiederum bezahlt durch Erduldung der Werbung. Simpler Plan – schwierige Umsetzung. Der Grund liegt in den nicht eben astronomischen Werbeeinnahmen mit denen YouTube und auch Last.fm ihr Dasein fristen müssen. Nun trifft es im Falle von YouTube mit Google ja keinen armen Schlucker, eine Lizenz zum Gelddrucken hat das Unternehmen jedoch auch nicht. Wenn die GEMA nun mehr Geld will, muss selbiges jedoch auch vorhanden sein. Rentabilität, Baby! Dem 14-jährigen Teenager aus Wattenscheid ist das freilich schnuppe. Wenn der Clip von Rihanna nicht läuft, dann kommt keine Freude auf.

Umdenken sollten alle. Der kleine Kuno aus Obertrubach genauso wie Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA. Die fetten Jahre sind vorbei. YouTube soll Labels und Künstlern für die Ausstrahlung mit mehr als einem Trostpflaster entschädigen (siehe dies plakative Statement), die GEMA soll realistische Tantiemen fordern und gerecht(!) verteilen und der Konsument sollte sich damit abfinden, dass nicht alles was an jeder Ecke des Webs so lauert immer und jederzeit kostenfrei ist. Vernünftige Preise, juhu! Ob die eben angelaufene Sperre des Contents nicht noch mehr Imageverlust für beide Seiten bewirkt, wird sich zeigen. Richtig profitieren tut jedenfalls niemand davon. Wenigstens diese Erkenntnis ist so sicher wie das Amen im Gebet.

Und hier gibt es eine erlesene Auswahl an Alternativen zu YouTube. Einfach einmal ausprobieren.

SomeVapourTrails

Video des Tages: Great Lake Swimmers – Pulling On A Line

Mir deucht – wir brauchen eine neue Rubrik. Video des Tages wird’s wohl nicht werden oder bleiben. Denn – nicht jeden Tag finde ich ein Video, bei dem mich sowohl Musik, als auch die filmische Umsetzung fasziniert. Regie führte hier Isaac Rentz. Pulling On A Line ist die erste Auskopplung aus dem Album Lost Channels – vollkommen zu Recht von SomeVapourTrails als Meisterwerk bezeichnent. Lest selber.

DifferentStars